Ich habe 1968 Abitur gemacht, und 1968/69 sind wir mit der DJK Gütersloh in die Regio­nal­liga West auf­ge­stiegen. Dort habe ich meinen ersten Ver­trag unter­schrieben: 160 Mark Grund­ge­halt und 75 Mark pro Punkt. Das kann man heute gar nicht mehr glauben, es war aber so. Lehrer bin ich geworden, weil der Job mit der Fuß­ball­kar­riere kom­pa­tibel war. Eigent­lich wollte ich an die Sport­hoch­schule Köln, bin aller­dings durch die Auf­nah­me­prü­fung gefallen, weil ich kein Del­fin­schwimmen und keinen Riesen am Reck konnte.

Statt­dessen habe ich in Münster Sport und Geo­grafie stu­diert und war dann ab 1976 Lehrer am Kreis­gym­na­sium in Halle/​Westfalen. Ich habe noch bis 1983 unter Halb­pro­fi­be­din­gungen gespielt und war danach Trainer in der Ober­liga. Beides anstren­gend, aber machbar. Wenn ich am Montag in der Lokal­zei­tung als Völ­liger Aus­fall“ sub­su­miert wurde, hatten die Schüler ihren Spaß. Ich war ziem­lich auto­ritär – bei mir gab es kein Stri­cken im Unter­richt –, hatte aber zu den Schü­lern den­noch ein gutes Ver­hältnis. Mit dem Direktor hatte ich einen wun­der­baren Deal: Sams­tags hatte ich frei und habe dafür Auf­sicht gemacht beim Mit­tel­stu­fen­ball und ähn­li­chen Ver­an­stal­tungen, bei denen die Dis­zi­plin zu leiden drohte. Da war ich für die Schul­lei­tung eine echte Waffe.

Wenn Eich­berg ruft

Das Angebot von Günter Eich­berg kam wie aus hei­terem Himmel. Eich­berg war mal Vize­prä­si­dent beim FC Gütersloh gewesen und ist dann in die Welt hinaus gezogen. Irgend­wann wurde er Schalke-Prä­si­dent und hatte danach von Anfang an das Ziel, mich dazu­zu­holen, weil er mich aus Gütersloh kannte. Am 1. Juni 1989 habe ich bei Schalke als Manager ange­fangen. Ich musste kom­plett aus dem Schul­dienst aus­scheiden, da das Minis­te­rium eine Frei­stel­lung nicht akzep­tiert hat. Dass ich mein Beam­tentum auf­gebe, hat mir aber keine schlaf­losen Nächte bereitet, auch weil mein Salär nun um einiges höher als das Leh­rer­ge­halt war. Nur meine Mutter hat um meine A14-Stelle als Ober­stu­di­enrat geweint. Aber Schalke 04 war eine Her­aus­for­de­rung, die ich nicht ablehnen konnte.

Im Schalker Kreisel

Das war damals noch eine andere Welt. Wir saßen im Füh­rer­bunker“, wie das despek­tier­lich genannt wurde, einer Baracke neben dem Park­sta­dion. Dort war mein Büro. Schalke war zu jener Zeit ein ziem­lich hand­ge­strickter Verein, es gab ins­ge­samt viel­leicht zwanzig Mit­ar­beiter. Der Verein hatte das Mer­chan­di­sing und Ticke­ting kom­plett aus­ge­la­gert, und es war meine Auf­gabe, diese Rechte wieder zurück­zu­holen. Mein Pro­blem war aller­dings noch ein anderes.

Ich kam als junger, relativ erfolg­rei­cher Trainer in der dritten Liga nach Schalke. Um es kurz zu sagen: Im tak­ti­schen Bereich fühlte ich mich zum Teil deut­lich über­legen. Das war eine schwie­rige Situa­tion, auch in Gesprä­chen mit Eich­berg. Die trai­nieren falsch!“, habe ich immer gesagt. Irgend­wann kamen Peter Neururer und Aleks Ristic als Trainer zu uns, da habe ich nichts mehr gesagt.

Als Charly Neu­mann tobte

Bei den Tra­di­ti­ons­ver­einen gibt es oft eine Ambi­va­lenz zwi­schen der Rea­lität und dem Wunsch­denken im Umfeld. Man ori­en­tiert sich an der Ver­gan­gen­heit, und das ist immer ein Spagat. Als ich zu Schalke kam, spielten wir in der zweiten Liga, das war kein Ort für Träume. Aber die Erwar­tungs­hal­tung und die Unmenge an Prot­ago­nisten, die sich zu Schalke äußern, machen die Sache schwer. Zu meiner Zeit gab es noch Ernst Kuzorra und Bernie Koldt, dazu einen Her­bert Bur­denski.

Selbst einer wie Charly Neu­mann war ein Faktor. Bruch­hagen, fünf­stel­lige Post­leit­zahl aus Har­se­winkel“, hat er immer gesagt, und angeb­lich auch, dass ich auf Schalke den ersten Schnee nicht sehen“ würde. Der Mann­schafts­be­treuer! Charly ver­kaufte aber auch Cola und Bröt­chen, der hatte überall seine Finger mit drin. Als ich eine Aus­schrei­bung machte, kam er in mein Büro gestie­felt und sagte: Du miese kleine Ratte, was bil­dest du dir eigent­lich ein?“ Am Ende blieb das Cate­ring bei Charly Neu­mann, weil Eich­berg, sagen wir mal, Respekt vor seiner Lebens­leis­tung hatte. Und ich habe mich später gut mit ihm ver­standen, weil er erkannt hat, dass ich fleißig und ziel­ge­richtet war.