Herr Peters, wann erleben wir die TSG Hof­fen­heim in der 1. Bun­des­liga?

Wir haben mit dem Auf­stieg in die zweite Liga einen guten Schritt gemacht und müssen uns dort in einem extrem schwie­rigen Feld eta­blieren. Sicher, wir haben ehr­gei­zige Ziele, auch bis in die erste Liga. Aber bis dahin müssen wir step-by-step vor­gehen, uns weiter sta­bi­li­sieren.

Können Sie in Hof­fen­heim das ver­wirk­li­chen, was Ihnen beim DFB ver­wehrt wurde?

Das sind zwei ver­schie­dene Paar Schuhe. Der DFB ist ein Ver­band, Hof­fen­heim ein Verein. Ich bin sehr glück­lich, bei der TSG gelandet zu sein. Wir hier können hier auf kurzem Dienstweg sehr viel bewegen, weil der Kreis von Ent­schei­dungs­trä­gern sehr klein ist. Wenn hier eine Idee ent­wi­ckelt wird, wird diese mit Vehe­menz ver­folgt. Dies geschieht weitaus ange­nehmer und weniger poli­tisch als bei einem großen Ver­band.

Ist die TSG Hof­fen­heim das Vor­zeige-Modell eines per­fekten Pro­fi­klubs?

Ein per­fekter Pro­fi­klub zu sein ist nicht unser Anspruch, dem­entspre­chend ungern werden wir als sol­cher dekla­riert. Unser Ziel ist es, eine gute, qua­li­tät­volle Arbeit abzu­lie­fern und nicht nach links und nach rechts zu schauen. Wir sind von diesem Weg über­zeugt und gehen ihn ziem­lich selbst­be­wusst.

Welche Rolle spielt Dietmar Hopp dabei?

Dietmar Hopp hat für alle hier eine grund­sätz­liche Bedeu­tung. Er ist eine Sym­bol­figur, eine Art Super­visor für die Ziele unserer Jugend­ar­beit. Die För­de­rung der Pro­fi­mann­schaft wird durch ihn erst sinn­voll, weil er den Jugend­li­chen eine inter­es­sante Aus­rich­tung auf die Zukunft bietet. Das Enga­ge­ment im Jugend­be­reich ist für Hopp eine soziale Ver­pflich­tung.

Er scheint ihnen jeden Wunsch von den Lippen abzu­lesen. Arbeiten Sie in Hof­fen­heim in einer Art Fuß­ball-Para­dies?

Ich weiß nicht, ob er mir schon einen Wunsch von den Lippen abge­lesen hat. Er ist von unserer Arbeit über­zeugt und kann sehr gut ein­ordnen, was wir hier machen. Im Gegenzug dürfen wir uns sicher sein, ein opti­males Arbeits­um­feld geboten zu bekommen.

Die Fans der anderen Ver­eine scheinen der TSG Hof­fen­heim nicht viele Sym­pa­thien ent­gegen zu bringen. Gefallen Sie sich in ihrer Rolle als Neid­ob­jekt der Liga?

Ich glaube, diese Ein­stu­fung ist ober­fläch­lich und popu­lis­tisch. Wir haben als kleiner Verein wohl kaum bes­sere Mög­lich­keiten als zehn andere Klubs der Liga. Für mich ist das eine ziem­liche Ver­ein­fa­chung der Sach­lage, die man unkom­men­tiert so stehen lassen sollte.

Sie konnten ihren Erfolg als Hockey-Trainer stets an Titeln messen. Fehlt ihnen diese Per­spek­tive in Hof­fen­heim nicht?

Kei­nes­wegs. Ich habe diese beruf­liche Wei­ter­ent­wick­lung ja bewusst gewählt. Meine neue Rolle erlaubt es mir, den gesamten Pro­zess der Leis­tungs­ent­wick­lung zu mode­rieren. So kann ich viele ver­schie­denen Exper­ten­mei­nungen zu einem guten Ganzen zusammen bringen. Das ist exakt die Auf­gabe, die ich mir nach zwanzig Jahren als Trainer im Leis­tungs­be­reich gewünscht habe.

Nehmen wir mal an, Sie stellen dem­nächst fest, dass in Hof­fen­heim nicht mehr als Zweit­li­ga­fuß­ball mög­lich ist. Könnten Sie sich auch mit einem Mit­tel­feld­platz in der 2.Liga anfreunden?

Nein.

Hockey-Welt­meister Philipp Crone sagt über Sie: Man muss ihn kennen, um ihn zu mögen.“ Mögen Sie die Spieler in Hof­fen­heim schon?

Ob die Spieler mich mögen?

Ja.

