Seite 3: „Sie wollen uns zum Schweigen bringen“

Im Bale-Leak haben Sie eine Ver­ein­ba­rung von Real und Tot­tenham ver­öf­fent­licht. Aus ihr geht hervor, dass Bale der teu­erste Spieler der Geschichte ist. Welt­weit wurde dar­über berichtet. Wie hat das Ihre Arbeit ver­än­dert?
Unsere Mailbox ist sehr voll im Moment, wir bekamen hun­derte Mails, das ist ein gutes Zei­chen. Nun haben wir auf der ganzen Welt Ein­druck hin­ter­lassen. Wir hoffen, dass das der Beginn einer neuen Ära für die Trans­pa­renz im Fuß­ball ist.

Ebenso auf­se­hen­er­re­gend war der gele­akte Ver­trag zwi­schen Arsenal und Real in Bezug auf Mesut Özil. Worin bestand der Sinn der Ver­öf­fent­li­chung bei Bale und auch bei Özil? Hier ging es schließ­lich nicht um Inves­toren.
Nein, aber wir ver­öf­fent­li­chen nun einmal nicht nur Ver­träge mit Bezug auf Inves­toren. Wir wollen ebenso Hand­gelder und geheime Klau­seln auf­de­cken.

Sind die Fifa, ein­zelne Ver­bände oder Ver­eine, die in den Unter­lagen auf­tau­chen, schon an Sie her­an­ge­treten? Wurden Sie gar bedrängt, die Ver­öf­fent­li­chungen zu unter­lassen?
Im Gegen­teil. Die Fifa schätzt diese Ver­öf­fent­li­chungen. Wir sind sehr froh, dass Mark God­dard, der Geschäfts­führer der Fifa Transfer Matching System GmbH, unsere Seite ver­folgt und die Infos für seine Com­pli­ance-Arbeit ver­wendet. Wir haben nur Pro­bleme mit Spor­ting Lis­sabon und Doyen Sports. Es scheint, als wäre Trans­pa­renz für sie sehr pro­ble­ma­tisch…

Beide kün­digten an, Sie ver­klagen zu wollen. Sind Polizei oder Justiz bereits auf Sie zu gekommen?
Wir trauen den por­tu­gie­si­schen Behörden nicht. Tat­säch­lich laufen in Por­tugal die Dinge etwas dre­ckig, wenn viel Geld im Spiel ist. Doyens Ein­fluss ist ziem­lich groß und wir wissen, dass der Ver­lauf der Ermitt­lungen bereits kom­pro­mit­tiert worden ist.

Woher wissen Sie das?
Unsere Quellen haben es uns bewiesen, und wir wissen von geheimen Treffen zwi­schen der por­tu­gie­si­schen Polizei und dieser Agentur in Lis­sabon. Rogério Bravo, der Chef­er­mittler der Polizei, ist ein guter Freund von Nélio Lucas, dem Vor­sit­zenden von Doyen. Lucas hat das Büro des Gene­ral­staats­an­walts unter Druck gesetzt, um an alle Infor­ma­tionen der Ermitt­lungen her­an­zu­kommen. Doyen nutzt also die Poli­zei­er­mitt­lung, aber beauf­tragte auch Mar­clay Asso­ciates, einen geheimen Nach­rich­ten­dienst, um den dre­ckigen Job zu machen.

Das heißt?
Es heißt, dass sie überall suchen, um uns zu stoppen. Die großen Bosse in der Türkei und Kasach­stan sind sehr sauer auf uns, sie wollen uns so schnell wie mög­lich zum Schweigen bringen. Wir sind gerade großen Risiken aus­ge­setzt.

Jetzt wird es kom­pli­ziert. Warum Türkei und Kasach­stan? Wen meinen Sie?
Die Chefs der Doyen Gruppe: Die Arif Familie, eine der reichsten in der Türkei, sie unter­hält Ver­bin­dungen zu Donald Trump und der tür­ki­schen Regie­rung. Laut meh­rerer Berichte wurde Tevfik Arif 2010 auf einer Yacht ver­haftet, als die Polizei wegen eines Pro­sti­tu­ti­ons­rings ermit­telte.

Der Daily Mirror“ berich­tete, Sie hätten Nelio Lucas, Doyens Vor­sit­zenden, per Mail erpresst. Für das Zurück­halten von Doku­menten hätten Sie Geld gefor­dert.
Wir haben Nelio Lucas nie kon­tak­tiert. Und halten Sie es nicht für merk­würdig, dass nur Doyen sagt, Sie seien erpresst worden? Diese Anschul­di­gungen wurden genau zwei Mal öffent­lich: einmal nach den Twente- und nun nach den Bale-Leaks. Das ist kein Zufall. Es sieht nach einem ver­zwei­felten Ver­such aus, Foot­ball Leaks zu dis­kre­di­tieren.

Im Bericht ist die Rede davon, dass Sie den Namen Artem Louzov in der Mail ver­wendet hätten.
Das haben wir nicht. Aber den Namen kennen wir. Wir haben selbst im Dezember sehr kuriose Mails von einem Artem Louzov erhalten. Er schrieb wort­wört­lich: Ihr seid gut. Ich will eure Infor­ma­tionen über den Sport kaufen. Wie viel wollt ihr? Ich kann euch um die 650.000 Euro anbieten“. Natür­lich lehnten wir ab.

Haben Sie jemals Doku­mente gelöscht?
Natür­lich nicht, wir besitzen immer noch mehr als 500 Giga­byte an Doku­menten. Wir haben noch tau­sende Doku­mente. Und wir prüfen weiter all die Infor­ma­tionen.

Also werden Sie weiter Doku­mente ver­öf­fent­li­chen?
Ja. Sie können mit wei­teren Ent­hül­lungen über Trans­fers und Invest­ment­fonds rechnen.