Peter Ducke, Hans Meyer wurde einmal gefragt, ob er nicht auch einmal gerne Welt­stars vom Schlage eines Ronald­inho trai­nieren wolle. Meyers Ant­wort: Junger Mensch, ich hab’s in Jena doch gehabt, Peter Ducke!“
Das hat mich sehr gefreut. Weil er das ja nicht hätte sagen müssen. Er hätte ja auch die ganzen anderen groß­ar­tigen Spieler dieser Zeit nennen können. Lothar Kurb­ju­weit, Harald Irm­scher. Aber nein, Ducke.

Dabei hatten Sie anfangs Schwie­rig­keiten mit­ein­ander, als Meyer mit nur 29 Jahren Trainer bei Carl Zeiss Jena wurde.
Man­chen Spie­lern fiel der Wechsel vom alt­ge­dienten Coach Georg Buschner, der als Natio­nal­trainer zum Ver­band wech­selte, zu Meyer leicht. Ich hab mich zunächst schwer getan. Buschner war für mich die Respekts­person schlechthin. Und nun sprach ein Trainer, der jünger war als ich, im glei­chen Ton wie der große Meister mit mir. Da hab ich mich gefragt: Darf der das? Und wie gehe ich damit um?“

Er hat Sie auch mal gesperrt.
Ja, ich hatte mal das Trai­ning sausen lassen und war statt­dessen mit der Klasse meines Sohnes auf einen Aus­flug gefahren. Weil da eine adrette Leh­rerin mit­fuhr. (lacht)

Letzt­lich haben Sie sich zusam­men­ge­rauft.
Meyer war ja zuvor schon Assis­tenz­trainer bei Buschner gewesen und kannte mich. Er wusste, wie er mich zu nehmen hatte und wie er mich errei­chen konnte. Ich war ja kein ein­fa­cher Spieler.

Sie waren impulsiv, auf­brau­send, bis­weilen jäh­zornig.
Bis­weilen? Nein, ganz massiv. Ich war voller Emo­tionen, wenn ich auf den Platz lief. Aber das hat mich und mein Spiel aus­ge­macht. Sonst hätte ich auch draußen als Ball­holer stehen können.

Ihr Spiel hat pola­ri­siert.
Das war mir bewusst. Und ich habe das geliebt. Wenn bei Aus­wärts­spielen die Auf­stel­lung ver­lesen wurde und bei meinem Namen wild gepfiffen wurde. So ein Pfeif­kon­zert, das war Musik in meinen Ohren. In Erfurt zum Bei­spiel musste man von den Kabinen zum Spiel­feld durch die Tri­büne. Da saßen die Zuschauer links und rechts und brüllten: Peter Ducke, du Schau­spieler!“ Buschner ist dann immer hin und hat gesagt: Ihr wärt doch froh, wenn ihr einen sol­chen Schau­spieler hättet!“ Dabei hat mir das gar nichts aus­ge­macht.

Es gibt das Meyer’sche Wort, Sie hätten immer nur das gemacht, was Sie wollten. Das ist für einen Trainer nicht immer ein­fach.
Sicher nicht. Aber die Mann­schaft wusste, dass sie durch mich pro­fi­tiert, und hat mich des­halb auch oft geschützt. Wie oft ist mein Bruder Roland wäh­rend des Spiels ange­kommen, wenn ich mich mal wieder mit dem Schieds­richter ange­legt hatte, hat mich weg­ge­zogen und ange­schnauzt: Jetzt ver­schwinde hier!“

Die Gegner boten gegen Sie die här­testen Kaliber auf. Das spornte Sie aller­dings eher noch an.
Da waren ein paar harte Jungs dabei. Alois Glau­bitz aus Zwi­ckau, der Mag­de­burger Man­fred Zapf, unser Michael Strempel in Jena war auch hart im Nehmen. Manche folgten mir auf Schritt und Tritt, schon wenn wir auf den Platz gingen. Wich ich nach links oder rechts aus, kamen sie gleich hin­terher. Und wenn mich mal wieder einer umge­hauen hatte, habe ich schon mal gesagt: Jetzt triff doch wenigs­tens einmal den Ball!“

Mit­unter gingen mit Ihnen die Pferde durch. Beim Pokal­fi­nale gegen Mag­de­burg 1965 stand es in der 82. Minute 1:1. Weil direkt danach im Sta­dion die Frie­dens­fahrt gestartet werden sollte, durfte es keine Ver­län­ge­rung geben. Also gab der Schieds­richter einen zwei­fel­hafter Elf­meter und pfiff direkt danach ab. Was Sie nicht unkom­men­tiert ließen. Den Scheiß­pokal könnt ihr selber behalten“, gerichtet an Schieds­richter Riedel.
Ich wurde für zehn Wochen Saison-Spiel­zeit gesperrt, weil ich das Ansehen der sozia­lis­ti­schen Sport­be­we­gung geschä­digt hätte.

Ihr Ver­hältnis zum Staat war zu dieser Zeit ambi­va­lent. Sie waren auf­brau­send, mit­unter rebel­lisch. Vor allem waren Sie aber: Fuß­baller.
Mit Leib und Seele. Es ging ja auch alles so schnell in den ersten Jahren: erstes Ober­li­ga­spiel mit 19 Jahren, erstes A‑Länderspiel, dann bald schon die erste Reise mit der Natio­nal­mann­schaft nach Süd­ame­rika. Ich bin mit offenem Mund durch diese Länder gefahren. Die Welt ken­nen­lernen. In aus­ver­kauften Sta­dien vor 40.000 Leuten spielen. Und was da los war! Wenn wir aus dem Flug­hafen kamen, war­teten schon die Reporter und Foto­grafen auf uns. Deutsch­land war denen ein Begriff. Ob wir aus Mün­chen, Köln und Frank­furt kämen? Nein, riefen wir, wir kommen aus Leipzig, Jena und Ros­tock. Das ist Ost­deutsch­land. Aleman ori­ental!“ Das fanden die Reporter komisch. Warum wir dann nicht eine gemein­same Natio­nal­mann­schaft bilden würden, hakten sie nach. Gute Frage.

Gute Fuß­baller bekommen gute Ange­bote. Auf den Reisen ins nicht­so­zia­lis­ti­sche Aus­land wurde um Sie geworben, bis­weilen offi­ziell, bis­weilen dis­kret.
Natür­lich hatte ich mit Roland dar­über gespro­chen. Aber uns ging es ja gut. Wir hatten einen Traumjob, hatten unser Hobby zum Beruf gemacht. Das bedeu­tete nicht, nicht hin und wieder ins Schwanken zu kommen. 1962 bat mich wäh­rend eines Ban­ketts in Malmö ein Deut­scher aus Bremen vor die Tür, dort stand ein Mer­cedes. Der Mann bot mir 80 000 Mark direkt auf die Hand und sagte: Sie werden weg­ge­fahren und brau­chen sich um nichts zu küm­mern.“ Ich habe dann abge­lehnt und blieb in Jena.

Das blieb nicht die ein­zige Anfrage.
Ich bin nach der Wende mit meinem Anwalt zur Akten­ein­sicht gefahren. Und in meiner Akte fanden wir dann Post­karten und Briefe von Hertha BSC und Werder Bremen, ich hätte nach Spa­nien wech­seln können oder nach Frank­reich. Als ich damals unsere Funk­tio­näre gefragt hatte, wie­gelten die immer ab. Keine ernst­haften Anfragen, hieß es immer. Von wegen.