Auf den ersten Blick war es ein­fach nur ein Plakat, und doch war es so viel mehr als das. Am Morgen des 18. Juli erblickten die Ein­wohner von Man­chester in ihrer Stadt ein rie­siges him­mel­blaues Poster, auf dem das Kon­terfei von Carlos Tevez zu sehen war, dar­unter die Worte Wel­come to Man­chester“.



Das Plakat ließ meh­rere Inter­pre­ta­tionen zu. Die nahe­lie­gendste war, dass Man­chester City, das den zuvor bei United ange­stellten argen­ti­ni­schen Natio­nal­spieler soeben für 25 Mil­lionen Pfund unter Ver­trag genommen hatte, sich öffent­lich dar­über freute, nun mit dem Stadt­ri­valen mit­halten zu können, wenn es darum ging, die besten Spieler der Welt zu holen. In Old Traf­ford hatte Tevez große Popu­la­rität genossen, und wäre es nach den Fans gegangen, wäre der Ver­trag mit dem Stürmer längst ver­län­gert worden. Doch Sir Alex Fer­guson ent­schied sich, Tevez ziehen zu lassen und erklärte, er sei nicht bereit, für einen Spieler, der in wich­tigen Par­tien meist auf der Bank saß, unver­hält­nis­mäßig viel Geld aus­zu­geben.

Eben darin steckte die zweite Bot­schaft des über­le­bens­großen Pos­ters: Fer­guson und sein Trai­ner­stab, so die Unter­stel­lung, hätten Tevez nie das Gefühl gegeben, wirk­lich gebraucht zu werden. Im East­lands Sta­dium würde sich das signi­fi­kant ändern.

Die dritte Bot­schaft war eher geo­gra­fi­scher Natur. Das Plakat war an der Grenze zu Stret­ford im Bezirk Traf­ford auf­ge­stellt worden, wo sich auch das Sta­dion Old Traf­ford befindet. Seit United 1910 ins Old Traf­ford in Stret­ford umzog, weist City gerne darauf hin, der ein­zige im Gebiet Man­chester ansäs­sige Klub und somit der einzig wahre Verein der Stadt zu sein.

Mochte das Plakat auch drei ver­schie­dene Bedeu­tungen haben, das Resultat war ein und das­selbe: ein Krieg der Worte. Und Sir Alex schluckte den Köder. Statt die Bedeu­tung des Pos­ters her­un­ter­zu­spielen oder es ein­fach zu igno­rieren, ließ er seiner Empö­rung auf einer Pres­se­kon­fe­renz in China, wo United auf Wer­be­tour war, freien Lauf. City ist ein kleiner Klub mit einer klein­ka­rierten Men­ta­lität“, schäumte Fer­guson. Sie reden immer nur über Man­chester United. Es ist das Ein­zige, was sie beschäf­tigt, und das ist dumm. Sie wollen uns pro­vo­zieren, aber sie werden schon sehen, was sie davon haben.„ Die Tirade ging noch weiter. Ich betrachte City nicht als unseren größten Her­aus­for­derer. Sie glauben, es wäre ein Rie­sen­er­folg, uns Tevez weg­ge­schnappt zu haben. Das ist arm­selig. Ich hatte mich schon lange damit abge­funden, dass er zu City gehen würde. Jetzt muss ich mich wenigs­tens nicht mehr mit Spie­lern her­um­schlagen, die unzu­frieden sind, weil sie nicht spielen. Ich habe es hier mit Profis zu tun.“

Fer­guson betrachtet den Stadt­ri­valen nicht als echte Bedro­hung

Seit dem ersten Derby im Jahr 1894 herrscht zwi­schen den Roten von United und den Blauen von City eine erbit­terte Riva­lität. Die Nummer Eins der Stadt war aber zumeist United. City über­nahm für kurze Zeit die Vor­herr­schaft, als sie 1968 Meister wurden (United holte im glei­chen Jahr den Euro­pa­pokal), 1969 den FA-Cup gewannen und 1970 im League Cup wie auch im Euro­pa­pokal der Pokal­sieger tri­um­phierten. 1974 erzielte der ehe­ma­lige United-Stürmer Denis Law beim legen­dären 1:0‑Sieg von City im Old Traf­ford per Hackentrick das ent­schei­dende Tor. Die Nie­der­lage besie­gelte damals den Abstieg der Roten. United kehrte aber nur ein Jahr später in die erste Liga zurück, und seitdem ist das Duell zwi­schen beiden Klubs ziem­lich ein­seitig ver­laufen. Seit Sir Alex 1986 als Manager anheu­erte, gewann United in 23 Jahren elf Meis­ter­schaften, zweimal die Cham­pions League und zwölf wei­tere Titel. City hat in der glei­chen Zeit gar nichts erreicht, außer sich zum Gespött des eng­li­schen Fuß­balls zu machen. Obwohl der Klub mit die treu­esten und lei­den­schaft­lichsten Fans der Insel hat, machte er vor allem durch Strei­te­reien in der Füh­rungs­etage, Trai­ner­ent­las­sungen, über­teu­erte Spieler und schlechte Leis­tungen von sich reden. Den Tief­punkt erreichten die Blauen 1998, als sie als erster frü­herer Euro­pa­po­kal­sieger in die dritte Liga abstiegen. Sir Alex Fer­guson betrach­tete den Stadt­ri­valen seit jeher nicht als echte Bedro­hung und war viel mehr damit beschäf­tigt, sich der Angriffe von Liver­pool in den Acht­zi­gern, Arsenal in den Neun­zi­gern und Chelsea in den letzten Jahren zu erwehren.

