Die Szenen nach dem Pokal­fi­nale am ver­gan­genen Freitag in Öster­reich waren skurril. Auf einer Spon­soren-Plane mit ein­ge­zeich­neten Jubel-Kreisen fei­erten die Spieler von Red Bull Salz­burg den Gewinn des ÖFB-Pokals. Und auch wenn böse Zungen behaupten, dass dies mög­li­cher­weise genau die Feier sei, die ein sol­ches Kon­strukt ver­dient habe, könnte es nach Been­di­gung der Meis­ter­schaft zu noch befremd­li­cheren Bil­dern kommen. Dann etwa, wenn die Mann­schaft, welche die Saison sport­lich als Erster abge­schlossen hat, sich nicht sicher sein kann, ob sie auch wirk­lich Meister ist. Der Grund hierfür ist aber keine Corona-Hygie­ne­maß­nahme. Zumin­dest primär geht es um etwas anderes.

Punkt­abzug wegen zu viel Kör­per­kon­takt

Es geht um ein grobes Ver­gehen gegen den Fair­play-Gedanken, so lautet zumin­dest der Vor­wurf. Der vor­ma­lige Tabel­len­führer der öster­rei­chi­schen Bun­des­liga, der Linzer Ath­letik-Sport-Klub, hat gegen Bestim­mungen des Öster­rei­chi­schen Fuß­ball­ver­bands ver­stoßen. Um die Aus­brei­tung des Coro­na­virus ein­zu­dämmen, war das Trai­ning auf Anwei­sung der Regie­rung nur in Klein­gruppen erlaubt. Gegen diese Abma­chung hat der LASK in den ver­gan­genen Wochen nach­weis­lich ver­stoßen. Die Mann­schaft hatte an vier ver­schie­denen Tagen Meis­ter­schafts­trai­ning mit mehr als sechs Kader­spie­lern gemeinsam und mit unein­ge­schränktem Kör­per­kon­takt durch­ge­führt“, teilte der Vor­sit­zende des Straf­se­nats der öster­rei­chi­schen Bun­des­liga Dr. Man­fred Luc­zensky mit. Über­führt wurden die Linzer übri­gens mit Auf­nahmen, die dem Ver­band anonym zuge­spielt wurden. Bri­sant: Eine durch Ein­bre­cher im Sta­dion des LASK instal­lierte Kamera, hatte das Geschehen auf­ge­zeichnet.

Zur Strafe wurden dem LASK zwölf Punkte abge­zogen und der Club muss 50.000 Euro in den ÖFB-Hilfs­fond für ein­hei­mi­sche Ver­eine zahlen. Auf­grund des in Öster­reich zur letzten Saison ein­ge­führten Playoff-Sys­tems, bei dem nach der Haupt­runde die Punkte hal­biert werden, star­tete der LASK in die Meis­ter­schafts­runde mit ins­ge­samt sechs Punkten weniger. Nach der über­ra­schenden Nie­der­lage im ersten Spiel nach dem Restart hat sich der Rück­stand auf die Spitze weiter ver­grö­ßert. Nun liegen schon sechs Punkte zwi­schen dem LASK und Tabel­len­führer Salz­burg. Ob der Kon­tra­hent den Meis­ter­teller bei einem mög­li­chen Titel­ge­winn nach dem letzten Spieltag wirk­lich über­reicht bekommt, ist jedoch frag­lich.

Alle Ver­eine fühlen sich benach­tei­ligt

Denn nicht nur der LASK, der bereits Ein­spruch gegen die Strafe ein­ge­legt hat, fühlt sich unge­recht behan­delt. Auch die anderen Ver­eine der Meis­ter­runde sind mit dem Strafmaß unzu­frieden: Sechs Punkte sind nicht Fisch, nicht Fleisch. Der LASK hat Gesetze gebro­chen. Ich bin der Mei­nung, dass so ein Ver­gehen hätte höher bestraft werden müssen“, echauf­fierte sich, Michael Liendl, Kapitän des Wolfs­berger AC.

Ähn­lich äußerten sich auch andere Ver­treter öster­rei­chi­scher Klubs. Für Chris­toph Peschek, Geschäfts­führer Wirt­schaft von Rapid Wien, sei inmitten der größten Krise des öster­rei­chi­schen Fuß­balls seit dem Zweiten Welt­krieg“ ver­sucht worden, sich einen erheb­li­chen Vor­teil zu erschwin­deln.“

Unab­hängig vom Aus­gang der Meis­ter­schafts­runde, erscheint es ange­sichts sol­cher Äuße­rungen nicht unwahr­schein­lich, dass es Pro­teste gegen die Wer­tung geben wird.

Falls meh­rere Ver­eine Ein­spruch ein­legen, könnte die end­gül­tige Meis­ter­schafts­ver­gabe erst Mitte August durch­ge­führt werden. Über einen Monat nach dem letzten Spieltag, der für den 5. Juli ange­setzt ist. Dieser Umstand ist vor allem für die Euro­pacup-Mel­dung des öster­rei­chi­schen Ver­bands pro­ble­ma­tisch, da die UEFA die natio­nalen Ligen bis zum 3. August offi­ziell beendet sehen möchte.