Seite 2: Eine neue Spieler-Generation

Doch das zustän­dige Schul­mi­nis­te­rium ließ sich auch davon zunächst nicht erwei­chen und beharrte auf seiner Ent­schei­dung, die Gut­scheine in Höhe von 15 Pfund pro Kind und Woche trotz der Coro­na­krise zu den Som­mer­fe­rien ein­zu­stellen. Im Laufe des Diens­tags wurde der Druck auf die Regie­rung jedoch zuneh­mend größer. Der Hashtag #make­theU­turn lag zwi­schen­zeit­lich auf Platz eins der eng­li­schen Twitter-Trends. Und sogar Mit­glieder der Tory-Regie­rung gestanden ein, dass es das Rich­tige“ wäre, das Pro­gramm wei­ter­laufen zu lassen. Und so ver­kün­dete John­sons Spre­cher James Slack dann am Dienstag doch noch die Kehrt­wende der Regie­rung: Dies ist eine spe­zi­elle Maß­nahme, um den beson­deren Umständen der Pan­demie Rech­nung zu tragen.“

Ein 22-jäh­riger Fuß­ball­spieler aus Man­chester hat tat­säch­lich Groß­bri­tan­niens Pre­mier­mi­nister in die Knie gezwungen. Rash­ford 1, Johnson 0“ titelte dann auch die Zei­tung The Inde­pen­dent. Es war nicht die ein­zige Titel­seite, von der aus Rash­ford lächelte. Denn es war auch nicht das erste Mal, dass sich der Stürmer sozial enga­gierte. Bereits zu Beginn der Coro­na­krise hatte er zu Spenden für Orga­ni­sa­tion FareShare“ auf­ge­rufen, die Kinder aus ein­kom­mens­schwa­chen Fami­lien mit Essen ver­sorgt. Über 20 Mil­lionen Pfund waren auf diesem Weg zusam­men­ge­kommen. Zudem gab er in der Corona-Pause Sport­kurse für Kinder per Video oder fun­gierte als Juror in einem Gedichts­wett­be­werb an einer Gehör­losen-Schule. Dafür lernte er sogar kur­zer­hand Gebär­den­sprache.

Mit seinem Enga­ge­ment, gerade mit seinem poli­ti­schen, steht Rash­ford nicht alleine da. Erst kürz­lich sen­deten etwa die Bun­des­liga-Spieler Jadon Sancho, Weston McKennie und Marcus Thuram Zei­chen der Soli­da­rität mit der Black Lives Matter“-Bewegung. Dabei scheuen sie auch nicht davor zurück, sich explizit poli­tisch zu äußern. So sagte etwa Schalkes US-Ame­ri­kaner Weston McKennie in einem Inter­view mit der Sport Bild ziem­lich unver­blümt: Ich denke nicht, dass Trump der Rich­tige für den Job des Prä­si­denten ist.“ In McKen­nies Augen könne man den Prä­si­denten als ras­sis­tisch bezeichnen“.

Es geht nicht um Politik, es geht um Mensch­lich­keit“

Marcus Rashford

Viel­leicht wächst da gerade eine Spieler-Genera­tion heran, der manch einer auf­grund ihrer sonst gern zur Schau getra­genen Insta­gram-Ober­fläch­lich­keit so etwas wie die Über­nahme gesell­schaft­li­cher Ver­ant­wor­tung gar nicht zuge­traut hätte. Doch sie tun es. Sie nutzen ihre enorme Reich­weite nicht nur, um ihre neuen Schuhe zu prä­sen­tieren, son­dern auch, um sich zu enga­gieren, um Miss­stände anzu­pran­gern und sich ein­deutig zu posi­tio­nieren, wenn die gesell­schaft­liche Lage es erfor­dert.

Gut mög­lich, dass sich einige Poli­ti­ke­rinnen und Poli­tiker die Namen einiger Fuß­ball­spieler dem­nächst etwas besser ein­prägen werden. Dabei, so betont Marcus Rash­ford in seinem Brief, gehe es Spie­lern wie ihm gar nicht um Politik. Es geht um Mensch­lich­keit“.