Seite 2: Der Neuanfang ist längst eingeleitet

Wir haben eine enorme Qua­lität in der Mann­schaft“, sagte Flick. Ent­schei­dend wird sein, ob es ihm gelingt, aus all den Spie­lern auch ein echtes Team zu formen. Im Deut­schen Fuß­ball-Bund gibt es ein durchaus erfolg­rei­ches Modell dafür: die U‑21-Natio­nal­mann­schaft von Stefan Kuntz.

Schon seit geraumer Zeit wird im deut­schen Fuß­ball dar­über geklagt, dass es nicht mehr die Talente im Übermaß gebe wie noch vor zehn, zwölf Jahren. Und doch war kein Land in der jün­geren Ver­gan­gen­heit mit dem ältesten Jahr­gang im Nach­wuchs­fuß­ball erfolg­rei­cher als die Deut­schen. Kuntz hat seit seinem Amts­an­tritt im Sommer 2016 mit seinem Team jedes Mal das Finale der U‑21-Euro­pa­meis­ter­schaft erreicht, 2017 und 2021 gewann er sogar den Titel.

Er hat gezeigt, dass er im Straf­raum eis­kalt ist und seine Chancen nutzen kann“

Hansi Flick über Karim Adeyemi

Mehr U 21 wagen, das könnte auch für Flick ein Mittel zum Erfolg werden. Drei der fünf Spieler, die er gegen Arme­nien ein­ge­wech­selt hat, sind im Juni mit der deut­schen U 21 Euro­pa­meister geworden: der überaus begabte Flo­rian Wirtz, der schon gegen Liech­ten­stein sein Debüt für die A‑Nationalmannschaft gefeiert hat, sowie Karim Adeyemi und David Raum, die nun in Stutt­gart folgten.

Das letzte Tor zum 6:0 ent­sprang einer wun­der­baren Kom­bi­na­tion zwi­schen dem 18 Jahre alten Wirtz und dem 19 Jahre alten Adeyemi, der für RB Salz­burg in der öster­rei­chi­schen Bun­des­liga spielt. Nach einem Dop­pel­pass inklu­sive Hackentrick erzielte Adeyemi sein erstes Län­der­spieltor. Er hat gezeigt, dass er im Straf­raum eis­kalt ist und seine Chancen nutzen kann“, sagte Bun­des­trainer Flick über den gebür­tigen Münchner, der in Salz­burg in den ersten sechs Sai­son­spielen auch schon sechs Mal getroffen hat.

Plötz­lich wieder eine Zukunft

Adeyemi, Sohn einer Rumänin und eines Nige­ria­ners, ist nicht nur der erste Spieler aus der öster­rei­chi­schen Liga, der für die deut­sche Natio­nal­mann­schaft zum Ein­satz gekommen ist; er ist auch der erste Län­der­spiel­tor­schütze, der im dritten Jahr­tau­send geboren ist. Und so hat die Natio­nal­mann­schaft, die so lange in der Ver­gan­gen­heit gefangen schien, plötz­lich wieder eine Zukunft.

Die Per­so­nal­po­litik von Bun­des­trainer Hansi Flick ist bisher darauf redu­ziert worden, dass er an alten Recken wie Ilkay Gün­dogan, Marco Reus, Thomas Müller und ver­mut­lich auch Mats Hum­mels fest­hält. Zur ganzen Wahr­heit gehört aber auch, dass Flick auf einer soliden Basis an Erfah­rung längst den Neu­aufbau ein­ge­leitet hat. Das ist eine Sache, die wichtig ist, weil man immer wieder Alter­na­tiven braucht“, sagte Flick. Das tut ganz gut und ist für die Mann­schaft ein guter Pro­zess.“

Dieser Artikel stammt von Tages​spiegel​.de und erscheint an dieser Stelle im Rahmen einer Koope­ra­tion. 

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