Michael Oen­ning muss momentan einiges aus­halten. Seine Mann­schaft steht ohne Sieg auf dem letzten Tabel­len­platz, Bernd Schuster bringt sich als sein Nach­folger ins Gepräch und emsige, selbst­er­nannte Fuß­ball­ex­perten rechnen dem Trainer täg­lich vor, dass er sai­son­über­grei­fend von 30 Bun­des­li­ga­spielen erst vier gewinnen konnte.

Als wäre das alles nicht genug, wird in diesen Tagen von allen Seiten Hohn und Spott über den Trainer aus­ge­schüttet. Selbst Aktionen, die zunächst positiv scheinen, ent­puppen sich bei genauer Betrach­tung als Sar­kasmus. Vor einigen Wochen grün­deten etwa St.Pauli-Fans die Face­book-Gruppe Wir geben Oen­ning eine Chance“. Sie haben die Hoff­nung, dass der Trainer den HSV direkt in die zweite Liga führt, oder besser noch: in die Rele­ga­tion, wo dann der Kiez­klub wartet und sich gen Bun­des­liga siegt. Das liest sich alles so über­zeichnet, dass sich Michael Oen­ning ver­mut­lich lieber mit einem unver­blümten und kon­kreten Trainer raus!“ kon­fron­tiert sähe. 

Der Trainer, so scheint es jeden­falls, ist der Web‑2.0‑Offensive aller­dings gewachsen. Er bezieht seit Mai 2011 Stel­lung: Via Twitter. Dort schreibt er etwa zur 0:5‑Niederlage beim FC Bayern: Wir sind heute ein Stück weit fahr­lässig mit unseren Chancen umge­gangen, an einem anderen Tag gewinnt man hier auch mal 5:6.“ Oder zur Nie­der­lage in Bremen: Nur 2 Gegen­tore, meine Defen­siv­taktik fruchtet und wird ver­in­ner­licht. Ende Februar sollte der erste Punkt­ge­winn rea­lis­tisch sein.“

Die besten Twitter-Ein­träge von Michael Oen­ning“ in unserer Bil­der­ga­lerie »

Die Crux: Hier twit­tert nicht der echte Michael Oen­ning, son­dern wieder ein Spötter, der Michael Oen­ning zum Teil seiner Ironie macht. Er nennt sich Mad (Micha­e­lO­en­ning)“ und spielt damit auf eine Herzblatt“-Sendung an, in der Michael Oen­ning einst auf­trat und sich mit Hi, ich bin der Mad aus Münster!“ vor­stellte. Ein klas­si­scher Fake-Account, wie es sie in sozialen Netz­werken zu genüge gibt. Der Humo­rist hat bereits über 720 Fol­lower um sich geschart und zieht nun, da Michael Oen­ning gegen Micha­e­lO­en­ning“ mit einem Anwalt vor­geht, auch ein über­re­gio­nales Medi­en­in­ter­esse auf sich.

Mit juris­ti­schen Kanonen wird also auf zwit­schernde Spatzen geschossen. Da fragt man sich zurecht, ob dem guten Michael Oen­ning denn nie­mand ver­raten hat, dass man immer auch ein gewisses Profil braucht, um zum Gegen­stand einer Per­si­flage zu werden. Ein schlaues Wort lautet: Nur wer Stil hat, ist par­odierbar.“ Doch ganz offen­sicht­lich hat der Spaß für alle Betei­ligten längst auf­ge­hört, denn auch der HSV for­dert eine Schlie­ßung des Accounts. Hier sei eine Grenze über­schritten“ worden. Die Klub-Ver­ant­wort­li­chen meinen damit vor allem die Sti­che­leien gegen den kom­menden Gegner aus Glad­bach. Micha­e­lO­en­ning“ hatte Lucien Favre“ Lucien Favre belei­digt: Lob­hu­delei an jeder Ecke für Herrn Favre und seine Leis­tung mit Glad­bach. Nun gut, immerhin müssen meine Inter­views nicht unter­ti­telt werden.“

Immerhin hat sich der Glad­ba­cher Trainer nun eben­falls bei Twitter ange­meldet und Michael Oen­ning Micha­e­lO­en­ning“ geant­wortet – ob wir es hier mit Lucien Favre oder Lucien Favre“ zu tun haben, steht noch dahin. Aller­dings deutet vor allem eine Sache auf Echt­heit des Accounts hin: Er zitiert Albert Camus und ver­fasst seine Ein­träge in per­fektem fran­zö­sisch. Besser hätten es nicht mal Michel Fried­mann oder die Frau aus der Schöffer’ofer-Weizen-Werbung hin­be­kommen. Für alle anderen wurde zumin­dest der erste Kom­mentar mit deut­schen Unter­ti­teln ver­sehen. Ser­vice 2.0.