Was heißt dzień dobry eigent­lich?“ Guten Morgen.“ Oh, achso, ich sage das sonst immer am Abend.“ Es sind skur­rile Szenen, die sich im Vlog des pol­ni­schen Fuß­ball­ver­bandes PZPN abspielen, als Mat­thew Matty“ Cash das erste Mal auf seine neuen Natio­nal­mann­schafts­kol­legen trifft. Lächelnd, aber unbe­holfen wirkt der Außen­ver­tei­diger Aston Villas, als ihm der Staff vor­ge­stellt wird. Wären die Hin­ter­gründe nicht bekannt, man würde denken er habe nur den Verein gewech­selt. Warst du denn schonmal in Polen?“, fragt ihn der Kame­ra­mann. Noch nie!“, ant­wor­tete Cash ver­schmitzt.

Dem­entspre­chend über­trieben scheint es fast, wenn Cash im Inter­view mit dem Guar­dian sagt, dass er bereits ein wenig Pol­nisch spre­chen würde. Viel wich­tiger scheint in Polen aber ohnehin die Frage zu sein, ob er über­haupt die Natio­nal­hymne singen könne. Hör zu, habe ich ihm gesagt“, erklärt Polens Team­ma­nager Jakob Kwiat­kowski im Inter­view mit Po Gwizdku, einem pol­ni­schen Fuß­ball­kanal: Es ist mir egal, wie du es anstellst, aber du musst die Hymne lernen. Wenn du in der ersten Elf bist, musst du singen. Du musst sie nicht per­fekt wie­der­geben, aber die Leute müssen sehen, dass du mit Lei­den­schaft dabei bist und ein biss­chen die Lippen bewegst.“ Schnell fügt der Manager noch hinzu: Also ja, er hat sie gelernt. Mit Hilfe von You­Tube-Videos.“

Namens­än­de­rung? Fake News!

Die Reise nach War­schau zum Spiel gegen Ungarn wird Matty Cashs erste Reise nach Polen sein. Wenn er dann am Sonntag das erste Mal in seinem Leben einen Fuß auf pol­ni­schen Boden setzt, wird er wei­terhin Matty Cash heißen. Das mag im ersten Moment selbst­ver­ständ­lich klingen, eng­li­sche Zei­tungen, wie bei­spiels­weise die Sun, berich­teten aber kurz nachdem er seine zweite Staats­an­ge­hö­rig­keit erhielt, dass er jetzt auch seinen Namen ändern und ans Pol­ni­sche anpassen würde. Unter Mateusz Gotówka“ solle der Pole im Spiel gegen Andorra am Freitag auf­laufen. Was im Deut­schen so viel heißen würde wie Mat­thias Bar­geld.

Die Namens­än­de­rung war nur ein kleiner Scherz des pol­ni­schen Staats­sen­ders TVP, der eine Foto­mon­tage des neuen Aus­weises von Matty Cash pos­tete. Darin wurde aus Cash Gotówka.

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Aus Cash wurde Gotówka

TVP Sport

Wie aus Cash ein Pole wurde

Auch wenn der Zeit­punkt der Bean­tra­gung zusätz­li­chen Staats­zu­ge­hö­rig­keit so kurz vor den ent­schei­denden Spielen Polens in der WM-Quali über­hastet wirkt, soll sich Cash bereits länger damit beschäf­tigt haben. Schon seit Jahren habe die Familie dar­über gespro­chen. Aus­löser dafür war in erster Linie Mat­thews Opa.

Rys­zard Tomas­zewski, ein gebür­tiger Pole, musste die zweite Repu­blik Polens vor 81 Jahren ver­lassen. Als die Sowjet­union wäh­rend des zweiten Welt­krieges Sta­nisławów, die Stadt von Cashs Groß­va­ters über­nommen hatte, wurde Tomas­zewski zunächst in ein Arbeits­lager nach Sibi­rien depor­tiert. Eine Amnestie ermög­lichte ihm die Frei­las­sung und über den Iran, Indien und Tan­sania lan­dete er schließ­lich in Liver­pool. Dort lernte er Mat­ties Groß­mutter kennen, eben­falls eine Polin. Ihre gemein­same Tochter Bar­bara ist Mat­thews Mutter. Sie ermög­licht es ihrem Sohn, als Halb­pole für die pol­ni­sche Natio­nal­mann­schaft auf­laufen zu können. Der Nach­name Cash stammt dabei von seinem bri­tisch-stäm­migen Vater.

Mein Groß­vater ist leider vor sechs Jahren ver­storben. Er wäre sicher­lich unglaub­lich stolz, mich im pol­ni­schen Dress spielen zu sehen“, sagt Cash ange­spro­chen auf seine Familie dem Guar­dian.