Liam Gal­lagher, Sie sind seit jeher Anhänger von Man­chester City. Der Klub galt hier stets als Underdog, nun aber als Spiel­zeug eines super­rei­chen Scheichs.
Liam Gal­lagher: Mir ist es scheiß­egal, ob Leute aus dem ver­dammten Düs­sel­dorf oder Frank­furt den Klub mögen oder nicht. Man braucht nun mal Geld, um gute Spieler zu holen. Klar gibt es Leute, die sagen: Geld hat die Pre­mier League rui­niert. Denen sage ich: Kommt drauf klar, so läuft das nun mal heut­zu­tage.

Haben Sie keine Angst, dass City irgend­wann das Gleiche pas­sieren wird wie dem Erz­ri­valen United unter Investor Glazer?
Liam Gal­lagher: Das ist doch etwas kom­plett anderes. Glazer kam damals aus den USA und hat seine Schulden bei United abge­laden. Die Scheichs aber haben keine Schulden. Ich habe noch nie einen Scheich mit Schulden gesehen. Ihr viel­leicht?

Als eine ihrer ersten Amts­hand­lungen sollen die neuen Besitzer der City-Legende Bert Traut­mann die Jah­res­karte gestri­chen haben.
Liam Gal­lagher: Davon weiß ich nichts. Aber wenn, dann wäre das ein ver­dammter Skandal. Also, ich bekomme mein Ticket noch.

In der letzten Saison hat City United aus dem FA-Cup geworfen. War das der Beginn einer Wach­ab­lö­sung?
Liam Gal­lagher: Da haben meine Eier mächtig vibriert. Trotzdem hat dieser Idio­ten­klub immerhin schon 19 Meis­ter­schaften oder so gewonnen, bis dahin ist es für City ein weiter Weg. Doch wenn meine Kinder in meinem Alter sind, ist der Tro­phä­en­schrank geram­melt voll. Ver­spro­chen.

2011 hat City mit dem Gewinn des FA-Cups den Anfang gemacht.
Liam Gal­lagher: Das war der beste Moment, seit ich Fan von diesem Verein bin. Am Ende waren wir die Letzten in Wem­bley, wir wollten raus, doch alle Türen waren ver­rie­gelt. Was für ein Besäufnis! Wir mussten aller­dings auch einen echten Schock ver­dauen.

Wel­chen denn?
Liam Gal­lagher: Nach dem Abpfiff durften wir in die City-Kabine. Da stand die ganze Bande und fei­erte: Tevez, Touré, Milner. Vielen waren nackt und tanzten umher. Als ich ihre Pimmel sah, dachte ich: Das ist nicht mehr meine Party.

Wel­cher Spieler bei City hat das Zeug zum Rock’n’Roller?

Liam Gal­lagher: Defi­nitiv Mario Balo­telli. Der Junge hat Cha­rakter, nicht so wie die ganzen anderen Fuß­ball­profis. Das sind alles Gary Nevilles, wie Immo­bi­li­en­makler. Die Fuß­baller von heute sind viel zu pro­fes­sio­nell, so Cold­play-mäßig. Aber du brauchst auch einige ver­rückte Typen, die Schwung in den Laden bringen. Klar ist Balo­telli durch­ge­knallt, doch er ist jung und wird in ein paar Jahren alle über­strahlen.

Carlos Tevez soll dem argen­ti­ni­schen Natio­nal­team von Oasis vor­ge­schwärmt haben. Danach wollte gar Lionel Messi eure Lieder auf der Gitarre spielen.
Liam Gal­lagher: Irgendwie lustig, Messi mit mir auf der Bühne, oder? Aber Tevez ist ein cooler Typ, auch wenn er kein Eng­lisch kann. Er sagt nur: I like.“ Das reicht aber auch.

Gibt es einen deut­schen Spieler, den Sie sich im City-Trikot wün­schen?
Liam Gal­lagher: Podolski, der Typ ist der Hammer. Die ganze deut­sche Mann­schaft ist fan­tas­tisch. Bei der WM in Süd­afrika war sie ein­fach zu schnell und zu gna­denlos, gegen diese Konter hatte Eng­land keine Chance.



Hat Sie das 1:4 im Ach­tel­fi­nale getroffen?
Liam Gal­lagher: Nein, ich bin nicht patrio­tisch. Wenn Eng­land mal etwas reißen sollte, freue ich mich, doch das wird eh nie pas­sieren. Schon gar nicht mit diesem Ita­liener an der Sei­ten­linie.

Sie sind gegen Capello?
Liam Gal­lagher: Der soll abhauen. Das ist eine eng­li­sche Natio­nalelf, da muss jemand her, der Eng­lisch spricht. Du kannst nicht an die Linie gehen und Scusi, scusi“ sagen. Du brauchst einen, der ruft: Ey, you fucking cunt, what are you doing there?“

Viel­leicht sollten Sie über­nehmen. Zumin­dest Wayne Rooney würde auf Sie hören, er gilt als großer Oasis-Fan.
Liam Gal­lagher: Selbst so Leute wie Beckham kommen zu den Kon­zerten. Aber seien wir ehr­lich: Die meisten Spieler haben keinen Geschmack, weder was Musik noch was Klei­dung betrifft. Die laufen total lächer­lich rum und hören Black Eyed Peas. Min­des­tens 90 Pro­zent der Spieler sind abso­lute Idioten.

Wenn man Fuß­baller und Musiker ver­gleicht: Wer erlebt den grö­ßeren Kick in seinem Job?
Liam Gal­lagher: Kann man nicht ver­glei­chen. In einem Spiel geht es darum zu gewinnen, bei einem Kon­zert darum, eine gute Zeit zu haben. Was aber beide gemeinsam haben, ist die Treue der Fans. Und da ist noch was…

Wir sind gespannt.
Liam Gal­lagher: Die Band bezie­hungs­weise das Team ist das Wich­tigste. Wenn einer dabei ist, dem das Ganze nicht passt, dann: Tschüss, hau ab! Das ist wie bei Oasis, als Noel gegangen ist. Nie­mand ist uner­setz­lich, und nie­mand ist größer als die Band oder der Verein.

Um im Bild zu bleiben: Auf wel­cher Posi­tion spielte denn Noel?
Liam Gal­lagher: Er war immer nur ein Ver­tei­diger.

Und Sie?
Liam Gal­lagher: Ich bin ein Außen­stürmer, der nach innen zieht, pfeil­schnell mit dem Tor im Blick. Wie Arjen Robben. Doch ich schieße den Ball nicht noch mal, ich laufe ein­fach mit ihm ins Netz.