Das alles änderte sich Ende August 2008, als Klub­be­sitzer Thaksin Shina­watra Man­chester City für 200 Mil­lionen Pfund an die Abu Dhabi United Group (ADUG) ver­kaufte. Die Fans waren begeis­tert. Viele von ihnen legten ara­bi­schen Kopf­schmuck an, wedelten im nächsten Heim­spiel mit Falsch­geld und machten sich über ihre nun weniger wohl­ha­benden Nach­barn aus Stret­ford lustig. Das East­lands Sta­dium tauften sie kur­zer­hand in Middle East­lands“ um. Seinen Reichtum ver­dankt die ADUG den Ölre­serven der Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­rate. City-Fan Noel Gal­lagher von der Rock­gruppe Oasis scherzte: Ist doch herr­lich: Jedes Mal, wenn ein United-Fan tankt, hat City mehr Geld für neue Spieler.“ Der Deal wurde kurz vor dem Ende der Trans­fer­pe­riode ver­meldet. Am glei­chen Tag brach Man­chester United den bri­ti­schen Trans­fer­re­kord und ver­pflich­tete für 30 Mil­lionen Pfund den Bul­garen Dimitar Ber­batov von Tot­tenham Hot­spur. Keine zwei Stunden später wurde diese Marke von Man­chester City um 2,5 Mil­lionen Pfund über­boten, als sie den wohl größten Trans­fer­coup in der Geschichte des bri­ti­schen Fuß­balls lan­deten und Robinho von Real Madrid los­eisten.

Eine klare Ansage der neuen Eigen­tümer, aber wie so oft bei City blieben die Leis­tungen der Spieler hinter den Erwar­tungen zurück. Trotz wei­terer Inves­ti­tionen im Januar schloss der Verein die Saison auf einem trost­losen zehnten Tabel­len­platz ab. Es wurde darauf gemun­kelt, Manager Mark Hughes stünde vor der Ent­las­sung und würde durch José Mour­inho ersetzt, doch der Vor­stand von City wider­stand dieser Ver­su­chung und hielt am frü­heren Stürmer von Man­chester United, dem FC Bar­ce­lona und Bayern Mün­chen fest.

Im Sommer hat der Verein bei seinen Trans­fer­be­mü­hungen noch eine Schippe drauf­ge­legt. Neben Tevez kamen für ins­ge­samt 70 Mil­lionen Pfund vier wei­tere Spieler, dar­unter Arsenal-Stürmer Emma­nuel Ade­bayor, der allein 25 Mil­lionen Pfund kos­tete. Sir Alex konnte sich erneut nicht zurück­halten und warf City vor, aus­schließ­lich Söldner zu ver­pflichten. Wenn einem jemand so viel Geld bietet, ist das schon reiz­voll“, so Fer­guson. Aber Geld ist auch der ein­zige Grund, warum diese Spieler zu City wech­seln. Kurz bevor er bei City unter­schrieb, hat Ade­bayor über seinen Berater bei uns ange­fragt, ob wir ihn ver­pflichten wollten. Ade­bayor wollte unbe­dingt zu uns oder zu Chelsea.“

Zwei­fellos war Fer­guson ein biss­chen nervös geworden. Wenn ein Kon­kur­rent die Vor­herr­schaft seines Klubs in Frage stellt, spuckt der 67-Jäh­rige Gift und Galle. Jah­re­lang war Arse­nals Manager Arsene Wenger das Ziel seiner Atta­cken, danach Chel­seas José Mour­inho und im letzten Jahr schließ­lich Rafa Benitez vom FC Liver­pool. Die Tat­sache, dass Fer­guson auf einmal so viel über City redete, sprach Bände. Doch all das Gerede, der Hype und die exor­bi­tanten Gehälter von mehr als 100.000 Pfund pro Woche ändern nichts daran, dass sich letzt­lich auf dem Platz zeigen muss, ob City ein echter Kan­didat auf einen der ersten vier Plätze ist, die zur Teil­nahme an der Cham­pions League berech­tigen.

