In Katar nichts Neues: Im Wüs­ten­staat wurden bis August 2020 zwei Gesetze ver­ab­schiedet, die es Gastarbeiter*innen ermög­li­chen sollten, das Land ein­fa­cher zu ver­lassen und den Arbeit­geber zu wech­seln. Wie zwei Betrof­fene gegen­über der Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tion Amnesty Inter­na­tional berich­teten, exis­tieren diese Reformen nur auf dem Papier. Schlimmer noch: Die Arbeiter*innen werden von ihren Arbeitgeber*innen unter Druck gesetzt, die Aus­beu­tung geht weiter.

Auf Grund sol­cher Berichte über das Gast­ge­ber­land sehen viele Fuß­ball­fans die WM 2022 kri­tisch. So auch in den skan­di­na­vi­schen Län­dern. In Nor­wegen gab es sogar eine Abstim­mung, ob die Natio­nal­mann­schaft an der WM über­haupt teil­nehmen solle. Die Mehr­heit der Befragten stimmte für eine Teil­nahme, doch diese Dis­kus­sion verlor am ver­gan­genen Dienstag an Bedeu­tung, da die Natio­nalelf die Qua­li­fi­ka­tion für die End­runde ohne den ver­letzten Erling Haa­land ohnehin ver­passte. Nach­bar­land Däne­mark hin­gegen qua­li­fi­zierte sich sou­verän mit neun Siegen aus zehn Spielen. Und nun hat der däni­sche Ver­band ein Jahr vor Beginn der Welt­meis­ter­schaft Maß­nahmen ver­öf­fent­licht, wie er sich rund um das Tur­nier für Men­schen­rechte ein­setzen will.

Fans sollen auf­ge­klärt werden

Im Vor­feld der WM und vor Beginn der Ticket­ver­käufe für die Spiele der Dänen will der DBU seine Fans über die Zustände im Gast­ge­ber­land auf­klären. Die Anhänger seien so infor­miert und könnten auf dieser Grund­lage selbst ent­scheiden, ob sie Tickets für die Spiele in Katar kaufen wollen oder nicht. Dass dadurch deut­lich weniger däni­sche Zuschauer bei den Spielen des Teams von Trainer Kasper Hjul­mand im Sta­dion sein könnten, scheint der DBU in Kauf zu nehmen.

Außerdem soll die Aus­wahl von Hotels und anderen Ser­vices wäh­rend der WM im Vor­feld geprüft werden. Haupt­kri­te­rium bei der Aus­wahl der Stand­orte sei die Respek­tie­rung der Arbeits­rechte. Zusätz­lich sei der Ver­band, laut DBU Vor­stands­vor­sit­zendem Jakob Jensen, auf Grund des Berichtes von Amnesty Inter­na­tional erneut mit der FIFA und anderen Orga­ni­sa­toren der WM in Kon­takt getreten, um auf Ver­än­de­rungen im Gast­ge­ber­land Katar zu drängen.

Spon­soren ver­zichten auf Wer­be­ein­nahmen

Als unmit­tel­bare Maß­nahmen vor Ort hat der däni­sche Ver­band ange­kün­digt, die Anzahl an Mit­ar­bei­tern zu mini­mieren und aus­schließ­lich an Ver­an­stal­tungen teil­zu­nehmen, bei denen es um Sport geht (sprich: Spiele, Trai­nings­ein­heiten, Pres­se­kon­fe­renzen) oder bei denen die Teil­nahme dazu bei­trägt, die Ver­hält­nisse für Gast­ar­beiter in Katar zu ver­bes­sern. Auch die Spon­soren des DBU haben ange­kün­digt, nur solche Ver­an­stal­tungen zu besu­chen. So möchten der Ver­band und seine Partner ver­deut­li­chen, dass es bei der Teil­nahme an der WM-End­runde um den Fuß­ball gehe und nicht um kos­ten­lose Wer­bung für die Orga­ni­sa­tionen der Ver­an­stalter.

Um dem Ver­band noch mehr Mög­lich­keiten für kri­ti­sche Äuße­rungen bezüg­lich der Situa­tion in Katar zu bieten, haben die Spon­soren Danske Stil und Arbej­dernes Lands­bank ange­boten, ihre Spon­so­ring­flä­chen auf der Trai­nings­klei­dung der däni­schen Natio­nal­mann­schaft auf­zu­geben, obwohl sie damit ris­kieren, weniger Wer­be­gelder ein­zu­nehmen. Jakob Jensen begrüßt diese Ent­schei­dung: Es ist ein sehr starkes Signal, wenn sich auch unsere Partner im Kampf für bes­sere Bedin­gungen in Katar enga­gieren. Die Partner unter­stützen den däni­schen Fuß­ball, die Herren-Natio­nal­mann­schaft und die sport­liche Teil­nahme an der Euro­pa­meis­ter­schaft und der Welt­meis­ter­schaft – nicht die ein­zelnen Gast­geber.“.

Ob sich nach dem Bericht der Amnesty Inter­na­tional wei­tere Spon­soren und Fuß­ball­ver­bände dem däni­schen Ver­band anschließen werden, bleibt abzu­warten. Der DBU hat indes auf Grund­lage der ver­öf­fent­lichten Miss­stände ange­kün­digt im Dezember nach Katar zu reisen, um per­sön­lich Druck auf die rele­vanten Akteure der FIFA und des Gast­ge­ber­landes Katar aus­zu­üben.