Lieber FC Bayern,

heute fei­erst du deinen 118. Geburtstag, und dazu möchte ich dir im Namen der gesamten Redak­tion recht herz­lich gra­tu­lieren. 118 Jahre sind eine ver­dammt lange Zeit, vor allem, wenn man wie du gefühlte 117 Jahre davon an der Spitze ver­bracht hat. Wo die Luft ja, so erzählt man es sich bei uns im Tal zumin­dest, sehr dünn sein soll. Daher: Herz­li­chen Glück­wunsch! Also wirk­lich!

Denn obwohl man mich nicht unbe­dingt als Fan von dir bezeichnen könnte, sind die Glück­wün­sche ernst gemeint. Zum einen aus Respekt vor deinem Alter und zum anderen aus Respekt vor deinen Leis­tungen. Du warst und bist in deinem Leben so wahn­witzig erfolg­reich, dass alles andere als eine ernst gemeinte Gra­tu­la­tion mich als ver­bit­terten Neider ent­larven würde. Und so möchte ja nun wirk­lich nie­mand wirken. Geschweige denn sein.

Die Säbener Straße: ein mys­ti­scher Ort

Du hast in 118 Jahren alles gewonnen, was du hät­test gewinnen können, sogar den Uefa Cup und den Liga­pokal. Du hast Men­schen zu Ikonen geformt, ein kleiner, dicker Stürmer wurde zum Bomber, ein langer, dünner Libero gar zum Kaiser. Und um auch in der Moderne, also in den Acht­zi­gern und Neun­zi­gern, die Nummer Eins zu bleiben, ver­trau­test du dich einem Wurst­ver­käufer an. Was ja für dich spricht.

Durch dich wurde eine stink­nor­male Ansamm­lung von Pflas­ter­steinen zu einem mys­ti­schen Ort. Was musste diese Säbener Straße doch für eine son­der­bare Welt sein, dachte ich als Kind. Eine Pforte in ein Par­al­lel­uni­versum, in dem es aus­nahmslos knall­gelbe Mase­ratis und erd­beer­rote Fer­raris gibt, aus denen aus­nahmslos Fuß­ball­spieler mit teuren Son­nen­brillen und noch teu­reren Leder­ja­cken steigen. Wo nor­male Pres­se­kon­fe­renzen aus­arten und zu Nach­richten werden, die die Welt in Atem halten. Ist Effen­berg wirk­lich stink­sauer? Spielt Strunz wirk­lich wie Fla­sche leer? Wann fliegt Rehagel?

Ich kann dir nicht alles Gute wün­schen

In den aller­meisten Fällen spielen die auf­re­gendsten Spieler, die sich so in Deutsch­land rum­treiben, für dich. Und sollte sich doch mal einer ver­irrt haben, nach Bremen etwa oder nach Lever­kusen oder Dort­mund, dann sorgst du dafür, dass er schnell den Weg zu dir findet. Dorthin, wo er hin­ge­hört, dorthin, wo sie alle hin­ge­hören: nach Hause! Ins Venedig des Nor­dens, wo auch ein Fran­zose aus der Ban­lieue, der in seinem Geburts­land selten ohne gezückte Fäuste das Haus ver­lässt, zum Schunkel-Bayer wird. Eine große Familie, erst Mainz 05 abfer­tigen und dann ab aufs Okto­ber­fest, Mia san mia. Es hat was.

Und doch fällt es mir sehr schwer, dir bedin­gungslos zu gra­tu­lieren. Denn nor­ma­ler­weise geht die Phrase Herz­li­chen Glück­wunsch“ ja untrennbar einher mit der Phrase Alles Gute“. Aber ich kann dir nicht alles Gute wün­schen.