Die Sil­hou­ette eines mensch­li­chen Hin­ter­teils auf der linken Spiel­feld­hälfte, ein deut­li­cher Penis-Umriss auf der rechten. Diese mäßig wit­zige, aber des­halb nicht minder homo­phobe Heatmap“ kur­siert spä­tes­tens seit dem his­to­ri­schen 1:7 von Bra­si­lien gegen Deutsch­land im WM-Halb­fi­nale 2014 im Internet. Gefühlt bei jeder mehr oder weniger sen­sa­tio­nellen Nie­der­lage wird sie tau­send­fach auf Twitter, WhatsApp und Co. geteilt. Das jüngste 2:8 des FC Bar­ce­lona gegen Bayern Mün­chen dürfte erneut dazu geführt haben, dass diese Grafik beson­ders in Spa­nien (und wahr­schein­lich haupt­säch­lich unter hämi­schen Real-Anhän­gern) Hoch­kon­junktur hatte.

Auch die Social-Media-Abtei­lung des Wett­an­bie­ters Winamax ließ sich offen­sicht­lich davon inspi­rieren und pos­tete die Grafik mit dem Alt­herren-Witz auf ihrem spa­ni­schen Twitter-Acount, und zwar direkt nach dem deut­li­chen 6:1‑Sieg von Atlé­tico Madrid gegen den FC Gra­nada am 3. Spieltag der Pri­mera Divi­sión. Da der her­aus­ra­gende Akteur bei diesem Spiel Joao Felix auf­seiten der Madri­lenen war, stand für die fran­zö­si­sche Wett- und Poke­r­agentur fest: Der Phallus gehört dem por­tu­gie­si­schen Jung­star, und da, wo der Rücken auf­hört, fängt Gra­nada an.

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Nun könnte man das als kal­ku­lie­rend abtun, als Click­bait, als bil­ligen Kun­den­fang. Wenn da ein kleines Detail nicht wäre: Winamax ist seit Beginn der Saison Tri­kot­sponsor beim FC Gra­nada. Der anda­lu­si­sche Klub ist seit 2011 mit einer zwei­jäh­rigen Unter­bre­chung in der Pri­mera Divi­sión ver­treten und schlägt sich beson­ders seit dem Wie­der­auf­stieg in der ver­gan­genen Saison beacht­lich. Im Pokal­wett­be­werb erreichte Gra­nada das Halb­fi­nale und schei­terte dort denkbar unglück­lich an Ath­letic Bilbao. Auf Liga­ebene stand am Ende der Saison ein für einen Auf­steiger sen­sa­tio­neller siebter Platz zu Buche. Die damit ver­bun­dene Teil­nahme an der Europa-League-Qua­li­fi­ka­tion meis­terte der Klub in den ver­gan­genen Wochen sou­verän. Erster Gegner in der Grup­pen­phase ist am Don­ners­tag­abend Mario Götzes neuer Klub aus Eind­hoven. Auch der Sai­son­start in der Liga ist mit zehn Punkten aus fünf Spielen gelungen, von besagtem Auf­tritt gegen Atlé­tico mal abge­sehen.

Halb­her­zige Ent­schul­di­gung

Alles her­vor­ra­gende Argu­mente, um zah­lungs­kräf­tige Spon­soren anzu­ziehen. Und eigent­lich auch gute Argu­mente, um als Tri­kot­sponsor stolz auf den neuen Wer­be­träger mit euro­päi­scher Reich­weite zu sein. Als jedoch nach dem Tweet des Wett­an­bie­ters alle mit einem Mea Culpa und einer Rüge für das Social-Media-Team rech­neten, kam erstmal gar nichts. Der Klub drohte – eben­falls über Twitter – mit recht­li­chen Schritten und for­derte eine Ent­schul­di­gung des Haupt­spon­sors. 

Die folgte einige Tage später dann auch tat­säch­lich, glät­tete die Wogen aber nicht wirk­lich: Fuß­ball ist nur ein Spiel und so ver­stehen wir es auch. Der Witz tut uns leid und wir hatten zu keinem Zeit­punkt die Absicht, Klub oder Fans zu belei­digen.“ Dar­unter ein Ent­schul­di­gungs-Video des eme­ri­tierten Königs Juan Carlos I., der vor Kurzem das Land mehr oder weniger flucht­artig ver­lassen hatte und nicht gerade im Ver­dacht steht, seine eigenen Aus­sagen immer sehr ernst zu nehmen. Zumin­dest den Tweet hat Winamax aber gelöscht.

Für viele Fans von Gra­nada ist der Wett­an­bieter seitdem ein rotes Tuch. Die harm­lo­seren Kom­men­tare auf Twitter spre­chen davon, dass der Sponsor die 89-jäh­rige Klub­ge­schichte beschmutze und dass eine Tren­nung absolut unab­dingbar sei. Der Verein hält sich jedoch bis­lang zurück. Dies dürfte auch den finan­zi­ellen Zwängen in Corona-Zeiten geschuldet sein und wirft die Frage auf, ob die Macht von Geld­ge­bern im All­ge­meinen und Wett­an­bie­tern im Spe­zi­ellen in der der­zei­tigen Situa­tion noch weiter gewachsen ist.

Winamax jeden­falls scheint es ver­standen zu haben. Zumin­dest den Teil, dass man den eigenen Klub nicht belei­digen sollte. Jetzt müssen näm­lich die Gegner her­halten. Der nächste heißt am Sonntag Getafe FC und ließ am ver­gan­genen Samstag mit einem Sieg gegen den FC Bar­ce­lona auf­hor­chen. Das Madrider Vor­stadt-Team ist für seine robuste Spiel­weise bekannt – nach dem Duell mit Messi und Co. gab es Kritik erneut Kritik des­wegen. Winamax pos­tete in Anspie­lung darauf ges­tern ein Video, auf dem ein kleiner Junge eine Puppe mal­trä­tiert, um eine Kampf­sport­übung vor­zu­führen, dar­unter der Hin­weis, so bereite Getafe-Coach José Bord­alás seine Mann­schaft vor

Eilig ließ Gra­nada ver­laut­baren, Winamax spreche nicht für den Verein und sei für seine Inhalte selbst ver­ant­wort­lich. Es bleibt abzu­warten, wie lange der Klub es sich erlauben kann, an einem Haupt­sponsor fest­zu­halten, der sich in den sozialen Medien sol­cher Mittel bedient, einzig um Auf­merk­sam­keit zu erregen. Wie man das auf posi­tive Weise hin­be­kommen kann, das könnte Winamax sich even­tuell beim Mar­ke­ting-Team des Getafe FC abschauen. Der Klub benannte sich am ver­gan­genen Spieltag kur­zer­hand in Fé FC“ um, spa­nisch für Glauben“, und traf damit den Nerv der Men­schen in der arg von Corona gebeu­telten Haupt­stadt.