1.
Vorweg ein biss­chen Sta­ti­sitik: Seit Liga­grün­dung spielt Bilbao unun­ter­bro­chen erst­klassig, wurde achtmal Meister und gewann 24 Mal den spa­ni­schen Pokal. Der höchste Liga-Sieg aller Zeiten datiert auf den 8. Februar 1931. Damals gewann man 12:1. Gegner: der FC Bar­ce­lona. Inter­na­tional ist Ath­letic aller­dings weniger erfolg­reich, 1977 konnte man immerhin uns End­spiel des Uefa-Cups ein­ziehen, 1957 erreichte man das Vier­tel­fi­nale des Lan­des­meis­ter­cups. 

2.
Ath­letic Bilbao setzt aus­schließ­lich Spieler bas­ki­scher Her­kunft ein und gilt des­wegen als Natio­nal­mann­schaft des Bas­ken­landes. Auch Spieler aus dem fran­zö­si­schen Teil des bas­ki­schen Sied­lungs­raums dürfen für Ath­letic spielen – so wie etwa Bixente Liz­a­razu, der 1996/97 für den Verein auf­lief. Seit einigen Jahren hat man diese Politik ein wenig gelo­ckert. Die Fans plä­dieren aller­dings wei­terhin für eine rein bas­ki­sche Mann­schaft. Im März 2010 wurde unter über 6000 Mit­glie­dern dar­über abge­stimmt, ob man die Ver­eins­sta­tuten ändern sollte. 93 Pro­zent stimmten dagegen. 

3.
Wie die Sta­tuten gelo­ckert werden können, wird von Fall zu Fall ent­schieden. 2009 gab es einen großen Auf­schrei, als mit Binke Dia­bate ein Spieler aus Afrika ver­pflichtet wurde. Dia­bate war mit seinen Eltern einst aus Bamako, der Haupt­stadt Malis, geflüchtet. Zuvor hatte bereits Jonás Ramalho, Sohn einer Baskin und eines Ango­la­ners, sein Debüt bei den Profis gegeben. Beide Spieler lösten Dis­kus­sionen dar­über aus, was ein Baske ist und wie er aus­zu­sehen hat. Der Afri­kaner Blan­chard Moussayou wurde einst eben­falls von Ath­letic auf­ge­nommen. Er been­dete seine Kar­riere aller­dings ver­let­zungs­be­dingt. In einem Inter­view mit der Süd­deut­schen Zei­tung sagte er einmal zur Zukunft Ramalhos: Es wird vielen Leuten schwer fallen, ihn zu akzep­tieren.“

4.
Fer­nando Suárez, der Neffe von Adolfo Suárez (einst Minis­ter­prä­si­dent Spa­niens), sagte in der Sport Bild einmal: Warum sollten wir unsere Prin­zi­pien ändern? Ich spreche für alle Fans: Messi nehmen wir nicht einmal geschenkt!“ Jupp Heynckes, Bilbao-Trainer von 2001 und 2003, sagte: Man hat so den Vor­teil, dass das Team sehr homogen ist. Dort herrscht ein außer­ge­wöhn­li­cher Team­geist.“ Andoni Zubi­zar­reta, in den Acht­zi­gern Tor­wart bei Ath­letic, ergänzte Ein Ath­letic-Spieler kann der Freund der Schwester, der Nachbar aus dem fünften Stock oder der eins­tige Schul­ka­merad sein.“ Schöne Vor­stel­lung.

5.
Unschön indes die Vor­stel­lung, dass es nach wie vor ein Risiko ist, im Ath­letic-Umfeld den Opfern der Eta zu gedenken. Als etwa der ehe­ma­lige Bilbao-Prä­si­dent Fer­nando García Macua zum ersten Mal in der Klub­ge­schichte im Sta­dion eine Schwei­ge­mi­nute für ein Opfer der Ter­ror­or­ga­ni­sa­tion orga­ni­sierte, galt er in den Augen der Ultras als Ver­räter. Die Schwei­ge­mi­nute wurde nach zehn Sekunden nie­der­ge­schrien. Auf Trans­pa­renten wird außerdem gerne mal die Frei­las­sung gefan­gener Eta-Mit­glieder gefor­dert. Zur Melodie von Oh, when the Saints“ erklingt der Schlachtruf: Lasst uns einen Spa­nier töten.“

6.
Über 100 Jahre liefen die Mann­schaften Ath­letic Bil­baos ohne Tri­kot­wer­bung auf. Vor wenigen Jahren beugte man sich aller­dings öko­no­mi­schen Zwängen. Zur Saison 2008/09 schloss der Klub einen Ver­trag mit dem Mine­ral­öl­kon­zern Petronas ab – und erhielt ver­gleichs­weise geringe zwei Mil­lionen Euro dafür. Bei der Prä­sen­ta­tion der Tri­kots kam es zu Fan­pro­testen.

