Laut klatschte die Pranke von Herr­mann Ger­land auf die Schulter von Thiago Alcan­tara. Ermu­ti­gend war die Begrü­ßung vom Co-Trainer des FC Bayern gemeint, und der Spa­nier lächelte dankbar, wenn auch etwas gequält. Denn gespielt hat der Mann, der eigent­lich der ent­schei­dende Spieler in Pep Guar­diolas System sein soll, seit über acht Monaten nicht mehr. Auch Javi Mar­tinez war vor der Partie gegen Bayer Lever­kusen nur in den Kabi­nen­trakt der Münchner Arena gekommen, um ein Fern­seh­in­ter­view zu geben. Der ver­letzte Ersatz­tor­hüter Tom Starke hing dort rum, um alte Lever­ku­sener Kumpel zu treffen. Von den wei­teren Ver­letzten, Philipp Lahm, David Alaba, Holger Bad­stuber und Pepe Reina war hin­gegen nie­mand zu sehen.

Hatte Sammer nicht ein­dring­lich gewarnt?

Nor­ma­ler­weise würde die Beschrei­bung einer sol­chen Szene dazu dienen, um die Krise eines Klubs zu erklären. All die Ver­letzten würden erklären, warum es hinten nicht stimmt und vor allem im Mit­tel­feld. Warum die Mann­schaft nicht mehr siegt und es an Punkten fehlt. Dann würde man noch erzählen, dass Bas­tian Schwein­s­teiger bei seiner Ein­wech­se­lung gegen Lever­kusen erst zum vierten Mal nach dem WM-Finale von Rio auf dem Platz stand und in dieser Saison erst 34 Minuten gespielt hat. Man würde von da aus über­haupt auf die Welt­meis­ter­schaft zu spre­chen kommen, weil die Pro­bleme des FC Bayern natür­lich auch damit zu tun hätten, dass aus dem aktu­ellen Kader 13 Spieler keine ver­nünf­tige Som­mer­pause hatten, weil sie in Bra­si­lien waren. Und hatten Pep Guar­diola und der alte Mahner Mat­thias Sammer nicht völlig zurecht gewarnt, dass es bis Weih­nachten ver­dammt holprig werden würde?

Die für die Bun­des­liga erschüt­ternde Erkenntnis ist aber, dass nach dem 1:0‑Sieg über Lever­kusen nie­mand auf die Idee kam, all diese Spieler zu ver­missen und der FC Bayern auch nicht durch die Hin­runde hol­pert, son­dern im Ver­gleich zur Vor­saison ein­fach noch besser geworden ist. Das liegt vor allem daran, dass fast alle Spieler die Denk- und Arbeits­weise ihres Trai­ners inzwi­schen so tief ver­in­ner­licht haben, dass sie Guar­diolas Ideen ganz selbst­ver­ständ­lich umsetzen und seien sie so nomi­nell ver­rückt wie der Fünf-Mann-Sturm gegen Bayer.