Die Saison begann viel­ver­spre­chend für die Blauen. Am glei­chen Tag, an dem United sich beim Auf­steiger Burnley bla­mierte und 0:1 unterlag, besiegte City in einem Freund­schafts­spiel den Cham­pions-League-Gewinner FC Bar­ce­lona im Camp Nou. Das brachte City den Joan-Gamper-Pokal ein und ver­an­lasste den mitt­ler­weile durch Roberto Man­cini ersetzten Coach Hughes zu einem opti­mis­ti­schen State­ment: In sol­chen Sta­dien und auf diesem Niveau möchten wir uns auch in Zukunft messen. Wir machen ständig Fort­schritte und hoffen, dass wir noch viele tolle euro­päi­sche Abende erleben werden.“

Vier Wochen später steht das erste Derby der Saison an. Beide Teams aus Man­chester haben bis dahin drei Par­tien gewonnen und stehen punkt­gleich in der Tabelle. Per­fekte Vor­aus­set­zungen für das Duell, das die Medien elek­tri­siert wie selten zuvor. Es ist überall das beherr­schende Thema, und Sky Sports News hat bereits 24 Stunden vor dem Anpfiff Reporter vor beiden Sta­dien pos­tiert. Früher war das anders“, erin­nert sich Mike Sum­merbee, der zwi­schen 1965 und 1975 über 350 Spiele für Man­chester City bestritt. Klar wurde im Vor­feld über das Derby geredet, aber einen sol­chen Rummel wie jetzt gab es nicht.“

Die Stadt ist unter­teilt in Blau und Rot“

Sum­merbee spricht in Man­ches­ters Hilton Hotel, wo die City-Elf aus den späten Sech­zi­gern in das Natio­nal­mu­seum der eng­li­schen FA ein­ge­führt wird. Am glei­chen Abend wird die United-Mann­schaft der Fünf­ziger geehrt, die als Busby Babes“ in die Geschichte ein­ging. Das legen­däre Team fei­erte unter Sir Matt Busby 1956 und 1957 die Meis­ter­schaft und erreichte 1957 das Pokal­fi­nale sowie 1957 und 1958 das Halb­fi­nale im Euro­pa­pokal, bevor bei einem Flug­zeug­ab­sturz in Mün­chen acht Spieler und 23 wei­tere Men­schen ums Leben kamen. An diesem Abend, der an die reiche Fuß­ball­his­torie der Stadt erin­nert, spielt die Riva­lität zwi­schen beiden Klubs nur eine unter­ge­ord­nete Rolle, und zumin­dest für eine Weile herrscht so etwas wie ein befris­teter Waf­fen­still­stand. Den­noch sind beide Manager, die den Trai­nings­anzug gegen feine Abend­gar­de­robe getauscht haben, gerne bereit, über das bevor­ste­hende Spiel zu plau­dern. Unge­achtet des ganzen Rum­mels“, sagt ein ent­spannter Sir Alex, geht es beim Derby nicht um die Spieler oder die Trainer, son­dern vor allem um die Fans. Die Stadt ist unter­teilt in Blau und Rot, und man gehört ent­weder zu den einen oder zu den anderen. Die Fans der sieg­rei­chen Mann­schaft gehen am nächsten Montag stolz zur Arbeit und strahlen die ganze Woche. Die Ver­lierer gehen ent­weder gar nicht zur Arbeit oder müssen sich die ganze Woche auf­ziehen lassen. Das ist toll.“

Mark Hughes sieht es ähn­lich und lässt sich durch die anwe­senden Mit­glieder der legen­dären City-Mann­schaft inspi­rieren. Die Leute ver­gessen bis­weilen, was für eine groß­ar­tige Elf City damals hatte“, sagt Hughes. Sie waren nicht nur die beste Mann­schaft in Man­chester und in Eng­land, son­dern eine der besten in Europa. Das muss auch heute unser Ziel sein und darauf arbeiten wir hin. Es ist gut zu wissen, dass City in der Ver­gan­gen­heit eine so starke Mann­schaft hatte, denn das gibt uns die Zuver­sicht, es auch schaffen zu können.“

