Joa­chim Löw huschte am Mon­tag­mittag unter dem Rasen­sprenger hin­durch. Dabei war es ihm eine große Freude, den Wasser-Aus­wurfrhythmus des Spren­gers genau kal­ku­liert und somit den ganzen Apparat aus­ge­trickst zu haben.

Fehlte bloß noch, dass der Sprenger ein ita­lie­ni­sches Modell gewesen wäre. Es hätte sich so wun­der­voll in die Löw­sche Tur­nier­stim­mung gefügt. Ich habe das Gefühl, das Tur­nier hat gerade erst begonnen“, sagt der Bun­des­trainer selbst.

Der Bun­des­trainer gerät ins Plau­dern

Von Joa­chim Löw weiß man, dass er sich nicht son­der­lich viel aus den Spielen einer Tur­nier­vor­runde macht, son­dern erst auf­blüht, wenn es in die K.-o.-Runde gegen große Mann­schaften geht und er sich gefor­dert sieht. Ich liebe solche K.-o.-Spiele“, sagt er.

In einer beschwingten Laune aus Ei-war-das-ein-Fest (gegen Ita­lien) und Ei-wird-das-erst-ein-Fest (gegen Frank­reich) kam der Bun­des­trainer auf der Pres­se­kon­fe­renz am Montag rasch ins Plau­dern. Der 56-Jäh­rige geriet ins Genie­ße­ri­sche, als er noch mal seine Über­le­gungen unge­fragt offen­legte, die die Ita­liener bezwungen hatten.

Gegen 66 Mil­lionen Fran­zosen

Eigent­lich war er gefragt worden, wie er nun gegen Frank­reich am Don­nerstag zu spielen gedenkt. Aber so schnell denken wollte Löw in diesem Moment nicht, es gab reich­lich, was er los­werden wollte. Dass er dabei gele­gent­lich die Namen des ver­gan­genen Geg­ners mit dem des kom­menden Geg­ners ver­wech­selte, war viel­leicht Absicht, viel­leicht auch Ver­sehen. Man gewann jeden­falls den Ein­druck, Löw würde am liebsten auf der Stelle das Halb­fi­nale gegen den Tur­nier­gast­geber spielen.

Löw wirkte auf­ge­dreht und leicht über­ge­schnappt. Das ist super“, sagte er und presste dabei den Daumen gegen Zeige- und Ring­finger, wie es die Ita­liener tun. Ja klar“, die Fran­zosen seien nun ein­ge­spielt, dazu der Heim­vor­teil, und nach ihrem gran­diosen 5:2‑Sieg gegen Island sei das ganze Land erwacht.

Das würde ihnen Energie schenken und über­haupt. Löw hatte seine Rechte mitt­ler­weile zu einer Becker­faust ver­wan­delt. In Bra­si­lien waren es 200 Mil­lionen im Halb­fi­nale“, die hinter ihrer Mann­schaft gestanden hätten, und wir sind damit klar­ge­kommen. Das werden wir auch am Don­nerstag.“ Gegen 66 Mil­lionen Fran­zosen.

Aber wer wird das wir dann sein? Die Schlacht gegen Ita­lien hat Spuren im Team hin­ter­lassen. Mats Hum­mels ist für das Fran­zo­sen­spiel gesperrt, Mario Gomez kann gar nicht mehr spielen, und auch Sami Khe­dira muss für Don­nerstag defi­nitiv passen. Mon Dieu, sagten Löws Augen, was ist das schon gegen einen tollen Match­plan? Es hätte nicht viel gefehlt, und Löw hätte ihn vor aller Welt hin­aus­po­saunt. Doch dann lächelte er ins Mikrofon.