Luiz Gus­tavo
Wolfs­burgs Nie­der­lage gegen den FSV Mainz ist ein schöner Anlass, die viel­leicht abge­dro­schenste Phrase des gesamten Bun­des­li­ga­ge­schäfts zu ver­wenden: Der Fuß­ball ist ein schnell­le­biges Geschäft“. In der Tat ist diese Floskel in etwa so aus­ge­lutscht wie Rocco Siff­redi nach einem langen Tag am Set; den­noch trifft sie zu, wie Luiz Gus­tavo am Wochen­ende anschau­lich unter Beweis stellte. Nach seinem furiosen Ein­stand im Trikot der Wölfe wurde Gus­tavo bereits als der neue Heils­bringer gefeiert und es war eigent­lich nur noch eine Frage der Zeit, bis der Bra­si­lianer den VfL zur Meis­ter­schaft und zum Cham­pions-League-Sieg stra­tegt. Eine Woche später holte sich Gus­tavo nun im Spiel gegen Mainz in einer wich­tigen Phase die zweite Gelbe ab und musste duschen gehen, sein Team fing anschlie­ßend das 0:2 und in Wolfs­burg packen sie die Papp-Meis­ter­schalen erst mal wieder weg. Aber viel­leicht kann sich Gus­tavo an fol­gender Weis­heit trösten: Der Fuß­ball ist ein schnell­le­biges Geschäft. 

Chris­tian Streich
Gerade war Frei­burgs Coquelin zu Unrecht vom Platz gestellt worden, da erhob sich Trainer Chris­tian Streich von der Trai­ner­bank, schüt­telte ener­gisch sein kau­ziges Haar und stol­zierte ein paar Meter gen vierten Offi­zi­ellen. Es war an der Zeit, den Rekla­mada zu tanzen. Also hob Streich ein paarmal den rechten Fuß, hüpfte schreiend ein wenig hin und her und formte mehr­mals auf Knie­höhe mit den Händen einen Ball, bis sein Tanz­partner bzw. Co-Trainer von der Bank kam, um abzu­klat­schen bzw. Streich wieder ein­zu­fangen. Zu spät, leider, denn Schiri Stieler hatte genug vom Gebalze und schickte Frei­burgs Trainer auf die Tri­büne. Gut, dass in Sins­heim immer ordent­lich Plätze frei sind. Was anschlie­ßend in der Sport­schau“ zu sehen war, war dann fast schon tra­gisch. Noch im Inter­view bebte Streich vor Wut ob der Fehl­ent­schei­dung, bei der anschlie­ßenden Pres­se­kon­fe­renz sah man einen des­il­lu­sio­nierten und fast in sich gekehrt trau­rigen Frei­burger Coach. Wir denken: Lasst den Mann doch tanzen, wenn er will.

Sejad Sali­hovic
Ohne das belei­di­gend zu meinen, aber Sejad Sali­hovic erin­nert uns rein optisch ein wenig an die Jungs, wegen denen wir früher auf dem Dorf-Schüt­zen­fest den Auto­scooter gemieden haben. Dass er auch über so etwas wie Auto­scooter-Manieren“ ver­fügt, zeigte Hof­fen­heims Mit­tel­feld­spieler am Wochen­ende gegen Frei­burg, als er Gegen­spieler Julian Schuster eine Ohr­feige ver­passte. Eine absolut unnö­tige Aktion, wenn man im Bezug auf Ohr­feigen über­haut von nötig und unnötig spre­chen kann, zumal Sali­hovic sich just im Tor­jubel über seinen ver­wan­delten Elf­meter befand und die Sali­ho­vic­sche Welt also eigent­lich gerade hätte in Ord­nung sein müssen. Trotzdem watschte er Schuster ab, halb jubelnd, halb flu­chend, und flog darob vom Platz. Ziem­lich däm­lich und wahr­schein­lich weiß nur er, warum er das getan hat. Aber hey: So ist das nun mal am Auto­scooter, da eska­liert es mit­unter sehr schnell und gerne auch mal ohne Anlass. Wes­halb wir ihn nach wie vor meiden. 

