Seite 2: „In Deutschland wird unterschätzt, was für ein kompletter Spieler er ist“

Wie wird in den Nie­der­landen auf Götze geschaut?
Die jungen nie­der­län­di­schen Spieler ori­en­tieren sich oft schon früh in ihrer Kar­riere Rich­tung Aus­land. Den Jung­profis wird sug­ge­riert, dass es die echte Kar­riere nur im Aus­land gibt. Und ent­spre­chend gering ist bei einigen die Wert­schät­zung für die Ehren­di­vi­sion. Für manche ist dieser Anspruch in der Ent­wick­lung durchaus hin­der­lich. Des­halb ist es wichtig, dass sie sehen, dass ein Spieler wie Mario die Liga als echte Alter­na­tive in seiner Kar­rie­re­pla­nung sieht.

Götze ist zu dem Schluss gekommen, dass ein enges Ver­hältnis zum Trainer für seine Ent­wick­lung zen­tral wichtig ist. Wie haben Sie Ver­trauen zu ihm auf­ge­baut?
Das war ganz ein­fach. Mario ist ein kom­mu­ni­ka­tiver Typ, mit dem man sich gern unter­hält, nicht nur über Fuß­ball. Ich habe ihm von Anfang gesagt, dass er von meiner Seite die maxi­male Unter­stüt­zung und Ver­trauen erwarten kann und ich alles ver­su­chen werde, ihn wieder in Best­form zu bringen. Wenn er das spürt, gibt er das Ver­trauen sehr schnell zurück. Aus meiner Sicht wird in Deutsch­land gern unter­schätzt, was für ein kom­pletter Spieler er ist. Mario spielt Super­pässe, oft auch die letzten, ent­schei­denden, klar. Aber er ist auch tak­tisch sehr zuver­lässig, kann das Spiel lesen, ist immer unter­wegs und arbeitet sehr viel auf dem Platz.

Keine Frage, Mario führt durch sein Ver­halten!“

Gab es einen Moment, als es klick machte? Als Sie erkannten, dass es mit ihm funk­tio­niert?
Natür­lich war es super, dass er gleich in seinem ersten Spiel gegen Zwolle nach wenigen Minuten ein Tor machte. Aber viel wich­tiger war, dass er wieder Spaß am Fuß­ball emp­findet. Und das war sehr schnell erkennbar. Er hatte vorher lange Zeit kein Pflicht­spiel gemacht und war auch einige Zeit raus aus dem Mann­schafts­trai­ning. Mir war klar, dass ich ihn behutsam ran­führen muss und ich habe ihn des­halb anfangs auch öfter mal raus­ge­nommen, um ihn vor Ver­let­zungen zu schützen. Er hat auch mit­ent­schieden, wie lange er spielt, weil an eine Per­sön­lich­keit wie ihn natür­lich auch Erwar­tungen geknüpft sind.

In der jungen PSV-Elf gehört er zu den Rou­ti­niers. Er selbst sagt, er sei nicht der Typ Füh­rungs­spieler, der über das Ver­bale kommt. Wie sehen Sie ihn?
Füh­rung bedeutet ja nicht zwangs­läufig, ein Laut­spre­cher zu sein, son­dern durch Ver­hal­tens­weisen auf dem Platz Ein­fluss auf die Mann­schaft zu haben. Keine Frage, Mario führt durch sein Ver­halten. Aber er ist nicht schüch­tern, er kann den Mund auf­ma­chen, wenn es not­wendig ist. Er ist kein Kom­men­tator, son­dern ein Macher. Und das haben seine Mit­spieler schnell ver­in­ner­licht – und nehmen sich an ihm ein Bei­spiel.

In wel­chen Situa­tionen ist das erkennbar?
Das spürt man. Er ist ein außer­ge­wöhn­li­cher Spieler – und als der wird er auch ange­sehen. Es wird hier lan­des­weit wahr­ge­nommen, was er auf dem Platz macht.

Götze hat in Eind­hoven einen Zwei-Jahres-Ver­trag unter­zeichnet, mit der Option bei einem ent­spre­chenden Angebot vor­zeitig raus zu können. Er sagt, sein Ziel sei es, in seiner ver­blei­benden Lauf­bahn noch einmal die Cham­pions League zu gewinnen. Wie groß sind die Chancen, dass er dem PSV auch in der nächsten Saison erhalten bleibt?
Als Trainer kann ich mir nie sicher sein, was ein Spieler plant. Des­halb habe ich mir ange­wöhnt, im Hier und Jetzt zu leben. Wir haben bis­lang eine gute Saison gespielt. Mit etwas Glück wären wir auch länger an Ajax dran geblieben. Des­halb gilt unsere volle Kon­zen­tra­tion dem Errei­chen des zweiten Tabel­len­platz, damit wir uns für die Cham­pions League qua­li­fi­zieren können. Aus meinen Erfah­rungen in Lever­kusen und in China weiß ich, dass es immer etwas Beson­deres ist, auf inter­na­tio­nalem Par­kett zu spielen und jeden Klub in eine posi­tive Grund­stim­mung ver­setzt. Ich bin sicher, dass auch Mario Lust hätte, diese Erfah­rung hier mit­zu­nehmen.