Dieser Artikel könnte ein­fach eine Ode an einen Spieler sein, der sich nur allzu häufig zu amü­santen und teils auch geschmack­losen Aktionen hin­reißen lässt. Einer der Fuß­ball-Gemüter in Zeiten der phra­sen­dre­schenden Aka­demie-Fuß­bal­lern auf­hellt und nun mit einer inter­es­santen Sta­tistik auf sich auf­merksam macht. Doch der ita­lie­ni­sche Fuß­ball wäre nicht der ita­lie­ni­sche Fuß­ball, wenn einer Geschichte um Mario Balo­telli nicht ein mehr als übler Bei­geschmack anhängen würde.

Wieder getroffen

Denn Balo­telli trug sich am ver­gan­genen Sonntag mit einem wahr­lich schönen Tor in die Enzy­klo­pädie der Serie A ein. In der 18. Minute kommt eine dia­go­nale Flanke aus dem Halb­feld in den Sechs­zehner, Balo­telli schlän­gelt sich um den Ver­tei­diger rum, lässt den Ball tit­schen und schiebt ihn flach in die rechte Ecke am Keeper vorbei. Er selbst fand es sogar so schön, dass er es nach dem Spiel umge­hend auf Insta­gram zur Schau stellen musste. Das Tor war zugleich das Erste des 2020er Jahr­zehnts. Zum zweiten Mal gelang ihm also nach 2010 ein neues Dekad mit seiner Hand­schrift zu ver­sehen. Sein Insta­gram-Post beinhal­tete aber zusätz­lich noch eine Nach­richt an die Fans des Lazio Rom.

Kaum ein Spieler pola­ri­siert die Massen wie Balo­telli und kaum ein Spieler muss so viel ein­ste­cken wie der 29-jäh­rige Ita­liener. Immer wieder findet der Golden Boy“ des Jahres 2010 seinen Platz in den Schlag­zeilen dieser Welt. Ein­brüche in Frau­en­gefäng­nisse, gecrashte Lam­bor­ghinis und die Bezah­lung von Bar­kee­pern, damit sie ihre Vespa ver­senken, sind nur ein paar Para­de­bei­spiele des Pro­blem-Wun­der­stür­mers. Nach dem Tor am gest­rigen Abend kam es aber aus der Sicht Balo­tellis zu einer unschönen Wen­dung. Wie vor neun Jahren hätte Bale­tolli auch in diesem Spiel sein Trikot hoch­ziehen können, um die Auf­schrift Why always me?“ zu prä­sen­tieren, gemäß der eigenen Auf­fas­sung, dass er ja selber nichts falsch machen könne. Doch in diesem Aspekt trägt er dann doch ein­deutig keine Schuld. Die in Ita­lien mitt­ler­weile all­ge­gen­wär­tigen Affen-Geräu­sche von den Rängen, hallten auch am gest­rigen Abend wieder durch das Sta­dion von Bre­scia Calcio.

Bella Raz­zismo“

Dass der ita­lie­ni­sche Fuß­ball ein ekla­tantes Ras­sismus-Pro­blem hat, ist wohl bekannt. Zumin­dest bei denen, die es als Ras­sismus-Pro­blem wahr­nehmen, also zum Bei­spiel: Wir, Balo­telli, Angela Merkel, Jesus, also wohl so ziem­lich jeder – bis auf den Mob auf ita­lie­ni­schen Rängen, der dun­kel­häu­tige Spieler mit Affen-Lauten demü­tigt. Doch weder Wir, Angela Merkel noch Jesus sind davon betroffen. Balo­telli aber schon und das nicht zu selten. Die ras­sis­ti­schen Belei­di­gungen trübten die Stim­mung und das Spiel ging schluss­end­lich aus Sicht des Bre­scia Cal­cios mit 1:2 ver­loren. Balo­telli pos­tete nach Abpfiff sein Tor – das erste dieser Dekade – und versah das Video mit einer Bot­schaft an die Lazio-Fans: Schämt euch!“