Jens Keller
Schalkes Coach Jens Keller kann einem wirk­lich Leid tun. Und das nicht nur, weil die Bild“ wahr­schein­lich auch dann noch gegen ihn schießen würde, wenn er für Green­peace am Nordpol Rob­ben­babys mit der Fla­sche auf­zöge; vor allem, weil es in einer erst drei Wochen alten Saison auf Schalke bereits lich­terloh brennt. Für die Nie­der­lage gegen Han­nover konnte Keller an sich recht wenig. Seine Schalker gingen beim fröh­li­chen Kar­ten­spiel des dritten Spiel­tags all-in und ver­loren zwei Ver­tei­diger. Da kann auch der Trainer wenig machen. Dem tra­di­tio­nell schwie­rigen Umfeld in Gel­sen­kir­chen wird das aber letzt­lich ziem­lich egal sein, denn die Fakten sind diese: Ein Punkt aus drei Spielen, dazu der bedenk­liche Auf­tritt in der Cham­pions-League-Quali – Ein geglückter Sai­son­start sieht anders aus. Am Mitt­woch nun fallen die CL-Würfel, dann kommt Lever­kusen. Es könnte für Keller in der Tat ein Wochen­Ende werden. 

Arjen Robben
Für alle Nicht-Bayern-Fans, aber auch für den ein oder anderen Bay­ernfan, ist Arjen Robben durchaus ein streit­barer Spieler. Oft hat er etwas Diven­haftes, man ist genervt von der pene­tranten Selbst­ver­ständ­lich­keit, mit der er wieder und wieder nach Innen zieht und nicht zuletzt sind seine Tri­kots so deratig zu eng, dass es ein echtes Ärgernis ist und man sich von Rob­bens 0%-Fett-Körper ein wenig ver­spottet fühlt, wenn man Wurst­bro­tes­send vorm TV hängt und sich die Krümel von der Plauze juckt. Auf Rob­bens fuß­bal­le­ri­sche Qua­li­täten scheint seine besorg­nis­er­re­gende Tri­kot­größen-Leg­asthenie aller­dings keine nega­tiven Aus­wir­kungen zu haben, was man am Samstag ein wei­teres Mal sehen konnte. Wie er in aller­höchster Geschwin­dig­keit mit der Nürn­berger Defen­sive Schlitten fahren ging und gleich drei Ver­tei­diger ein­seifte, bevor er den Ball aus spit­zestem Winkel ins Tor schob, war schon die ganz große Fuß­ball­schule. Also falls er das liest: Glück­wunsch zu einem solch wun­der­schönen Tor. Und: Ihr Trikot ist zu eng. Danke. 

Bruno Lab­badia
Stutt­garts Coach Bruno Lab­badia kann einem wirk­lich Leid tun. Und das nicht nur, weil Sport­di­rektor Fredi Bobic wahr­schein­lich auch dann noch unter­kühlt auf von der Presse erfragte Treue­be­kennt­nisse reagieren würde, wenn er mit Lab­badia vorm Altar stünde; vor allem, weil es in einer erst drei Wochen alten Saison in Stutt­gart bereits lich­terloh brennt. Für die Nie­der­lage gegen Augs­burg konnte Lab­badia an sich recht wenig. Seine Stutt­garter ließen sich gegen ker­nige Augs­burger schlicht den guten, alten Schneid abkaufen (bzw. abm­öl­dern). Da kann auch der Trainer wenig machen. Dem tra­di­tio­nell schwie­rigen Umfeld in Stutt­gart wird das aber letzt­lich ziem­lich egal sein, denn die Fakten sind diese: Null Punkte aus drei Spielen, dazu der bedenk­liche Auf­tritt in der Europa-League-Quali – Ein geglückter Sai­son­start sieht anders aus. Am Don­nerstag nun fallen die EL-Würfel, dann kommt Hof­fen­heim. Es könnte für Lab­badia in der Tat ein Wochen­Ende werden. 

Eric-Maxim Choupo-Moting
An dieser Stelle sollte eigent­lich Mainz’ Flü­gel­spieler Nicolai Müller stehen, der der­zeit wehenden Tri­kots die geg­ne­ri­schen Abwehr­reihen in Schutt und Asche rennt und die Bälle derart kom­pro­misslos in die Winkel prü­gelt, dass man fast das Gefühl hat, er sei sauer auf sie; da wir aber davon aus­gehen, dass Müller in dieser Spiel­zeit ohnehin ein Dau­er­gast in unserer Liste sein wird, nehmen wir für heute Eric-Maxim Choupo-Moting auf. Der staubte den Ball zwar aus kür­zester Distanz über die Linie ab und steht Mül­lers Win­keltor damit in Schön­heit nach, aller­dings hat Choupo-Moting eine derart ärger­liche Ver­let­zungs­serie hinter sich, dass es einem als Schrei­ber­ling fast eine Art huma­ni­täre Freude bereitet, ihn hier an dieser Stelle auf­nehmen zu können. Also: Herz­lich Will­kommen Eric-Maxim Choupo-Moting, auf eine ver­let­zungs­freie Zukunft und wei­tere Tore. Die dürfen dann auch gerne schöner sein. Im Zweifel ein­fach bei Müller nach­fragen, der weiß, wie das geht.

