Die deut­sche Natio­nal­mann­schaft ist und bleibt eine Tur­nier­mann­schaft. Ein schwa­ches Auf­takt­spiel bedeutet da wenig – schließ­lich ist die DFB-Elf dafür bekannt, sich im Tur­nier­ver­lauf immer weiter zu stei­gern. Auch bei dieser EM geht es von Spiel zu Spiel bergauf. Das 3:0 gegen die Slo­wakei war der bis­he­rige Höhe­punkt. Wir beant­worten alle rele­vanten Fragen zum Ach­tel­fi­nal­erfolg.

Draxler explo­diert: War er so gut oder haben die Slo­waken ihn schlichtweg nicht auf dem Zettel gehabt?

Ein biss­chen von beidem. Julian Draxler über­nahm gegen die Slo­wakei Götzes Rolle auf der linken Seite. Er füllte die Rolle jedoch fle­xi­bler aus, so wie das gesamte Team einen Tick fle­xi­bler spielte als in der Grup­pen­phase.

Götze hatte sich vor­nehm­lich im linken Halb­raum als Ver­bin­dungs­spieler zwi­schen Flügel und Zen­trum ange­boten. Draxler hin­gegen wech­selte häufig die Seiten oder ging auf die Flügel. Er pos­tierte sich meist in Ball­nähe als zusätz­li­cher Akteur, auch wenn der Ball auf dem gegen­über­lie­genden Flügel war. Somit war Draxler sehr prä­sent – und seine Prä­senz tat dem Spiel gut. Mit Dribb­lings umspielte er die man­n­ori­en­tierte Defen­sive der Slo­waken.

Hatte er einen Gegner umspielt, hatte er oft einen freien Raum vor sich. Die Slo­waken mussten ihre eigene Ord­nung ver­lassen, um Draxler zu bän­digen. Er brachte etwas Chaos in das zuletzt starke, aber leicht bere­chen­bare Ball­be­sitz­spiel der Deut­schen.

Ist Thomas Mül­lers Raum­deu­terei viel­leicht von den euro­päi­schen Defen­siven ent­schlüs­selt?

Nein. Das geht gar nicht, schließ­lich würde es bedeuten, dass hinter Mül­lers Aktionen ein kom­plexes Muster stünde. Müller ist aber kein Da-Vinci-Code, son­dern ein post­mo­dernes Kunst­werk: Nie­mand weiß, was Müller tut, bevor Müller es getan hat, und wenn er es getan hat, weiß noch immer nie­mand so genau, was das eigent­lich sollte, aber irgendwie war es zig Mil­lionen Euro wert.

Aber auch ein Müller kann nicht immer gleich­mäßig in Form sein. Seine Ent­schei­dungs­fin­dung war auch gegen die Slo­wakei nicht immer optimal, oft steht er zu tief und damit zu weit von guten Abschluss­po­si­tionen ent­fernt. Aber sein Spiel wird besser. Auch gegen die Slo­wakei konnte er sich wieder Chancen erar­beiten. Und irgend­wann wird einmal eine rein­gehen.

Was sieht der Otto-Normal-Fan nicht, was Mesut Özil so wert­voll macht?

Mesut Özil schafft Räume; nicht nur mit seinen Pässen, son­dern vor allem mit seinen Läufen. Özil ist bei dieser EM prak­tisch ständig in Bewe­gung, läuft mal ein paar Meter nach rechts, mal ein paar Meter nach links. Das ist nicht viel, genügt aber häufig, um die Auf­merk­sam­keit eines Gegen­spie­lers auf sich zu ziehen.

Nie­mand zieht so häufig Gegen­spieler aus der Posi­tion wie Özil. Zwar ist er am Ball und gerade vor dem Tor aktuell nicht in Höchst­form. Er ist dank seiner Bewe­gungen aber wichtig für das Team.