Wann hat Ihr Sohn ange­fangen, Fuß­ball zu spielen?

Als er laufen lernte. Einen Tag vor seinem fünften Geburtstag hat er bereits sein erstes Punkt­spiel gemacht. Die Leute haben komisch geguckt, weil er nicht aussah wie ein Fünf­jäh­riger. Er war so klein. Aber er hat sie trotzdem alle aus­ge­spielt. 

Haben Sie auch mit ihm geübt?

Jeden Tag. Er ging nach der Schule sofort raus auf den Bolz­platz. Aber die Kinder wollten ihn nicht mit­spielen lassen. Die hatten keine Lust, weil er so viel besser war.

Wie sah ein klas­si­sches Trai­ning aus?

Ich habe bei jedem Spiel geschaut, was ihm noch fehlt. Als kleiner Spieler braucht man beson­dere Fähig­keiten. Wir haben stun­den­lang Dribb­lings geübt. Alles ohne Druck. Es sollte ihm Spaß machen. Jeden Tag habe ich ihm gesagt: Hab keine Angst vor Expe­ri­menten.“ 

Wann haben Sie gemerkt, dass Ihr Sohn besser ist als Sie?

Wir haben viel Fuß­ball­tennis gespielt. Mein Sohn wollte immer gewinnen, aber ich habe ihn nie gelassen. Da gab es oft Tränen. Eines Nach­mit­tags habe ich haus­hoch ver­loren. Da war er 14. An dem Tag habe ich mir geschworen, nie wieder gegen ihn anzu­treten. Ich habe auch meinen Stolz. 

Musste man ihn auch mal stoppen, damit seine Spiel­weise nicht in Arro­ganz umschlägt?

Ich glaube, dass er seine Kar­riere zu 90 Pro­zent seinem Talent ver­dankt. Die rest­li­chen zehn musste man aus ihm her­aus­kit­zeln. Ich habe ihm einmal gesagt, dass es ein schmaler Grat zwi­schen einem her­aus­ra­genden Tech­niker und einem Zir­kus­clown ist. Er musste lernen, dass er nicht alles alleine ver­su­chen kann. 

Hatten Sie das Gefühl, dass er Ihnen etwas beweisen will?

Das war früher schlimmer. Wenn ich eine Aktion kri­ti­sierte, hat er es im nächsten Spiel extra noch mal pro­biert. Nur um mir zu zeigen, dass er das kann. 2005 ging Ihr Sohn in das Internat eines Bun­des­li­gisten. Weit weg von seiner Hei­mat­stadt. 

Wem fiel die Tren­nung schwerer?

Der Tag, an dem wir unseren Sohn ins Internat gebracht haben, war furchtbar. Meine Frau hat nur geweint. Auf der Hin­fahrt, bei der Ver­trags­un­ter­schrift, beim Abschied. Ich habe ver­sucht, mir nichts anmerken zu lassen. Auch um es unserem Sohn nicht noch schwerer zu machen. 

Wie konnten Sie ihm bei der ersten großen Tren­nung helfen?

Wir haben sehr oft tele­fo­niert. Vor Ort haben sich die Inter­nats­el­tern um ihn geküm­mert. Dafür sind wir bis heute sehr dankbar. Das hat uns viel Angst um ihn genommen. Wenn wir zu Besuch waren, hat meine Frau jugo­sla­wi­sches Essen gekocht: Cevap­cici, Pala­tschinken. Heimat für den Magen. 

Wünscht man sich manchmal, dass der Sohn ein ganz nor­maler 21-Jäh­riger sein kann?

Wir haben oft über die Angst gespro­chen, den Kon­takt zu ihm zu ver­lieren, weil alles zu groß wird. Aber ihn hat der Rummel nicht ver­än­dert. Wir beob­achten das genau. Er fährt zwar ein tolles Auto, aber wir wissen, dass das für ihn nur ein Gefährt ist. Kein Sta­tus­symbol. Er braucht das alles nicht. Aber er hat es sich ver­dient. 

Gibt es einen Plan B, falls der Sohn übers Ziel hinaus schießen sollte?

Er weiß, wie wir über all das denken. Wenn er sich ein Auto kaufen will, dann fragt er selb­ständig nach unserer Mei­nung. Wir scheuen uns auch nicht, ihn zu kri­ti­sieren. Manchmal ver­wirft er den Gedanken dann wieder. 

Gab es denn Phasen, in denen er die Lust am Fuß­ball zu ver­lieren drohte?

Seine letzte Zeit in Glad­bach war schwer. Marko hat sich kaum noch gemeldet. Des­wegen bin ich für einige Tage zu ihm gereist, um ihn ein wenig auf­zu­hei­tern. Er musste mal weg vom Fuß­ball, weil er so ver­bissen war. Wir waren im Kino, haben viel geredet. Auch her­um­ge­al­bert. Er ist ein Marin. Wir brau­chen manchmal ein­fach Spaß.

Danke für das Gespräch, Ranko Marin