Seite 2: „Es ist Bradford, Jose, nicht Barnsley“

Wäh­rend der sieben Minuten Nach­spiel­zeit begab sich Mour­inho zu seinem Trai­ner­kol­legen Par­kinson und reichte ihm die Hand zum Glück­wunsch. Doch Brad­fords Trainer ver­wehrte den Hand­schlag. Es waren noch mehr als drei Minuten zu spielen. Bei dieser Klasse an Spie­lern kann Chelsea jeder­zeit inner­halb von einer Minute zwei Tore auf­holen“, sagte Par­kinson. Der Hand­schlag vor dem Abpfiff gehört zum Reper­toire der Psy­cho­spiel­chen von Mour­inho, erst kürz­lich erregte er damit Aston Villas Co-Trainer Roy Keane.

Fuß­ball ist pas­siert. Das ist die Schön­heit des Spiels“

Seine Glück­wün­sche holte der Por­tu­giese nach der Partie nach und gra­tu­lierte in der Gäs­te­ka­bine jedem ein­zelnen Spieler von Brad­ford. Gegen­über der BBC“ sagte er auf die Frage, was pas­siert sei: Fuß­ball ist pas­siert. Das ist die Schön­heit des Spiels.“ Aller­dings hatte Mour­inho sich vor dem Anpfiff eher despek­tier­lich gegen­über dem Dritt­li­gisten geäu­ßert. Zunächst sprach er von Barnsley anstatt Brad­ford und sagte dann: Ein Aus­scheiden wäre eine Schande für uns.“ Dabei blieb er auch nach dem Spiel und sprach von dem schlimmsten Ergebnis in meiner gesamten Trai­ner­kar­riere“.

Brad­fords Fans sparten des­halb auch nicht mit Spott. Wäh­rend des Spiels sangen sie davon, dass Mour­inho morgen ent­lassen werde. Dann priesen sie ihren Manager mit dem Spitz­namen von Mour­inho: Par­kinson is the Spe­cial One“. Ein Foto der beiden Trainer kur­siert im Netz mit der Über­schrift: Der beste Trainer der Welt – und irgendein Typ aus Por­tugal.“ Auch der Verein selbst twit­terte süf­fi­sant nach dem Sieg: Es ist Brad­ford, José, nicht Barnsley.“ Das klang nach süßer Rache.

Sowohl Spieler in der Kabine und im Mann­schaftsbus als auch die Fans auf den Tri­bünen sangen:
Ever­y­where we go, it’s the Brad­ford boys, making all the noise, ever­y­where we go!“

Brad­ford avan­ciert zum Pokal­team schlechthin. Der Klub machte bereits vor zwei Jahren Schlag­zeilen, als er als Viert­li­gist in das Finale des Liga­po­kals einzog. Für die Aus­lo­sung am Montag fürs Ach­tel­fi­nale wünschte sich Trainer Par­kinson als Gegner Man­chester United, Tor­schütze Mark Yeates träumt von einem Spiel gegen seinen geliebten Liver­pool FC.

Auch Man City fliegt zu Hause raus

Doch beide Mann­schaften müssen sich im Gegen­satz zu Brad­ford erst noch qua­li­fi­zieren. Sie spielten gegen unter­klas­sige Mann­schaften nur 0:0 und tragen Anfang Februar ein Ent­schei­dungs­spiel aus (United gegen Viert­li­gist Cam­bridge, Liver­pool beim Zweit­li­gisten Bolton). Ins­ge­samt haben es nur sechs Teams aus der Pre­mier League in die nächste Runde geschafft. Man­chester City, Tabel­len­zweiter und erster Ver­folger von Chelsea, unterlag Zweit­li­gist Midd­les­brough zu Hause mit 0:2.

Äqui­va­lent zum deut­schen Sprich­wort vom Pokal und dessen eigenen Gesetzen wie­der­holten dann auch die Eng­länder munter ihren Ever­green: The magic of the FA-Cup is still alive“. Selten war der Satz so wahr wie an diesem Wochen­ende.