7.
Als Jupp Heynckes Trainer von Ath­letic Bilbao war, legte er sich nicht nur einmal mit den Direk­toren des Klubs an. Bei einem Aus­wärts­spiel gegen Atle­tico Madrid for­derten die Ath­letic-Funk­tio­näre, dass die eigene Mann­schaft nur in rot-weiß spielen könne. Das Pro­blem: Atle­tico Madrid spielt seit jeher eben­falls in rot-weiß. Heynckes störte das alles nicht. Er ließ die Männer toben – und schickte seine Mann­schaft in blau aufs Feld. Bilbao gewann.

8. 
Ein anderes Mal ver­legte Heynckes in Eigen­regie das Abend­essen von 22 Uhr auf 19:30 Uhr vor. Dieses Mal gingen die Spieler auf die Bar­ri­kaden, schließ­lich isst man in Spa­nien tra­di­tio­nell immer etwas später. Heynckes fand einen Kom­pro­miss. Das Abend­essen fand zwar um 19:30 Uhr statt, doch um 22 Uhr reichte er höchst­per­sön­lich kleine Häpp­chen und Rot­wein. Nacht­ruhe um 24 Uhr. 

9.
Auch Dra­goslav Ste­pa­nović arbei­tete einst als Trainer von Ath­letic Bilbao. Auf die Frage, wie er damit umgehe, dass nur Basken in der Mann­schaft spielen dürfen, ant­wor­tete er: Ist doch super, Fehl­ein­käufe gibt’s nicht mehr!“ Sorge, dass die Spieler ihn nicht ver­stehen könnte, hatte er auch nicht: Die Fuß­ball­sprache ist inter­na­tional und ein­fach.“ Würden Sie denn was anders machen, als in Deutsch­land, fragte derKicker: Nein, die Leute von Bilbao wollen den Stepi, den harten und kom­pro­miß­losen Hund, den sie von der Bun­des­liga her kennen und den sie ver­pflichtet haben. Das habe ich bei den Ver­hand­lungs­ge­sprä­chen genau her­aus­ge­hört.“ Nach zwei Monaten besuchte ihn ein Reporter der FAZ, der Klub düm­pelte im unteren Tabel­len­drittel umher. Auf die Frage, was er denn am meisten ver­misse, ant­wor­tete der ehe­ma­lige Frank­furt-Trainer: Das Bab­beln.“ Ein halbes Jahr später war er ent­lassen. Bei seinem letzten Spiel wedelten die Fans mit weißen Tüchern. Diese Geste gilt in Spa­nien nicht als Abschied – son­dern als Zei­chen der Unzu­frie­den­heit mit einem Torero.

10. 
Einen Teenie-Hype son­der­glei­chen löste Anfang der neun­ziger Jahre Julen Guer­rero aus. Als sein Ent­de­cker gilt Jupp Heynckes. Bereits nach einer Trai­nings­woche klopfte der deut­sche Trainer beim dama­ligen Prä­si­denten Jose Julian Ler­txundi an und sagte: Dieser Junge stellt die Zukunft unseres Klubs dar. In zwei Jahren ist er zehn bis fünf­zehn Mil­lionen Mark wert.“ Die kom­menden Trai­nings­ein­heiten flan­kierten 1500 bis 2000 weib­li­chen Fans, weil er gut aus­sieht und ein leut­se­liger Typ ist“ (Heynckes). Bei Aus­wärts­fahrten sollen sich Ver­eh­re­rinnen als Zim­mer­mäd­chen ver­kleidet haben, um Guer­rero nahe zu sein. Andere ver­steckten sich in Wäsche­körben. 15 Mil­lionen gab es übri­gens nie. Guer­rero blieb bis zum Ende seiner Kar­riere Ath­letic treu und absol­vierte 372 Spiele. 

11.
Der aktu­elle Star des Teams heißt Fer­nando Llo­rente. Der Stürmer spielt seit 2004 bei Ath­letic und hat in 227 Spielen bis­lang 77 Tore geschossen. Er tritt außerdem für die bas­ki­sche Fuß­ball­aus­wahl an. Im November 2010 ver­kün­dete Bilbao, dass man ihn ver­kaufen würde – für läp­pi­sche 82 Mil­lionen Euro. Ach, und ein Frau­en­schwarm ist er auch. Das hier ist kein Tage­buch­ein­trag über Marky Mark von 1989: Gell? Man, man, man … Ein Spa­nier mit solch blauen Augen, das ist schon etwas … etwas … hmm … schön ist es. :-9 Zwar keine Som­mer­sprossen, aber zu viel auf einmal könnte ich auch nicht ertragen. Dafür lacht er auch ganz süß. :-9“