Es scheint ein Trend im modernen Fuß­ball zu sein, dass ver­schie­dene Klubs mehr oder weniger offen mit­ein­ander zusam­men­ar­beiten. Dazu muss man den Blick noch nicht einmal bis zu einem öster­rei­chi­schen Geträn­ke­her­steller richten. Zuletzt gab der VfL Wolfs­burg bekannt, seine U23 aus dem Spiel­be­trieb abzu­melden, künftig aber zur Talent­för­de­rung mit dem öster­rei­chi­schen Zweit­li­gisten SKN St. Pölten zu koope­rieren. Die ita­lie­ni­sche Familie Pozzo besitzt sowohl den Pre­mier-League-Auf­steiger FC Wat­ford als auch den Serie-A-Verein Udi­nese Calcio – Trans­fers zwi­schen beiden Teams gestalten sich natur­gemäß nicht gerade kom­pli­ziert. Es ließen sich noch wei­tere – wenn auch in jedem Ein­zel­fall unter­schied­lich gela­gerte – Bei­spiele nennen, von der soge­nannten Fuß­ball-Unit Fly­eralarm Global Soccer“ bis zur City Foot­ball Group“ mit Able­gern in New York, Mel­bourne oder Mon­te­video. Der­ar­tige Kon­strukte sind vielen Fans ein Dorn im Auge. Beson­ders pro­ble­ma­tisch wird es aller­dings, wenn zwei Klubs, die mit­ein­ander koope­rieren oder sogar im glei­chen Besitz sind, im selben Wett­be­werb antreten.

Auch Claudio Lotito, Rei­ni­gungs­un­ter­nehmer aus Rom und seit 2004 Prä­si­dent und Besitzer des Serie-A-Ver­eins Lazio, leistet sich seit einigen Jahren einen Zweit­klub. Nach der Pleite des Tra­di­ti­ons­ver­eins US Saler­ni­tana 2011 grün­dete Lotito gemeinsam mit seinem Schwager, dem Immo­bi­lien-Unter­nehmer Marco Mez­za­roma, zunächst den Verein Salerno Calcio, der einen Platz in der damals fünft­klas­sigen Serie D erhielt. 2012 über­nahmen die beiden dann alle Rechte inklu­sive des Namens vom eins­tigen Serie-A-Klub US Saler­ni­tana. Zehn Jahre später ist der Klub aus der ita­lie­ni­schen Region Kam­pa­nien, gut eine Auto­stunde süd­lich von Neapel, in die erste ita­lie­ni­sche Liga auf­ge­stiegen. Dank eines 3:0‑Auswärtssieg in Pes­cara am Montag ver­gan­gener Woche feiert der Klub aus Salerno 22 Jahre nach dem letzten Serie-A-Abstieg die Rück­kehr in die höchste ita­lie­ni­sche Spiel­klasse, zum dritten Mal in der Ver­eins­ge­schichte. Ohne Zweifel ein großer Erfolg – aber Lotito hat nun ein Pro­blem. Denn zwei Ver­eine mit dem glei­chen Besitzer inner­halb einer Liga erlauben die Vor­schriften der Serie A nicht.

Hat Lotito vor­ge­sorgt?

Gegen­über Radio Rai äußerte sich Gabriele Gra­vina, Prä­si­dent des natio­nalen Fuß­ball­ver­bandes FIGC, bereits kurz vor dem Auf­stieg ein­deutig: Alle wussten, was pas­sieren würde. Herz­li­chen Glück­wunsch an Saler­ni­tana zu dem bevor­ste­henden his­to­ri­schen Erfolg, aber Regeln sind Regeln.“ Gra­vina erklärte weiter: Jeder weiß, dass beide Ver­eine den glei­chen Eigen­tümer haben und dass die Eigen­tümer-Situa­tion nicht bei­be­halten werden kann. Sonst hätte das die Nicht-Teil­nahme an der Meis­ter­schaft zur Folge.“ Am Montag bekräf­tigte Gra­vina seinen Stand­punkt. Nach einer Sit­zung der Liga sagte er der Nach­rich­ten­agentur ANSA: Das ist kein Anlass für Strei­tig­keiten, hier geht es nur um die Anwen­dung von Regeln, die seit Juli 2013 bekannt sind.“ Und diese Regeln besagen: Ab dem Moment der offi­zi­ellen Mel­dung für die Serie A bleiben 30 Tage Zeit, um einen neuen Besitzer zu finden. Laut Gazzetta dello Sport könnten Besitzer Lotito aller­dings zumin­dest zwei Wochen mehr Zeit ein­ge­räumt werden, um einen Käufer zu finden. Somit würde die Frist für den Ver­kauf am 25. Juni enden, drei Tage vor dem Ende der Ein­schrei­bungs­frist für die Serie A.

Jeder weiß, dass beide Ver­eine den glei­chen Eigen­tümer haben und dass die Eigen­tümer-Situa­tion nicht bei­be­halten werden kann. Sonst hätte das die Nicht-Teil­nahme an der Meis­ter­schaft zur Folge“

Gabriele Gravina

Wie es jetzt wei­ter­geht, weiß nie­mand so genau. Hat Lotito bereits vor­ge­sorgt und einen poten­ti­ellen Käufer parat? Der für seine Spar­sam­keit bekannte Römer, der sowohl mit Lazio als auch mit der Saler­ni­tana schwarze Zahlen schrieb, könnte den für kol­por­tierte 350.000 Euro erwor­benen Klub in der höchsten Spiel­klasse für etwa 30 bis 50 Mil­lionen ver­kaufen, den Gewinn ein­strei­chen und sich in Zukunft wieder auf einen Verein kon­zen­trieren. Oder wird er ver­su­chen, über Umwege wei­terhin Ein­fluss zu behalten? Auf Fragen von Lokal­jour­na­listen im Rahmen der Auf­stiegs­feier reagierte Lotito aus­wei­chend. Einer Über­tra­gung der Anteile an seinen Schwager steht wohl Para­graph 16 der Liga-Sta­tuten im Weg, wonach auch ver­wandte und ver­schwä­gerte Per­sonen nicht meh­rere Ver­eine kon­trol­lieren dürfen. Aber was pas­siert, sollte sich inner­halb der Frist kein Käufer finden? Müsste man dann sogar auf den Auf­stieg ver­zichten? Partner Mez­za­roma kün­digte an, man werde nicht an den Nächst­besten ver­kaufen, seine Schwester Cris­tina, Lotitos Ehe­frau, äußerte einen Wunsch: Ich hoffe, die neuen Eigen­tümer werden den Verein so hegen, führen und lieben wie meine Familie es getan hat.“