Also, es ist schon schwierig an jemanden wie mich ran­zu­kommen. Ich stehe hier nicht im eins-zu-eins Kon­takt mit den Spie­lern, wie es bei­spiels­weise ein Trainer tut. Meine Arbeit bewegt sich eher im kon­zep­tio­nellen Bereich, auf der Schiene eines Mit­ar­bei­ters dahinter. Dadurch ist mein Kon­takt zu den Spie­lern etwas weniger intensiv. Auf einer etwas anderen Ebene komme ich mit den Spie­lern gut zurecht. Aber umfas­send kennen die mich sicher­lich noch nicht.

Die Situa­tion des deut­schen Fuß­balls haben Sie einmal mit einem schwer manö­vrier­baren Rie­sen­tanker ver­gli­chen. Wie groß ist der Vor­sprung der TSG Hof­fen­heim gegen­über den anderen Pro­fi­klubs?

Die TSG Hof­fen­heim ent­spricht am ehesten dem Bild eines kleinen Schnell­bootes, das ein­fach und schnell auf neue Ent­wick­lungen reagieren kann. Die Gescheh­nisse in unserem Verein sind leichter zu manö­vrieren als in einem großen Klub. Ein auto­ma­ti­scher Vor­sprung gegen­über diesen Ver­einen leitet sich dadurch aller­dings nicht ab. Wir sind ja erst in der zweiten Liga.

Sie kamen vor acht Monaten zur TSG. Wie ver­traut war ihnen die Materie Fuß­ball bis dato?

Ich war und bin Lehr­ling und muss mich weiter in die Materie Fuß­ball ein­ar­beiten. Viele Dinge konnte ich mir im Vor­feld anschauen. In anderen Berei­chen muss ich mich erst wei­ter­ent­wi­ckeln. Fuß­ball ist in seiner Kom­ple­xität dem Hockey­spiel sehr ähn­lich. Gerade im Bereich der Nach­wuchs­för­de­rung gibt es viele Über­ein­stim­mungen zwi­schen beiden Sport­arten.

Sie arbeiten als Berater mitt­ler­weile auch für den DFB. Was ist noch übrig von der Skepsis gegen­über externen Ein­flüssen?

Das ist sehr unter­schied­lich. Man hat den Ein­druck, dass durch die neue Denk­weise von Klins­mann und Löw eine Öff­nung statt­ge­funden hat. In vie­lerlei Hin­sicht tut man sich aber immer noch sehr schwer, was äußere Ein­fluss­nahme angeht. Das wech­selt je nach Auf­ga­ben­be­reich. Einige Gebiete des DFB sind da auf einem sehr guten Weg. In anderen herr­schen wei­terhin tra­dierte Mecha­nismen, die sich gegen eine brei­tere Öff­nung wehren.

Sind Sie bei ihrem Amts­an­tritt beim DFB davon aus­ge­gangen, dass diese Skepsis nicht mehr exis­tiert?

Nein davon bin ich nicht aus­ge­gangen. Ich habe trotzdem schon Unter­stüt­zung für meine Denk­weise erfahren. Es ist wie im nor­malen Leben, da muss man auch kämpfen, um Skep­tiker zu über­zeugen. Das ist gut so!

Wie weit können Sie sich mit der Arbeit von Joa­chim Löw iden­ti­fi­zieren?

Löw ist ein ganz anderer Trai­nertyp als ich. Er ist viel beson­nener, ruhiger und aus­ge­gli­chener, als ich es je war. Ich bin auf dem Platz mehr ein Mann der Extreme. Den­noch kann ich mich stark mit dem iden­ti­fi­zieren, was Löw macht. Er hat klare Vor­stel­lungen von seinen Zielen. Die Art und Weise, wie er nach seiner Arbeit als zweiter Mann hinter Klins­mann jetzt die Rolle des Chef­trai­ners über­nommen hat, zeugt jeden­falls von einer starken Füh­rungs­per­sön­lich­keit. Dafür zolle ich ihm meine Anner­ken­nung.

Sehen Sie ihre Haupt­auf­gabe in Hof­fen­heim darin, den Rahmen für die Zukunft zu setzen?

Auf jeden Fall. Es gibt noch viele Ansatz­punkte, das gut funk­tio­nie­rende Jugend­system in Hof­fen­heim weiter zu ver­bes­sern. Gerade in der Talent­för­de­rung können wir den ein­zelnen Spie­lern den Über­gang zur Pro­fi­mann­schaft noch ein­fa­cher gestalten. Diese Arbeit macht großen Spaß, weil es ein über­grei­fendes Auf­ga­ben­ge­biet zwi­schen der Jugend und dem Pro­fi­be­reich ist.

Im schnell­le­bigen Bun­des­liga-Geschäft könnte es pas­sieren, dass Sie die Früchte ihrer Arbeit nicht selbst ernten dürfen. Stört Sie dieser Gedanke?

