11FREUNDE #234

Für die neue 11FREUNDE-Aus­gabe #234 trafen wir Mario Götze beim PSV Eind­hoven. Und spra­chen auch mit seinem Trainer Roger Schmidt. Die Repor­tage über den Welt­meister von 2014 sowie die große Titel­ge­schichte über die WM in Katar findet ihr ab heute am Kiosk oder direkt bei uns im Shop.

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Roger Schmidt, wie ist es Ihnen gelungen, Mario Götze im Oktober 2020 zur PSV Eind­hoven zu holen?
Als Trainer ver­suche ich immer, einen Kader best­mög­lich zusam­men­zu­stellen. Da ist es logisch, dass ich auch Anfragen stelle, die auf den ersten Blick nicht rea­lis­tisch erscheinen. Meis­tens gehen zwanzig bis dreißig sol­cher Ver­suche ins Leere, aber ver­su­chen muss ich es trotzdem.

Warum hatten Sie in Götzes Fall Erfolg?
Ich hatte früh im Sommer mein Inter­esse bei ihm hin­ter­legt, ohne mir ernst­haft Chancen aus­zu­rechnen. Sein Ver­trag lief aus, was die Sache nicht völlig aus­sichtslos erscheinen ließ. Dann spielte uns der Zeit­druck am Trans­fe­rende ein biss­chen in die Karten, denn es macht ja keinen Sinn einen Spieler seiner Klasse zu holen, ohne dass er in der Europa League spiel­be­rech­tigt ist. Also trafen Mario und ich uns am letzten Tag des Trans­fer­fens­ters noch einmal bei mir in Düs­sel­dorf und wurden dann rasant einig.

Wie auf­ge­schlossen waren denn die PSV-Bosse für den Transfer?
Die wussten, dass ich mich mit Mario beschäf­tige, aber wir rech­neten alle nicht damit, dass es klappen würde. Als dann kurz­fristig Dynamik in die Sache kam, hat der Verein mit maxi­malen Mit­teln ver­sucht, es auch umzu­setzen.

Das heißt?
Mit Mit­teln, die für PSV extrem, aber ver­gli­chen mit dem, was Mario vorher hatte, über­schaubar sind.

Wie müssen wir uns das vor­stellen? Haben Sie da am Tag des Trans­fer­schlusses noch mal beim PSV-Vor­stand vor­spre­chen müssen.
Dafür blieb keine Zeit. Mor­gens wusste ich ja nicht, dass es abends unter­schrieben sein würde. Zwi­schen unserem Zusam­men­treffen in Düs­sel­dorf und der Unter­schrift lagen keine zehn Stunden. Bis 12 Uhr musste er auf der Trans­fer­liste stehen, dann zum Medi­zin­check und vor 18 Uhr den Ver­trag unter­schreiben. Als er signa­li­sierte, dass er es sich vor­stellen kann, haben wir schnellst­mög­lich ver­sucht, ihm ein adäquates Angebot vor­zu­legen. Und als es abends klar war, haben sich alle sehr gefreut.

Wie kann es sein, dass so ein Profi keine Spiel­zeiten bekommt?“

Götze hatte im Sommer 2020 unter anderem mit ita­lie­ni­schen Klubs und dem FC Bayern ver­han­delt. Wenn Sie einen Grund nennen müssten, was ließ das Pendel Rich­tung Eind­hoven aus­schlagen?
Ein gutes Timing und die per­sön­liche Bezie­hung zwi­schen uns. Dass wir beide, als wir zusam­men­saßen, schnell das Gefühl hatten: es kann funk­tio­nieren!

Kannten Sie ihn vorher?
Nur durch die Duelle mit seinen Klubs, als ich Trainer in Lever­kusen war. Aber natür­lich habe ich seine Lauf­bahn ver­folgt und auch den Rummel, der schon früh um seine Person gemacht wurde. Mir war auch das Gefälle bewusst, dass er sehr jung sehr erfolg­reich war und zuletzt immer sel­tener zum Ein­satz kam. Ich fragte mich, wie es sein kann, dass so ein außer­ge­wöhn­li­cher Profi keine Spiel­zeiten bekommt.

Nun wech­selte im Oktober 2020 nicht nur ein beson­derer Spieler in die Ere­di­visie, son­dern ein fünf­fa­cher Deut­scher Meister und ein deut­scher WM-Tor­schütze. Warum waren Sie sicher, dass Götze beim PSV funk­tio­niert?
Als Trainer muss ich doch darauf ver­trauen, dass es klappt, wenn ich mit einem Spieler arbeite. Sonst kann ich es lassen. Und bei Mario war ich sicher, wenn er den Transfer nach Eind­hoven in voller Über­zeu­gung macht, kriegen wir es auch hin.