Seite 4: „Ich weiß, was beim Aufstieg auf mich zukommt“

Gab es den­noch eine Zeit, in der Ihnen auf den Geist ging, als Fach­kraft für Män­gel­ver­wal­tung“ bezeichnet zu werden, als kno­chen­harter Rea­list für Auf­räum­ar­beiten“ oder – wie Ihr Kumpel Bruch­hagen Ihnen mal attes­tierte – als Coach mit einem guten Preis-Leis­tungs-Ver­hältnis?
Glauben Sie mir, ich habe nie schlecht ver­dient. Viel­leicht hätte ich mehr ver­dienen können, denn ich hatte nie einen Berater. Aber ich habe ein kom­for­ta­bles Leben, muss mir über Geld nie mehr Gedanken machen. Was will ich mehr?

Viel­leicht ein bes­seres Image?
Ich hatte immer Spaß an meiner Arbeit. Was geschrieben wurde, hat mich nie groß inter­es­siert.

Klingt rea­lis­tisch. Glauben Sie, dass Ihnen für die ganz großen Klubs eine Prise Wahn­sinn fehlt?
Kann sein. Aber auch dar­über habe ich nie nach­ge­dacht, weil ich mit meinen Klubs und den Städten, in denen ich gear­beitet habe, zufrieden war. Manchmal bin ich wegen meines Rea­lismus viel­leicht auch ent­lassen worden, weil der Fuß­ball auch daran krankt, dass ab einem bestimmten Moment Anspruch und Wirk­lich­keit aus­ein­an­der­klaffen. Und für Pro­jekte, wo das so ist, bin ich dann eben nicht der geeig­nete Mann.

Dann sollten Sie sich über­legen, ob Sie mit For­tuna wirk­lich den Auf­stieg schaffen wollen.
Im Rhein­land gehen im Erfolgs­fall die Ansprüche schnell mal durch die Decke. Ange­nommen, wir bleiben bis zum Sai­son­ende wirk­lich an der Tabel­len­spitze, weiß ich ganz genau, was auf mich zukommt. Mich kann in diesem Geschäft nichts mehr scho­cken.

Was ist das per­fekte Alter für einen Pro­fi­trainer?
Sie können in jedem Alter etwas bewegen. Eine Zeit lang gab es eine Art Jugend­wahn in unserer Branche. Der ebbt gerade wieder etwas ab, weil jeder ver­standen hat, dass ständig neue Trainer auf den Markt kommen, von denen sich manche halten, andere aber auch schnell wieder ver­schwinden. Ent­schei­dend ist nicht das Alter, son­dern dass man ein guter Trainer ist.

Und woran erkennt man einen?
Daran, dass er kon­ti­nu­ier­lich über Jahre gute Arbeit macht. Julian Nagels­mann bei­spiels­weise ist ein sehr guter Trainer, der die erste Delle in seiner Lauf­bahn gerade per­fekt gemeis­tert hat. Aber er ist noch nicht so weit, Trainer beim FC Bayern zu werden.

Warum denn nicht?
Weil er für diese kom­plexe Auf­gabe ein­deutig noch zu jung und uner­fahren ist.

Als Sie vor einiger Zeit nach Julian Nagels­mann gefragt wurden, zollten Sie ihm Respekt, wie er sich in seinem Alter in Hof­fen­heim durch­setzt. Aller­dings habe er dort eine nicht ganz so schlimme Mann­schaft mit nicht ganz so schlimmen Fin­gern“. Wel­ches war Ihre schlimmste Mann­schaft?
Ach, die Mann­schaften waren fast alle sehr intakt. Es gab halt ein paar Spieler, die ver­sucht haben, mich auf die Probe zu stellen.