Anfang der Woche hat es bereits erste Signale gegeben, die auf­merk­same Beob­achter stutzig werden ließen. Es war die erste Trai­nings­ein­heit von Hertha BSC vor dem Bun­des­li­ga­spiel an diesem Samstag gegen Werder Bremen. Rune Jar­stein kam ganz alleine den langen Weg von der Kabine zum Platz hinauf. Sein stän­diger Begleiter, Tor­wart­trainer Zsolt Petry, wurde diesmal an der Seite eines anderen gesehen. An der Seite von Thomas Kraft.

Zufall? Belanglos? Oder doch ein Zei­chen für die ver­än­derte Hier­ar­chie auf der Tor­hü­ter­po­si­tion bei den Ber­li­nern? Thomas Kraft, in den ver­gan­genen Jahren Ersatz­mann hinter dem Nor­weger Jar­stein, hatte schon am ver­gan­genen Freitag, bei Her­thas 3:3 gegen For­tuna Düs­sel­dorf, im Tor gestanden.

Und dabei bleibt es erst einmal. Der Thomas wird im Tor stehen“, sagte Alex­ander Nouri, der Trainer des Ber­liner Fuß­ball-Bun­des­li­gisten. Wir schenken ihm das Ver­trauen.“ Eine allzu große Über­ra­schung war das nicht mehr. Thomas Kraft hat sich bei dem Unent­schieden in Düs­sel­dorf nicht nur nichts zuschulden kommen lassen, weil er an allen drei Gegen­toren machtlos war; er hat auch erheb­lich zu der uner­war­teten Wende in diesem Spiel bei­getragen, das für Hertha zur Pause, beim Stand von 0:3, schon ver­loren schien.

Kraft, 31, ständig krank oder ver­letzt, keinen Mehr­wert“

Der Tor­hüter, der in jedem Trai­ning durch seinen über­bor­denden Ehr­geiz auf­fällt, rich­tete in der Pause das Wort an seine Kol­legen, fragte sie, ob wir uns weiter abschlachten lassen wollen oder als Mann­schaft end­lich auf­wa­chen“. Es wurde laut, es wurde dre­ckig – und es half. Man kann sicher sagen, dass es für den Aus­gang des Spiels erheb­lich was bewirkt hat“, stellte Her­thas Manager Michael Preetz fest. Am Ende mussten die Düs­sel­dorfer sogar froh sein, dass sie nicht noch ver­loren hatten.

Für den 31 Jahre alten Kraft war es der tri­um­phale Abschluss einer Woche, in der das ver­nich­tende Urteil seines frü­heren Chefs Jürgen Klins­mann an die Öffent­lich­keit gelangt war: Kraft, 31, ständig krank oder ver­letzt, keinen Mehr­wert. Ver­trag aus­laufen lassen“, stand in dem eigent­lich geheimen Pro­to­kollen des ehe­ma­ligen Hertha-Trai­ners.

Von wegen kein Mehr­wert! Dieses Urteil konnte Kraft gleich bei der ersten sich bie­tenden Gele­gen­heit ein­drucks­voll wider­legen. Das ist mein Job“, sagte er anschlie­ßend. Wenn die Trainer dann eine solche Ent­schei­dung treffen, dann bin ich da.“