Admir Meh­medi
Für unsere Begriffe ein wenig halb­herzig, holte sich Frei­burgs Admir Meh­medi am Samstag seine Rote Karte ab. Wenn er sich schon zu einer sol­chen Eselei hin­reißen lässt und dem Schiri spöt­tisch den Vogel zeigt, dann kann er wenigs­tens auch kon­se­quent sein und den deut­lich coo­leren Stin­ke­finger aus­pa­cken. Denn ganz im Ernst: Nie­mand zeigt noch den Vogel. Das ist so Acht­ziger, dass uns beim Betrachten die Bal­lon­seide platzt und in unseren Köpfen der Beat von Ice Ice Baby“ los­jin­gelt. Der Stin­ke­finger aller­dings ist zeitlos, absolut kon­se­quent und nie­mals pein­lich. Der Vogel schon. Beim nächsten Mal also bitte einen Abgang mit Stil. 

Sebas­tian Freis
Eher in der hin­teren Bank der deut­schen Stür­mer­schule sitzt Frei­burgs Sebas­tian Freis. Solide, mit­tel­mäßig treff­si­cher und von Ver­eins­wahl und Spiel­weise eher unauf­fällig, ist Freis einer, der gerne Mal vom Repor­ter­zettel rutscht. Eine Neu­auf­lage von Markus Schroth, sozu­sagen. Dass der Mann aber ganz for­mi­dabel kicken kann, zeigte er im Spiel seiner Frei­burger in Sins­heim, wo er einen Eck­ball mal eben volley und ansatzlos ins Eck drosch. Zudem aus einer Zwei­kampf­si­tua­tion, die ein sol­ches Schman­kerl eigent­lich gar nicht zuließ. In der Tat kam Freis Treffer derart aus dem Nichts, dass ein Kol­lege über­rascht von der Redak­ti­ons­couch auf­sprang und reflex­haft vors Tisch­bein trat. Schmerz­haft. Und den­noch schön. Freis’ Tor war so ein Moment, in dem man dachte, dass selbst die Hin­ter­bänkler der deut­schen Stürmer noch unge­fähr hun­dertmal so viel können, wie all die Schroths von vor zehn Jahren. 

Kevin Volland
Ein Gedanke, der auch bei Kevin Volland absolut berech­tigt ist. Der ehe­ma­lige Sechzger, der nun in seine zweite Saison mit der TSG geht, war bereits letztes Jahr einer der wenigen Licht­blicke in Hof­fen­heim. Also abge­sehen von der Roten Laterne, die zeit­weise sehr nah von Fürth aus nach Sins­heim her­über­ge­schwenkt wurde. In der neuen Saison scheint Volland nun noch­mals einen Satz gemacht zu haben. Sein Heber aus der Dre­hung fast von der Straf­raum­kante gegen Frei­burgs Keeper Bau­mann war derart buttrig-weich und zuckrig-süß, dass den Dia­be­ti­kern in der Redak­tion ganz schwin­delig wurde. Mmhhh, lecker Sah­ne­tore aus der Kon­di­torei Volland. Bitte mehr davon. 

Thorsten Fink
Ham­burgs Coach Thorsten Fink kann einem wirk­lich Leid tun. Und das nicht nur, weil Investor Klaus-Michael Kühne wahr­schein­lich auch dann noch mit Fink unzu­frieden wäre, wenn dieser die Fenster der Kühnschen Villa auf Mal­lorca putzte; vor allem, weil es in einer erst drei Wochen alten Saison in Ham­burg bereits lich­terloh brennt. Für die Nie­der­lage gegen Berlin konnte Fink an sich recht wenig. Seine Ham­burger ver­passten es ein­fach, das Tor zu machen, was den Ber­liner eben gelang. Da kann auch der Trainer nichts machen. Dem tra­di­tio­nell schwie­rigen Umfeld in Ham­burg wird das aber letzt­lich ziem­lich egal sein, denn die Fakten sind diese: Ein Punkt aus drei Spielen, dazu der bedenkliche…Moment, nein: über­haupt kein Auf­tritt in Europa, weil man sich ja erst gar nicht qua­li­fi­zierte. Nunja – Ein geglückter Sai­son­start sieht anders aus. Unter der Woche ist in Ham­burg also für alle ordent­lich Zeit zum Zün­deln, nach Mal­lorca fahren oder um sich unsach­gemäß ein­zu­mi­schen. Was man in Ham­burg halt so macht. Am Samstag kommt dann Braun­schweig. Es könnte für Fink in der Tat ein Wochen­Ende werden.