Trotz der rie­sigen Inves­ti­tionen, die City in diesem Sommer getä­tigt hat, trauen nur wenige Beob­achter der Mann­schaft zu, in die Top Four der Pre­mier League vor­zu­dringen. Ein paar davon änderten nach einem 4:2 über Arsenal Mitte Sep­tember ihre Mei­nung, und ein Sieg im Old Traf­ford würde wohl auch die letzten Zweifler über­zeugen, dass ein Macht­wechsel im eng­li­schen Fuß­ball anstehen könnte. Sir Alex Fer­guson zählt frei­lich zu den Skep­ti­kern und gibt sich auf der Pres­se­kon­fe­renz vor dem Match die aller­größte Mühe, die Bedeu­tung des Spiels und des Wech­sels von Tevez zu rela­ti­vieren. Carlos Tevez inter­es­siert mich nicht. Ihr wich­tigster Spieler wird am Sonntag ohnehin fehlen“, sagt Fer­guson und bezieht sich damit auf Emma­nuel Ade­bayor, der nach einem Tritt gegen seinen frü­heren Mit­spieler Robin van Persie für drei Par­tien gesperrt worden ist. Das wich­ti­gere Derby wird für uns ohnehin immer das gegen Liver­pool sein“, fährt Sir Alex fort. Das hat his­to­ri­sche Gründe. Als ich hier ankam, waren sie Nummer Eins in Europa, sie hatten viermal den Euro­pa­pokal und meh­rere Meis­ter­schaften gewonnen. Gegen die Geschichte kommt man nicht an.“ Als Fer­guson bei Man­chester United anfing, erklärte er es zu seinem Haupt­an­liegen, Liver­pool von ihrem beschis­senen Thron zu stürzen“.

In seiner eigenen Pres­se­kon­fe­renz wählt Mark Hughes nun fast die­selben Worte, um seine Ziele zu for­mu­lieren: Wir wollen United vom Thron stürzen. Das wäre eine groß­ar­tige Leis­tung, denn United ist schon sehr lange erfolg­reich.“ Zum Abschluss kann sich Hughes aller­dings eine kleine Sti­chelei nicht ver­kneifen: Sie kommen aus der glei­chen Stadt wie wir – na ja, nicht ganz – und sie sind der Maß­stab, an dem wir uns ori­en­tieren müssen.“

Auch die Fans lassen es sich nicht nehmen, sich gegen­seitig auf­zu­ziehen. Auf Seiten der Roten sieht man T‑Shirts, auf denen Keine Titel, keine Seele, viele Söldner“ zu lesen ist, oder auch Eure Spieler sind teuer, unsere schreiben Geschichte“. Im Sta­dion wird ein Banner ent­rollt, auf dem 33 years“ steht – solange ist es her, dass City einen Titel gewonnen hat. Doch auch die City-Anhänger lassen sich nicht lumpen. Viele von ihnen tragen rote Shirts, auf denen Michael Owen, Uniteds ein­zige nam­hafte Ver­pflich­tung des Som­mers, auf Krü­cken zu sehen ist, dazu die Worte Wel­come to Stret­ford“. Nachdem der eigene Klub etliche Mil­lionen inves­tiert und der Rivale Stars wie Cris­tiano Ronaldo und Tevez ver­loren hat, haben die City-Fans den Transfer des von zahl­rei­chen Ver­let­zungen geplagten Owen eher belus­tigt zur Kenntnis genommen.

Man­chester United und Man­chester City weisen heute Besitz­ver­hält­nisse auf, wie sie unter­schied­li­cher nicht sein könnten. United gehört der Glazer-Familie aus Flo­rida, die ein Dar­lehen von mehr als einer Mil­li­arde Pfund auf­ge­nommen hat, um den Kauf finan­zieren zu können, und die Ver­bind­lich­keiten dann ein­fach auf den Verein über­schrieb. United zahlt nun jähr­lich mehr als 50 Mil­lionen Pfund, um die Schulden zu tilgen. Alex Fer­guson behauptet zwar, die 80 Mil­lionen Pfund aus dem Ver­kauf von Cris­tiano Ronaldo in neue Spieler inves­tieren zu können, ver­hielt sich aber auf dem Trans­fer­markt in diesem Sommer erstaun­lich zurück­hal­tend. Citys neuer Besitzer Scheich Man­sour bin Zayed al Nahyan hin­gegen ver­fügt über ein Pri­vat­ver­mögen von 35 Mil­li­arden Pfund und ein Fami­li­en­ver­mögen von 500 Mil­lionen Pfund. Mit anderen Worten: City hat Geld wie Heu und ist aktuell ohne Zweifel der reichste Klub der Welt.

