Chris­tian Schlums, wel­chem Beruf gehen Sie nach?
Ich arbeite beim Bun­desamt für Strah­len­schutz mit einer nor­malen 39-Stunden-Woche.

Für Ihr ambi­tio­niertes Vor­haben, alle Aus­wärts­spiele von Ein­tracht Braun­schweig in dieser Saison per Fahrrad zu besu­chen, dürften einige Urlaubs­tage anfallen.
14 Tage inklu­sive Urlaub bezie­hungs­weise Gleit­zeit, aus­ge­hend von Sams­tags­spielen, um genau zu sein. Sie sehen, ich habe mich genau­es­tens vor­be­reitet. Je nach Wet­ter­lage kann ich 150 bis 200 Kilo­meter pro Tag absol­vieren. Und die Rück­fahrten bestreite ich auch immer per Son­derzug oder Fanbus. Ansonsten würde mich meine Arbeits­stelle gar nicht mehr sehen.

Da stellt sich für uns die Frage: Warum machen Sie das?
Es ist eine tolle Mög­lich­keit meine aktive Lei­den­schaft Fahr­rad­fahren mit meiner pas­siven Lei­den­schaft Fuss­ball zu ver­binden. Ich habe schon über 150 Tri­ath­lons absol­viert – dar­unter acht Ironman –, aber fahre nicht allzu gerne im Kreis. Wenn ich etwa mit meiner Familie in den Urlaub will, radel ich oft zwei Tage früher los, sodass wir uns erst im Urlaubsort treffen.

Das erklärt noch nicht den Ursprung Ihrer Idee.
Na gut, als die Ein­tracht noch in der dritten Liga gespielt hat, habe ich recht nah am Sta­dion gewohnt. Ich habe dann immer recht spontan ent­schieden, ob ich zum Spiel gehe oder nicht, denn Tickets waren noch keine Man­gel­ware. In der ver­gan­genen Saison, als Braun­schweig lange Zeit Tabel­len­führer war und tollen Fuß­ball gespielt hat, über­legte sich unser Freun­des­kreis zu einem Aus­wärts­spiel gegen den FSV Frank­furt zu reisen. Ich wollte wieder mit dem Fahrrad vor­fahren. Danach sagte ich eher scherz­haft, dass ich im Falle eines Bun­des­liga-Auf­stieges jedes Aus­wärts­spiel erra­deln würde.

Aus dem Spaß wurde am 31. Spieltag der ver­gan­genen Saison purer Ernst.
Natür­lich hat es einer gewissen Vor­be­rei­tungs­zeit bedurft, aber die kumu­lierten 6000 Kilo­meter in einer Saison sind absolut machbar. Obwohl der exakte Spiel­plan noch nicht fest­stand, habe ich mich dazu ent­schlossen, die Auf­gabe anzu­pa­cken. Meine Frau war aller­dings nicht begeis­tert, weiß aber auch, dass ich in sol­chen Sachen nur schwer auf­zu­halten bin.

Gab es Kon­se­quenzen?
Ich darf jetzt erstmal nicht mehr zu den Heim­spielen. Das ver­suche ich mal durch­zu­halten – wenn sich nicht doch noch eine Gele­gen­heit ergibt. (lacht)

Dafür werden Sie in der lau­fenden Saison jedes andere Bun­des­liga-Sta­dion sehen. Auf welche Sta­tion freuen Sie sich ganz beson­ders?
Der zweite Spieltag in Dort­mund hat mir schon sehr gut gefallen. Auch auf die Sta­dien auf Schalke und in Mün­chen freue mich sehr. Doch hier liegt auch schon die Krux. Denn aus­ge­rechnet gegen den FC Bayern und den FC Augs­burg spielt Braun­schweig im tiefsten Winter.

Das könnte ziem­lich kalt werden. Wo liegt der Punkt, an dem Sie defi­nitiv auf­hören werden?
Wenn ich nicht pünkt­lich zum Anpfiff im Sta­dion bin. Aber um das zu ver­meiden, kann ich ja kräf­tiger in die Pedale treten. Gene­rell möchte ich mög­lichst viele Kilo­meter zurück­legen, denn es geht um den guten Zweck. Mit Spen­den­ein­nahmen soge­nannter Kilo­me­ter­paten ver­suche ich eine kleine Summe für ein Fami­li­en­zen­trum in Salz­gitter zu erlösen. Sollte meine Aktion bei einem Voting-Wett­be­werb gewinnen, kämen zusätz­liche 5000 bri­ti­sche Pfund hinzu.

Und sie wollen wirk­lich zu jedem Aus­wärts­spiel radeln?
Nein, die Spiele in Han­nover und Wolfs­burg werde ich lau­fend zurück­legen. Die Stre­cken sind zu kurz, da brauche ich mein Rad nicht aus der Garage zu holen. (lacht)

Chris­tian Schlumms, waren Sie jemals in Astana?
Kasach­stan? Nein, noch nie und ich hatte bisher auch noch keine Ambi­tionen dorthin zu reisen. Warum fragen Sie?

Die Strecke zwi­schen Braun­schweig und Astana ent­spricht der Ent­fer­nung, die Sie in den kom­menden 12 Monaten zurück­legen werden.
Viel­leicht kann ich dann ja auch nach Astana fahren, vor­aus­ge­setzt die Ein­tracht qua­li­fi­ziert sich sen­sa­tio­nell für das inter­na­tio­nale Geschäft. Aber bis es soweit ist, halte ich mich lieber zurück. Sonst habe ich bald gar keine Urlaubs­tage mehr.