Wie meinen Sie das?

Ich meine die hohe Ver­schleiß­rate im Fuß­ball, die ist doch deut­lich höher als bei­spiels­weise im Hockey…

Stimmt, aber mich schmeißt man nicht raus. Wenn ich irgendwo nicht erwünscht bin, dann habe ich die Sen­si­bi­lität dafür und gehe selbst.

Sind sie sicher, dass Sie immer den rich­tigen Zeit­punkt finden?

…immer! Da können Sie ganz sicher sein.

Der öffent­liche Druck wird in der zweiten Liga zunehmen. Ein Pro­blem für Sie?

Druck ist etwas sehr Spe­zi­fi­sches und Nor­males im Leis­tungs­sport, wenn du etwas gewinnen willst. Das gefällt mir, dann bin ich bissig und hoch kon­zen­triert. Wissen Sie, ich war fünfmal bei Olym­pi­schen Spielen und in vielen End­spielen einer Europa- oder Welt­meis­ter­schaft dann bereitet Ihnen Druck einer 2. Liga keine Schlaf­lo­sig­keit.

Marcus Weise, Ihr Nach­folger als Trainer der Hockey­na­tio­nal­mann­schaft, hat über Sie gesagt: Von hun­dert Puz­zle­teilen hält Peters alle in der Hand. Wie viele sind es in Hof­fen­heim?

Ich glaube, Weise wollte damit sagen, dass ich immer den Anspruch habe, alle Dinge beein­flussen zu wollen. Das ist in Hof­fen­heim über­haupt nicht der Fall. Ich bin gerade acht Monate hier und habe eine sehr team­ori­en­tierte Rolle.

Teilen Sie gerne mit Ralf Rang­nick?

Was soll ich denn teilen?

Die Arbeit zum Bei­spiel…

Stimmt, ich teile in der Tat sehr gerne mit Rang­nick. Er ist ein sehr unge­dul­diger, per­fek­tio­nis­tisch ver­an­lagter Trainer, der viele Dinge mög­lichst inno­vativ angehen möchte. Ich denke, da passen wir sehr gut zusammen. Er hat mich als Ent­wick­lungs­denker immer im Hin­ter­grund, was viel her­aus­for­derndes Denken in einem Bereich erfor­dert, der zuletzt für mich Neu­land war. Die Arbeit mit ihm ist eine inter­es­sante Her­aus­for­de­rung, die mir in den letzten acht Monaten großen Spaß gemacht hat.

In wie weit werden Sie mit Rang­nick das Trai­ning den gestie­genen Anfor­de­rungen der zweiten Liga anpassen?

Es gibt noch etliche Ideen, die wir zur Ver­bes­se­rung der Mann­schaft vor­an­bringen wollen. Ich könnte Ihnen jetzt einige nennen, aber da werden wir das Rad nicht neu erfinden. Die inter­es­santen Sachen behalten wir sowieso lieber für uns.

Machen wir es mal an einem Bei­spiel fest: Ihr Team spielt gegen den 1.FC Köln in einem Sta­dion mit 40.000 Zuschauern. Wie bereiten Sie ihre Mann­schaft auf solche Dimen­sionen vor?

Wir the­ma­ti­sieren diese große Ver­än­de­rung vor den Spie­lern ständig und haben mit Fach­leuten wie Hans-Dieter Her­mann den rich­tigen Mann an unserer Seite. Die psy­cho­lo­gi­sche Arbeit war schon in der dritten Liga sehr intensiv und wird in der zweiten Liga den Umständen ange­passt werden.

Wel­ches Sai­son­ziel müsste die TSG errei­chen, damit Sie ihre Arbeit als erfolg­reich bezeichnen?

Ich habe meinen Erfolg lange genug über Ergeb­nis­ziele defi­niert. Meine jet­zige Arbeit bewegt sich eine Stufe dahinter. Es geht mir darum, unser Team weiter zusam­men­zu­bringen und die Umset­zung von Ideen zu sta­bi­li­sieren. Ergeb­nis­ziele hat bei uns der Trainer.

Herr Peters, zum Abschluss kon­fron­tiere ich Sie mit zwei Zitaten und Sie urteilen dar­über:

Peters ist ein abso­luter Per­fek­tio­nist“ (Hockey-Welt­meister Sebas­tian Draguhn)

In gewisser Weise stimme ich dem zu. In der Ver­gan­gen­heit war das mein über­trie­bener Anspruch. Inzwi­schen ver­suche ich, von diesem Anspruch etwas weg zu kommen. Ich muss nicht per­fekt sein, es reicht, gut zu sein.

Ich bin extrem in meinen Anfor­de­rungen“ (Ber­nard Peters)

Dem ist nichts hin­zu­zu­fügen.