Seite 2: Nicht nur der Modus verspricht Spannung

Ist ein Duell nach 90 Minuten nicht ent­schieden, geht es in die Ver­län­ge­rung. Steht auch nach 120 Minuten das Unent­schieden, kommt das Team weiter, das in der Zwi­schen­run­den­ta­belle die bes­sere Posi­tion inne­hatte. Durch diesen Twist gelingt den Orga­ni­sa­toren zwei­erlei: Zum einen werden gute Leis­tungen in der regu­lären Saison belohnt, zum anderen ent­fällt in vielen Fällen das Elf­me­ter­schießen, das häufig für der­ar­tige Ent­schei­dung als unfair emp­funden wird.

Aber nicht nur der Modus ver­spricht Span­nung, son­dern auch die Teil­nehmer. Bei den Zweit­ver­tre­tungen von Ath­letic Bilbao, Real Sociedad, Real Madrid und dem FC Bar­ce­lona sind die Stars von morgen zu bestaunen, dar­unter Nico Wil­liams, der vor Kurzem neben seinem Bruder Iñaki für die Profis von Ath­letic Bilbao debü­tierte. Ein wenig inter­na­tio­nales Flair ver­breitet die Teil­nahme des FC Andorra, dem ein­zigen Klub außer­halb des spa­ni­schen Staats­ge­bietes, der dem Ver­band RFEF ange­hört. Einer der Eigen­tümer des Klubs ist Gerard Piqué vom FC Bar­ce­lona. Bei der ersten Pres­se­kon­fe­renz nach Über­nahme des Ver­eins vor drei Jahren nahm der den Mund reich­lich voll: Die Cham­pions-League-Hymne wolle er so bald wie mög­lich im Fürs­tentum hören, gab er zu Pro­to­koll.

Stars an der Sei­ten­linie

An den Sei­ten­linie stehen zudem zwei ehe­ma­lige Spieler von Welt­format, die die deut­sche Bou­le­vard­presse in der kom­menden Saison schon in der Bun­des­liga sah: Xabi Alonso und Raúl trai­nieren die Zweiten“ von Real Sociedad und Real Madrid. Die beiden könnten sich in einem mög­li­chen Finale gegen­über­stehen. Vorher müsste sich aber Xabi Alonso am Samstag gegen Piqués Andor­raner durch­setzen. Raúl trifft mit seinem Nach­wuchs­team auf UD Ibiza. Der Klub von der Urlaubs­insel machte ver­gan­genes Jahr in der Copa del Rey durch eine knappe 1:2‑Niederlage gegen den FC Bar­ce­lona auf sich auf­merksam, bei der der Underdog bis 20 Minuten vor Schluss führte.

Eine Ligen­re­form hat leider an sich, dass es nicht immer nur Gewinner gibt. Nicht selten gehören zu den Ver­lie­rern große Tra­di­ti­ons­klubs. Nach Racing San­tander und Depor­tivo La Coruña sucht man in den Play­offs ver­geb­lich. Beide müssen sich nächste Saison mit der neu­ge­grün­deten dritten Liga begnügen. Eine gewich­tige Rolle dabei spielen die Zweit­ver­tre­tungen von Pro­fi­klubs, deren Teil­nahme nicht unum­stritten ist. Frag­lich, ob es für den Fuß­ball ins­ge­samt gut ist, dass statt der ersten Mann­schaft von Depor­tivo La Coruña die zweite von Celta Vigo die Chance zum Auf­stieg erhält.

Echte Span­nung gibt’s bei den Ama­teuren!

Für CD Numancia, letzte Saison noch Zweit­li­gist und in den 2000ern sogar vier Sai­sons erst­klassig, kam es sogar noch härter. Die Qua­li­fi­ka­tion für die dritte Liga gelang nicht, es erfolgte der dop­pelte Abstieg in die Viert­klas­sig­keit. Einige Anhänger wollten das nicht akzep­tieren und griffen am ver­gan­genen Wochen­ende einen Spieler der eigenen Mann­schaft auf dem Park­platz tät­lich an. Der ließ das nicht auf sich sitzen und holte Ver­stär­kung in Form einiger mit Base­ball­schlä­gern und Mes­sern bewaff­neten Freunde. Die Polizei ver­hin­derte Schlim­meres.

Für die Play­offs wollen Liga und Ver­band sich abstimmen, damit die Anstoß­zeiten nicht mit denen der letzten Spiel­tage der Pri­mera Divi­sión kol­li­dieren. Daran dürfte vor allem La Liga guttun: Nicht aus­zu­schließen, dass sich so manch über­drüs­siger Fan dieses Jahr lieber die Ama­teure ansehen will, viel­leicht sogar vor Ort. Kein Wunder: Trotz aller Span­nung bei den Großen“ macht eh wieder Real, Barca oder Atlé­tico das Rennen – dazu noch vor leeren Rängen.