Beim Derby geht es des­wegen um den Kampf zwi­schen altem Adel und neu­rei­chen Empor­kömm­lingen, zwi­schen altem Geld aus Ame­rika und neuem Geld aus Ara­bien, Tevez und Owen und noch einiges mehr. Das Match hält allemal, was es ver­spricht.

Nach zwei Minuten tanzt Wayne Rooney durch die Defen­sive der Gäste und erzielt das 1:0. Gareth Barry gelingt 14 Minuten später der Aus­gleich. United ist danach spiel­be­stim­mend, trotzdem müsste Carlos Tevez sein Team in Füh­rung bringen, trifft aber nur den Pfosten. Was für eine Geld­ver­schwen­dung“, singen die United-Fans über den Argen­ti­nier, den sie bis vor kurzem ver­ehrt haben. United beginnt auch die zweite Halb­zeit über­legen, und die Defen­siv­leis­tung der Gäste ver­an­schau­licht die alte Weis­heit, dass man mit Geld eben doch nicht alles kaufen kann. Ins­ge­samt 52 Mil­lionen hat die Vie­rer­kette um Micah Richards, Wayne Bridge, Joleon Les­cott und Kolo Touré gekostet, aber keiner von ihnen ist zur Stelle, als Darren Flet­cher völlig frei­ste­hend eine Flanke von Ryan Giggs zum 2:1 ein­köpft. Alex Fer­guson mag die Bedeu­tung des Matches her­un­ter­ge­spielt haben, doch seine eksta­ti­sche Jubel­arie spricht eine andere Sprache. Selten hat man einen 67-Jäh­rigen derart aus­ge­lassen gesehen. Drei Minuten später und nach Craig Bel­l­amys sehens­wertem Aus­gleichs­treffer kaut Sir Alex wieder wie gewohnt nervös auf seinem Kau­gummi herum. City scheint sich mit dem Unent­schieden zufrieden zu geben, doch United drängt auf das 3:2. In der 77. Minute kommt Michael Owen für Dimitar Ber­batov ins Spiel, drei Minuten später geht United erneut in Füh­rung – wieder hat Ryan Giggs geflankt, wieder hat Darren Flet­cher geköpft, wieder hat Citys Defen­sive geschlafen. Und Fer­guson führt wieder seinen kleinen Tanz auf. Als der vierte Offi­zi­elle vier Minuten Nach­spiel­zeit anzeigt, sind das vier Minuten mehr, als sich die United-Fans gewünscht haben, und 30 Sekunden später besorgt Craig Bel­lamy erneut den Aus­gleich. Das soll es dann wohl gewesen sein in einem der span­nendsten und dra­ma­tischsten Derbys aller Zeiten, oder?

Von wegen! Auf­grund des Tores und einer Ein­wechs­lung ver­län­gert der Schieds­richter die Nach­spiel­zeit um wei­tere 90 Sekunden. In der 96. Minute spielt Giggs einen per­fekten Pass auf Owen, der mit seinem ersten Ball­kon­takt nicht nur ins Tor, son­dern auch mitten ins Herz der City-Fans trifft.

Im Old Traf­ford bre­chen danach alle Dämme. Sir Alex und die übrige United-Bank rennen jubelnd aufs Spiel­feld, wäh­rend sich Hughes ange­wi­dert und ent­täuscht abwendet.



Sekunden später pfeift der Schieds­richter ab. Auf der anschlie­ßenden Pres­se­kon­fe­renz macht Fer­guson aus seiner Genug­tuung keinen Hehl. Für uns ist es unge­wohnt, dass City in den Medien grö­ßere Beach­tung geschenkt wird als uns. Manchmal hat man eben einen unlieb­samen Nach­barn, mit dem man irgendwie klar­kommen muss.“ Der sicht­lich ver­är­gerte Hughes ver­sucht, der Nie­der­lage etwas Posi­tives abzu­ge­winnen. Das Spiel sollte uns Mut machen. Man hat gesehen, wie viel es den Jungs bedeutet hat. Die Saison ist noch lange nicht ver­loren, und wir werden oben dran­bleiben.“

Und das ist gut für die Pre­mier League, in der seit Jahren stets die glei­chen vier Klubs die ersten vier Plätze und damit auch die Cham­pions-League-Gelder unter sich aus­ma­chen. Mit dieser Hege­monie scheint es nun­mehr vorbei zu sein. Ein neuer Her­aus­for­derer ist ange­treten, um die Vor­macht­stel­lung der eta­blierten Klubs zu durch­bre­chen und nicht nur Eng­land auf­zu­mi­schen, son­dern auch eine Stadt, in der seit Ewig­keiten klare Ver­hält­nisse herrschten. Will­kommen in Man­chester.