Seite 2: Wie die Fotos, so die Filme

Nun hat Hans van der Meer bei seinen Reisen nicht nur Fotos geschossen, son­dern auch Film­ma­te­rial pro­du­ziert – und daraus fünf Kurz­filme destil­liert, die den Ama­teur­fuß­ball in seiner ganzen Pracht zeigen, ob bei sich daheim in Flamen, in Ita­lien, in Eng­land, in der Pro­vence oder in Spa­nien. Als Hom­mage an den All­tags­kick, der in der Coro­na­krise ebenso zum Erliegen gekommen ist wie der Pro­fi­fuß­ball, ver­öf­fent­licht der Foto­graf die Filme jetzt nach­ein­ander unter dem Titel European Fields Unlo­cked“ auf You­Tube. Daneben stehen kurze Essays von renom­mierten Schrei­bern wie dem ehe­ma­ligen nie­der­län­di­schen Natio­nal­spieler Jan Mulder (Vater von Youri) oder dem tollen eng­li­schen Fuß­ball­autor David Winner.

Nach Ansicht des Films über die flä­mi­schen Fuß­ball­felder, der als erster online ging, lässt sich sagen: Natür­lich hat Van der Meer dem Bewegt­bild-Genre gewisse Kon­zes­sionen zuge­standen, denn hin und wieder geht er tat­säch­lich ein biss­chen näher ran, als man es von seinen Fotos gewohnt ist. Ande­rer­seits aber, das zur Beru­hi­gung für seine Fans, auch kein Stück näher als unbe­dingt nötig.

Ein fuß­ball­in­ter­es­siertes Pferd

Und so gibt es in knapp 24 ebenso unter­halt­samen wie medi­ta­tiven Minuten die unter­schied­lichsten Dinge zu sehen. Schiris, die mit äußerster Sorg­falt die Stollen prüfen. Einen Spieler, der friert, ohne etwas dagegen zu unter­nehmen (zum Bei­spiel, sich bewegen). Einen anderen mit einer sehr merk­wür­digen Brille. Eine hin­rei­ßende Tri­büne. Ein Tor­wart im Schnee­treiben. Ein Pferd, das auf­merksam das Spiel­ge­schehen ver­folgt. Einen lep­to­somen, schnauz­bär­tigen Ver­tei­diger mit einem for­mi­da­blen Hackentrick. Ein Zuschauer mit Gum­mi­stie­feln, der inner­halb von einer Minute dreimal den Ball holen muss. Eine Baum­gruppe wie aus einem Fan­tasy-Film. Ein Match, das sich hinter den Scheiben eines Klub­heims abspielt. Mecker­r­entner in allen Facetten. Der pre­kärste Unter­stand aller Zeiten. Ein Ver­letzter im Morast. Eine Rudel­bil­dung, wie sie frü­hes­tens erst 2022 wieder erlaubt sein wird. Und am Ende gehen alle nach Hause und aus den Laut­spre­chern krächzt Blas­musik.

Ach, wie gerne würden wir so etwas auch wieder tun! Aber weil das im Moment nicht mög­lich ist, sitzen wir zuhause und schauen diese wun­der­baren Kleinode von Hans van der Meer. Bis zum 5. Juni wird an jedem Freitag ein neuer Film online gehen.