Seite 2: „Der Umbruch bei Düsseldorf war unabdingbar“

Warum?
Weil ich nicht mit der Situa­tion ver­traut war und viel zu schnell ent­schieden habe. Bei 1860 wollte ich auch ein paar Spieler aus­sor­tieren, um fri­schen Wind rein­zu­kriegen. Leider konnte mir der dama­lige Prä­si­dent dazu nichts sagen, weil alle Ent­schei­dungen in Abu Dhabi getroffen wurden. Aber dieser Scheich ließ sich bei allem sehr viel Zeit, wes­halb ich auch meinen Ver­trag – trotz eines Ange­bots im Januar – nicht vor­zeitig ver­län­gert habe und dann im April ent­lassen wurde. Die wei­tere Ent­wick­lung des Klubs spricht ja für sich.

Sie waren im Anschluss andert­halb Jahre raus. Wie fühlte sich nach gut 1300 Spielen als Aktiver und Coach im Pro­fi­fuß­ball das vor­zei­tige Rent­ner­leben an?
Ob Sie es glauben oder nicht: Ich habe das große Ganze über­haupt nicht ver­misst. Wenn sams­tags Fuß­ball war, stand ich oft auf dem Ten­nis­platz. Wir waren in Afrika auf Safari und planten eine Wohn­mo­bil­reise durch Kanada. So ver­ging die Zeit relativ flott – und ich hätte mir das auch wei­terhin vor­stellen können.

Der Rest des Lebens ganz ohne den Geruch von Gras in der Nase?
Ich bin 64, auch wenn ich mich nicht so fühle, ich bin gesund und fit. Ich habe noch viel vor im Leben. Aber ich gebe auch zu, dass ich bei der For­tuna wieder richtig Blut geleckt habe.

Trotz Kalt­start am Abgrund der zweiten Liga.
Natür­lich war das nicht leicht, aber ich hatte mit Peter Her­mann den besten Co-Trainer an meiner Seite, den es gibt. Ums Trai­ning musste ich mich anfangs gar nicht küm­mern, ich konnte beob­achten, auf die Kör­per­sprache der Spieler achten. Mir kam nur die Auf­gabe zu, die unpo­pu­lären Per­so­nal­ent­schei­dungen zu treffen.

Der radi­kalste Umbruch Ihrer Lauf­bahn?
Defi­nitiv. In Bochum habe ich mal drei Spieler aus­sor­tiert, aber sechs noch nie. Aber die Maß­nahmen waren unab­dingbar, um nicht noch eine Hor­ror­saison zu erleben. Mit diesen Spie­lern wäre es nicht mehr gegangen.

Fällt es Ihnen in Ihrem Alter leichter, unpo­pu­läre Ent­schei­dungen zu treffen?
Natür­lich bin ich mutiger als vor 20 Jahren. Aber ich habe – viel­leicht abge­sehen von meiner Zeit in Bochum, wo das Ver­halten einiger Spieler schon sehr merk­würdig war – nie die Not­wen­dig­keit gesehen, derart durch­zu­greifen.

Dass der FC Bayern Ihnen im Herbst 2017 Co-Trainer Peter Her­mann abspenstig machte, muss eine mit­tel­schwere Kata­strophe gewesen sein.
Als ich hörte, dass Jupp Heynckes bei den Bayern im Gespräch ist, wusste ich: Das macht der nie ohne Peter. Die beiden haben noch ein engeres Ver­hältnis zuein­ander als Peter und ich. Eigent­lich hatten wir uns in die Hand ver­spro­chen, gemeinsam in Düs­sel­dorf auf­zu­hören. Aber diese Chance konnte ich Peter natür­lich nicht ver­bauen. Jupp rief mich extra an, um mir zu erklären, warum er den Job in Mün­chen nicht ohne ihn machen kann.

Was haben Sie zu ihm gesagt?
Jupp, das brauchst du mir alles nicht zu erklären. Des­wegen ist Peter auch so wichtig für mich.‘

Und was ent­geg­nete er?
Dass ich doch jünger sei und mich noch besser auf einen Neuen ein­stellen könne. (Lacht.) Da habe ich nur gesagt: ›Jupp, hör mal, ich bin 63.‹