Jadon Sancho, als Sie am ver­gan­genen Dienstag in der Cham­pions League mit Borussia Dort­mund gegen den FC Bar­ce­lona gespielt haben, wurde in der 59. Minute Lionel Messi ein­ge­wech­selt. Wie fühlt sich das an, plötz­lich gegen jemanden auf dem Platz zu stehen, den man nur von der Play­sta­tion kennt?

Es ist ein unbe­schreib­li­ches Gefühl, eine große Ehre. Tat­säch­lich kannte ich Messi bis­lang nur von FIFA. Und dann stehst du plötz­lich neben ihm auf dem Platz, unglaub­lich!

Lionel Messi hat einmal gesagt, dass der Messi auf der Kon­sole noch viel besser ist als der Messi auf dem Platz. Trifft das auch auf Jadon Sancho zu?

Ich würde sagen, bei mir ist es umge­kehrt: Ich bin auf dem Platz besser als auf der Play­sta­tion. Meine Pass­wer­tung ist ein Witz! (Lacht.)

Auch bei Twitter haben Sie sich über die Bewer­tung ihrer Pass­fer­tig­keiten im neuen FIFA beschwert. EA Sports gibt Ihnen 77 von 100 mög­li­chen Punkten. Wie würden Sie sich selbst ein­schätzen?

Ich denke, eine 86 hätte ich schon ver­dient. Ich habe jetzt fünf Vor­lagen in fünf Spielen gegeben. In der letzten Saison hatte ich sogar die meisten Vor­lagen der ganzen Liga. Es gibt Spieler, die gerade einmal auf eine Vor­lage kommen und eine bes­sere Wer­tung haben!

Sie wirken sehr selbst­be­wusst. Rührt diese Eigen­schaft auch daher, dass Sie sich als Kind auf der Straße häufig gegen ältere Spieler durch­setzen mussten?

Auf jeden Fall. Ich habe beim Kicken auf der Straße viel gelernt. 

Zum Bei­spiel?

Alles! Ball­kon­trolle, Krea­ti­vität, Hand­lungs­schnel­lig­keit…

In Deutsch­land gibt es gerade eine große Dis­kus­sion um den Stra­ßen­fuß­ball. Viele ver­missen eine soge­nannte Bolz­platz­men­ta­lität“.

Diese Dis­kus­sion gibt es nicht nur in Deutsch­land, son­dern auch hier in Eng­land. Es ist wichtig, dass die Kids raus­gehen und kicken. 

Wie ist es für Sie, zurück in Ihre Hei­mat­stadt zu kommen? Was bedeutet Heimat für Sie?

Es bedeutet mir sehr viel, ich bin hier auf­ge­wachsen. Ich habe immer noch viele Freunde und meine Familie hier. Es ist immer wieder schön, sie wie­der­zu­sehen.

Wie schwer fiel es Ihnen, Eng­land mit 17 Jahren zu ver­lassen und nach Deutsch­land zu wech­seln?

Es war kein ein­fa­cher Schritt. Aber mir war klar: Wenn ich etwas errei­chen will, muss ich bereit sein, auch unbe­queme Wege zu gehen. Auch in London bin ich bereits früh von zuhause aus­ge­zogen und habe im Internat von Wat­ford gelebt. 

London ist eine Fuß­ball­stadt. Lässt sich die Begeis­te­rung für den Sport mit der im Ruhr­ge­biet ver­glei­chen?

Ich denke schon. Es ist unglaub­lich, wie unsere Fans für den Verein leben, wie sie uns jedes Mal im Sta­dion nach vorne peit­schen.

In der Doku­men­ta­tion Inside Borussia Dort­mund“ gibt es eine Szene, in der Sie sich einen Spaß daraus machen, eine Rede in der Kabine zu halten, bei der Ihnen keiner zuhört. Welche Rolle haben Sie in der Mann­schaft? Sind Sie schon ein Füh­rungs­spieler?

Wir haben viele erfah­rene Spieler wie Marco Reus, Mats Hum­mels, Axel Witsel oder Thomas Delaney, die natür­lich unsere Füh­rungs­spieler sind. Aber auch ich ver­suche, der Mann­schaft zu helfen und mit meinen Leis­tungen auf dem Platz vor­an­zu­gehen.