Der FC Bayern ver­liert eine Maschine. Einen Vir­tuosen und ein Genie. Denn Sebas­tian Rudy ver­lässt den Rekord­meister in Rich­tung Schalke 04. Die Ablöse liegt wohl bei 16 Mil­lionen und damit nicht zufällig knapp über dem vom Bayern-Prä­si­denten Uli Hoeneß öffent­lich ver­an­schlagten Preis. Die Summe erstaunt die Fuß­ball-Öffent­lich­keit, weil sehr wenige Fans Sebas­tian Rudy wahl­weise als Maschine, Vir­tuosen oder als ein Genie titu­lieren würden.

Wohl aber Rudys Team­kol­lege Mats Hum­mels. Er wählte diese Begriffe in einem langen Abschiedstweet, wenn auch mit der Ein­schrän­kung: Sebas­tian Rudy sei eine Maschine an der Tisch­ten­nis­platte und auf dem Padel­platz, ein Vir­tuose an der Kon­sole und ein Genie im Zwei­kon­takt­spiel. Hum­mels schrieb dazu: Ein ganz feiner Fuß­baller und Kerl geht.“

Das Beste: Er macht andere besser

Bei genauerem Hin­sehen spricht einiges dafür, dass ihn seine Kol­legen nicht nur an der Tisch­ten­nis­platte, son­dern auch auf dem Platz ver­missen werden. Rudy ist eher ein unschein­barer Typ, zurück­hal­tend am Mikrofon. Keiner für Dribb­lings oder Spe­zi­al­ef­fekte auf dem Rasen. Er gehört zu der Sorte von Spie­lern, deren Wert sich den Zuschauern erst dann erschließt, wenn sie nicht mehr da sind. Nachdem Rudy vor einem Jahr die TSG Hof­fen­heim in Rich­tung Mün­chen ver­lassen hatte, erwischte er noch einen aus­ge­zeich­neten Start in Mün­chen.

In Hof­fen­heim ken­terte seine ehe­ma­lige Mann­schaft der­weil in Europa und der Bun­des­liga-Hin­runde, weil ihr der Mann für die Balance im Zen­trum abhanden gekommen war. Rudys intel­li­gente Pässe und vor allem cle­vere Läufe sind nichts für You­tube-Com­pi­la­tions, aber sie sind bedeutsam für die Statik einer Mann­schaft. Das Beste an ihm ist, dass er andere besser aus­sehen lässt.

Bei der Welt­meis­ter­schaft in Russ­land reichten ihm sogar nur 31 Minuten Spiel­zeit, um in der Folge schmerz­lich ver­misst zu werden – vor allem von Toni Kroos. Der bril­liert bei Real Madrid auch des­halb, weil hinter ihm ein Sherpa wie der Bra­si­lianer Cas­emiro die Lasten der Defen­siv­ar­beit auf sich lädt. Im ersten Grup­pen­spiel der Deut­schen gegen Mexiko rieb sich Kroos dann ver­wun­dert die Augen, weil Sami Khe­dira, der gedachte Cas­emiro der Deut­schen, eher wild vor ihm durch die Weiten des Mit­tel­felds stob. Hinter Kroos taten sich der­weil unend­liche Weiten bis zum deut­schen Innen­ver­tei­diger-Pär­chen auf.

Der Bun­des­trainer Joa­chim Löw plante eine Umstel­lung für das zweite Grup­pen­spiel gegen Schweden: Gesucht wurde jemand, der Kroos den Rücken frei­hielt, das Spiel eröffnen konnte und sich nicht zu schade für Defen­siv­ar­beit war. Auch wenn sein Name im Vor­feld der Partie nur selten fiel, so war er doch die logi­sche Ant­wort auf das Stel­len­ge­such: Sebas­tian Rudy.

Der Deal ergibt Sinn für Bayern und Schalke

Mit ihm in der Start­for­ma­tion lie­ferte die deut­sche Mann­schaft eine der wenigen ansehn­li­chen Phasen des Tur­niers. Sie trat in der ersten halben Stunde gegen Schweden geordnet und bestimmt auf. Nach 31 Minuten aller­dings musste Rudy mit zer­trüm­merter Nase vom Platz. Nach 32 Minuten verlor Kroos den Ball im Mit­tel­feld, kam nicht mehr nach und sah kon­ster­niert mit an, wie Schweden mit 1:0 in Füh­rung ging. Im Spiel gegen Süd­korea musste Rudy wegen seiner Ver­let­zung passen. Wahr­schein­lich hätte auch er das Unheil nicht abwenden können. Aber zumin­dest dürfte die halbe Stunde in Russ­land für mehr Wert­schät­zung von Rudy gesorgt haben.

Für den FC Bayern reicht sie aller­dings nicht mehr. Beim baye­ri­schen Über­an­gebot im Mit­tel­feld lag ein Ver­kauf von Rudy nahe – allen Tisch­tennis-Vir­tuo­si­täten zum Trotz. Beim FC Schalke wie­derum bestand zwar kein Personal‑, aber ein Qua­li­täts­be­darf im defen­siven Mit­tel­feld. Omar Mas­ca­rell ist ver­let­zungs­an­fällig, den Jung­spunden Weston McKennie und Suat Serdar fehlt noch die Reife und der manchmal zu über­heb­liche Nabil Ben­taleb ist eigent­lich auf der Acht besser auf­ge­hoben als auf der Sechs.

Für Sebas­tian Rudy könnte eine Maxime gelten, die einer seiner Ahnen auf der Schalker Sechs prägte. Der sonst eher schweig­same Jiri Nemec wie­der­holte laut seiner dama­ligen Mit­spieler schlicht den Satz: Jungs, gebt ihr Gas, ich mach hinter euch alles sauber.“ Nun kann Rudy Schalkes neuer Sau­ber­mann werden.