Ver­gan­gene Woche endete die 11FREUNDE-Ana­lyse mit den Worten, die 0:2‑Niederlage der Bayern gegen Hertha BSC dürfte(…) am Ende der Saison nur ein Makel in ihrer ansonsten makel­losen Bilanz dar­stellen.“ So kann man sich irren. Eine Woche später ist Bay­erns Sieglos-Serie auf vier Spiele ange­wachsen. Die 0:3‑Heimniederlage gegen Borussia Mön­chen­glad­bach mar­kiert den Tief­punkt der bis­he­rigen Bayern-Saison.

Die Woche in Mün­chen endete so, wie sie begonnen hatte: mit einer Debatte um Trainer Niko Kovac. Ich weiß, dass ich beim FC Bayern bin und die Zeit hier anders läuft als viel­leicht anderswo“, so der Kroate. Nach der Län­der­spiel-Pause benö­tigt er drin­gend ein Erfolgs­er­lebnis. Was muss sich bei den Bayern ändern? Welche drän­genden Pro­bleme muss Kovac nun angehen? Fünf Vor­schläge.

1. Das Mit­tel­feld: Unter­be­setzt im Ball­be­sitz

Das Mit­tel­feld ist aktuell die größte tak­ti­sche Bau­stelle der Bayern. Kovac bevor­zugt bei den Bayern eine Mischung aus 4−3−3 und 4−2−3−1. Die beiden vor­deren Achter haben die Auf­gabe, sowohl im Ball­be­sitz als auch im Pres­sing weit vor­zu­rü­cken. Der Sechser wie­derum soll den Spiel­aufbau vor der Abwehr gestalten.

Zu Sai­son­be­ginn funk­tio­nierte diese Auf­tei­lung. Die Achter gaben dem Sechser Anspiel­sta­tionen, im Pres­sing sorgten sie für Wucht und Aggres­si­vität. Mitt­ler­weile jedoch gelingt es den Geg­nern, Bay­erns Mit­tel­feld aus dem Spiel zu nehmen. Bei Ball­be­sitz pos­tiert sich der Gegner um Bay­erns Sechser Thiago. Er wird nur selten ange­gangen.

Denn meis­tens kon­zen­trieren sich die Gegner darauf, Bay­erns Spiel­ge­stalter von seinen Mit­spie­lern zu iso­lieren, sei es über eine Mann­de­ckung auf die Achter oder – im Falle von Glad­bach – eine Raum­de­ckung um Thiago herum. Thiago kann einem man­gels Anspiel­sta­tionen fast schon Leid tun. Der Mün­chener Spiel­aufbau durch das Zen­trum ist kaum mehr mög­lich. Hierfür muss Kovac Lösungen anbieten.

2. Außen­stürmer: Stumpfe Waffe

Die ange­spro­chenen Pro­bleme, das Spiel durch das Zen­trum vor das Tor zu bringen, plagen die Bayern schon seit Jahren. Einen echten Zehner haben sie nicht im Kader. Selbst James kommt eher als ein­rü­ckender Flü­gel­stürmer zum Ein­satz, der sich häufig fallen lässt. Schon unter Pep Guar­diola und Carlo Ance­lotti ver­steiften sich die Bayern daher auf ihr Flü­gel­spiel. Den Ball so lange laufen lassen, bis Arjen Robben oder Franck Ribery in eine Eins-gegen-Eins-Situa­tion gelangen oder ein Außen­ver­tei­diger die Linie ent­lang geschickt werden kann: Das war der Mün­chener Weg.

Doch Robben und Ribery befinden sich in einer Form­krise. Serge Gnabry wie­derum fehlt die Fähig­keit, sich gegen mehr als einen Gegen­spieler zu behaupten. Der Gegner kann Bay­erns Außen­stürmer daher leicht aus dem Spiel nehmen. Glad­bach agierte dazu mit tiefen Außen­stür­mern, die halfen, Bay­erns Außen­stürmer zu dop­peln. Die geg­ne­ri­sche Defen­sive über einen Genie­streich auf den Flü­geln aus­he­beln? Klappt der­zeit ein­fach nicht. Hier muss Kovac das eigene Flü­gel­spiel stärken und varia­bler gestalten.