Das Roll­köf­fer­chen rat­terte über den Boden und ver­an­stalte dabei ganz schön viel Lärm – im Gegen­satz zu dem­je­nigen, der es hinter sich herzog und mit strammen Schritten Rich­tung Aufzug strebte. Mat­thias Sammer schwieg an diesem Abend, der für den FC Bayern Mün­chen mit einem 3:0‑Sieg gegen den ZSKA Moskau endete. Aber selbst wenn der Sport­vor­stand am gelun­genen Cham­pions-League-Auf­takt etwas aus­zu­setzen gehabt hätte, er wäre dieses Mal wohl wortlos ver­schwunden, denn er per­sön­lich musste sich wie der große Ver­lierer fühlen. Sammer hatte von seinen Kol­legen aus der Füh­rungs­etage eine ordent­liche Rüge für seine jüngste Kritik an den Spie­lern erhalten.

Und so wieder einmal erfahren müssen, dass die alt ein­ge­ses­senen Alpha­tiere des FC Bayern, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rum­me­nigge, die Linie vor­geben. Und nicht er, der Novize, der gerade einmal ein gutes Jahr im Verein Ver­ant­wor­tung trägt.
Es war Sammer nicht anzu­merken, ob ihn die Zurecht­wei­sungen trafen, aber ver­mut­lich wird er sich künftig gut über­legen, wann er pol­tert. Viel­leicht sollte er zuvor ein­fach bei Hoeneß nach­fragen, ob Anlass pas­send und Zeit­punkt genehm sind. Der Prä­si­dent ver­ließ mit einem breiten Grinsen die Arena am Diens­tag­abend. Sagen wollte er aller­dings nicht mehr viel. Es ist doch alles wun­derbar.“

Legi­timer Hoeneß-Nach­folger?

Nun ja, viel­leicht nicht alles. Die Auto­rität des Sport­vor­stands wurde auf jeden Fall in Mit­lei­den­schaft gezogen. Die Wir­kung seiner Kritik könnte künftig ver­puffen, weil die Spieler spä­tes­tens jetzt wissen, dass Sammer nicht allzu viel zu sagen hat. Schon nach dem Sieg gegen Moskau teilte Arjen Robben lako­nisch mit: Man muss auch nicht über­treiben.“

Dabei war der 45-jäh­rige Sammer im Sommer 2012 doch als legi­timer Hoeneß-Nach­folger an der Spitze der Abtei­lung Attacke geholt worden, um den Finger auch mal öffent­lich­keits­wirksam in die Wunde zu legen. Aller­dings ver­säumte man es damals wohl, ihm mit­zu­teilen, dass weiter alleine Hoeneß und Rum­me­nigge bestimmen, was eine Wunde ist. Immer wenn Sammer bisher anmahnte, was ihm nicht gefiel, wurde er zurecht­ge­wiesen. Vor zwölf Monaten vom dama­ligen Trainer Jupp Heynckes, dieses Mal von den Alt­vor­deren.

Lahm­sche‘ Eigen­ver­ant­wort­lich­keit

Die erste Auf­re­gung der Saison beim Triple-Sieger hat sich vor­erst auch des­halb gelegt, weil die Mann­schaft am Diens­tag­abend nicht Dienst nach Vor­schrift bot, son­dern von Anfang an eine enga­gierte Leis­tung zeigte. Begüns­tigt auch durch einen frühen Füh­rungs­treffer von David Alaba, war der Erfolg der Münchner gegen einen mut­losen Rus­si­schen Meister nie in Gefahr und hätte nach den wei­teren Toren von Mario Man­dzukic und Arjen Robben sogar noch höher aus­fallen können. Mehr Aus­sa­ge­kraft dürfte aller­dings die Bun­des­li­ga­partie am Samstag gegen das erstarkte Schalke 04 haben.

Nun ist die Frage, ob der Sport­vor­stand mit seiner Manö­ver­kritik even­tuell einen kleinen Anteil an der Leis­tungs­stei­ge­rung hat. Der Vor­stands­vor­sit­zende demen­tierte dies jeden­falls heftig. Der Sieg habe nichts mit Mat­thias Sammer oder der kon­tra­pro­duk­tiven Phan­tom­dis­kus­sion“ zu tun, sagte Rum­me­nigge. Die Mann­schaft hat große Qua­lität. Am Ende des Tages wissen wir, dass sie solche Spiele ablie­fern kann“, sagte er. Die Spieler wirkten bereits leicht genervt von der Dis­kus­sion. Allein Alaba sah einen Sammer-Effekt. Das hat man gesehen, dass es uns viel­leicht auch gut getan hat.“ Der Rest wollte nicht von einer Reak­tion spre­chen, höchs­tens von einer darauf, dass es das Auf­takt­spiel der Cham­pions League war“, wie Thomas Müller erklärte. Kapitän Philipp Lahm hob die Eigen­ver­ant­wort­lich­keit der Mann­schaft hervor. Wir können und müssen uns ein­schätzen. Wenn man 60 Spiele in der Saison hat, ist es leider nicht immer so, dass man zu 100 Pro­zent auf dem Feld steht.“ Gegen Moskau schöpfte er im Gegen­satz zum ver­gan­genen Samstag jeden­falls die volle Pro­zent­zahl aus. Es scheint wieder alles in Ord­nung zu sein bei den Bayern. Außer viel­leicht für Mat­thias Sammer.