Was sich heut­zu­tage so alles nach einem Tor­er­folg im Kreise der jubelnden Mann­schaft abspielt, ist mehr als bedenk­lich. Da wird geschun­kelt, geschraubt, gean­gelt, getanzt, gehopst, geknud­delt, kurzum: Es wird mehr insze­niert als in einer durch­schnitt­li­chen Folge von Die Super-Nanny“. Selbst­ver­schul­detes Opfer dieser über­trie­benen Jubel­show wurde nun Nea­pels Marek Hamsik im Spiel gegen Juventus Turin.

Dienstag, 29.11.2011, Neapel, San Paolo: Im Spit­zen­spiel des 11. Spiel­tags der Serie A trifft der SSC Neapel auf Juventus Turin. Ein Spiel auf Augen­höhe, bis Schieds­richter Paolo Tagli­a­vento in der 15. Minute auf Elf­meter für den SSC Neapel ent­scheidet. Ein tod­si­cheres Ding für Napolis etat­mä­ßigen Schützen Marek Hamsik. Der Slo­wake läuft an, trifft zum 1:0 und los geht die große Show: Mit einer Über­dosis Endor­phin in der Blut­bahn spurtet Hamsik hinter das Tor, klet­tert in den Spie­ler­tunnel und ist ver­schwunden. Ein Lacher. Doch damit nicht genug. Hamsik kommt wieder heraus, legt beide Hände an die Ohren wie einst Hulk Hogan und fährt sich schneidig durch die Haare. Totale Ekstase.

Denkste, denn das bedröp­pelte Gesicht seines Mit­spie­lers verrät, das da was im Busch sein muss. Und richtig, wäh­rend Hamsik zum oscar­reifen Jubel­sze­nario abge­dreht war, hatte Schiri Tagli­a­vento den ver­wan­delten Elf­meter für ungültig erklärt. Wie pein­lich. Doch damit nicht genug, denn als Hamsik zur Wie­der­ho­lung des Straf­stoßes antritt, haut er die Kugel auch noch mit dem Voll­spann über das Tor. Der Kom­men­tator muss laut los­la­chen, Mil­lionen Zuschauer vor den Fern­seh­schirmen ver­schlu­cken sich am Pop­corn. Eine Jubel gewor­dene Jahr­hun­dert­bla­mage. Schwa­cher Trost für den armen Hamsik: Nur acht Minuten später trifft er dann doch zur 1:0‑Führung für Neapel. Das Spiel geht 3:3 aus. Ein spek­ta­ku­läres Spiel. Doch am Ende spra­chen alle nur über den bla­ma­blen Jubler von Marek Hamsik.