Seite 3: „Tomorrow my friend, tomorrow!“

Aber Ham­burg und auch Eppen­dorf ließen ihn nie ganz los. Alle paar Wochen konnte man in der Zei­tung lesen, dass der HSV an van der Vaart dran wäre („Jetzt wird’s ernst!“), und auch der Spieler schien einer Rück­kehr nicht abge­neigt („Was läuft da mit…?“). Die Fans jauchzten und hüpften vor Freude. So auch Klaus-Michael Kühne, ein mil­li­ar­den­schwerer Mäzen, dessen pri­vate Scou­ting-Daten­bank in jenen Jahren genau einen Spieler führte: Rafael van der Vaart.

Bald also kehrten die van der Vaarts heim, Papa KMK hatte es mög­lich gemacht, und Sylvie ver­kün­dete in der Welt“: Wir haben eine schöne Woh­nung in der Eppen­dorfer Land­straße gefunden, unserer geliebten Heimat.“ Bloß: Ihr Mann war träge geworden. Er schleppte sich nun­mehr über den Platz im Volks­park. Immerhin, wir näherten unsere Leben wieder an, denn ich schleppte mich nun auch häu­figer durch die Kreuz­berger Nacht. Eine Extra­schicht auf dem Hege­platz hätte uns beiden gut­getan, so viel war klar. Van der Vaart am Ball, Zucker­pass mit dem linken Außen­rist, Bock steht in zwei Metern Höhe waa­ge­recht in der Luft und voll­endet per Seit­fall­zieher. So wie früher.

Tomorrow my friend, tomorrow!“ 

Statt­dessen ging es bergab, aus der geliebten Heimat Eppen­dorf flim­merte täg­lich eine Art Soap-Opera in die Welt. Die Prot­ago­nisten: Sabia, Sylvie, Rafael und wech­selnde Reporter der Bild“-Zeitung. Danach: Bei­nahe-Abstiege, Rele­ga­tionen, Ver­let­zungen, und als er in der letzten Minute des Rele­ga­ti­ons­spiels gegen den HSV zum Helden werden konnte, nahm ihm Mar­celo Diaz den Ball weg: Tomorrow my friend, tomorrow!“ 

Schon damals, in seiner zweiten HSV-Zeit, war van der Vaarts große Kar­riere längst vorbei, und das wusste er auch. Trotzdem ver­suchte er es noch mal, erst bei Betis Sevilla, dann in Midt­jyl­land und zuletzt beim däni­schen Zweit­li­gisten Esbjerg fB, auch wegen der neuen Liebe, einer Hand­ball­spie­lerin, die für das Team Esbjerg aktiv ist.

Jetzt beendet Rafael van der Vaart, der in einem Wohn­wagen in der hol­län­di­schen Klein­stadt Heems­kerk auf­ge­wachsen war, seine Kar­riere. Das Ver­gnügen hört irgend­wann mal auf, und dem Punkt will ich zuvor­kommen“, sagt er.

Es ist eine gute Ent­schei­dung, möchte man ihm über die Theke des Jablonsky“ zurufen. Aber leider hat die Kaschemme am Eppen­dorfer Markt­platz längst dicht gemacht. Statt­dessen befindet sich in dem Haus eine Cock­tail-Bar.