Seite 3: „Alternativ-Leidenschaften zu suchen, fällt schwer“

Sie sind viel in sozialen Netz­werken unter­wegs. Wie gehen Sie mit Hass­kom­men­taren um?
Die tue ich mir nicht mehr an. Ich poste Themen, die ich für inter­es­sant halte, und wenn es jemanden Spaß macht, freut es mich. Wenn nicht, auch kein Pro­blem. Aber natür­lich frage ich mich, wie es mög­lich sein kann, dass im Netz jeder, der Lust dazu hat, extremste Belei­di­gungen aus­spre­chen darf. Was sind das für Leute, die für sowas Zeit haben?

Wie sieht Ihr Plan für die ver­blei­bende Pro­fi­zeit aus?
Den gibt es nicht. Früher habe ich ständig Pläne gemacht, in dem Glauben, dass ich sie umsetze. Heute will ich mehr im Moment sein, wenn es pas­siert, weil sich im Fuß­ball vieles nicht planen lässt.

Was kann nach dem Kar­rie­re­ende kommen?
Ich will noch mög­lichst lange, im Ide­al­fall sieben, acht Jahre, den Fuß­ball genießen, und noch einen Schritt als Athlet machen. Aber ich gebe zu, die Start-Up-Geschichte gefällt mir, weil diese Firmen im High-Per­for­mance-Bereich arbeiten, wo im Team ständig abge­lie­fert werden muss. Da gibt es viele Par­al­lelen zum Fuß­ball.

Warum dreht sich bei Ihnen immer alles darum, das Maximum abzu­rufen?
So bin ich kon­di­tio­niert. Auf dem Level, auf dem ich spiele, fällt es sehr schwer, sich Alter­nativ-Lei­den­schaften zu suchen. Es sind ja nicht nur zwei Trai­nings­ein­heiten am Tag und ein Spiel am Wochen­ende. Wenn ich diesen Job 15 Jahre machen will, bin ich ständig damit beschäf­tigt, so zu leben, dass es meinem Körper best­mög­lich zugute kommt.

Sport zu treiben und dafür bezahlt zu werden – ein Traum“

Ist man da nicht latent in Gefahr zu ver­blöden?
Natür­lich. Des­wegen habe ich mich schon vor län­gerer Zeit von der Play­sta­tion ver­ab­schiedet. (Lacht.) Aber jeder Job hat fest­ge­legte Abläufe, es kommt immer drauf an, was man draus macht.

Selbst über Ihr Post-Pro­fi­leben denken Sie in Leis­tungs­ka­te­go­rien. Haben Sie nie die leise Sehn­sucht, sich ein­fach ins Wohn­mobil zu setzen und auf Welt­reise zu gehen?
Das bin ich nicht – zumin­dest jetzt noch nicht. Ich muss mich in diesem Umfeld des posi­tiven Drucks bewegen. Wer weiß, was in acht Jahren ist? Kann auch sein, dass ich dann erst mal Abstand brauche. Aber wenn ich jetzt sage, dass ich im Wohn­mobil auf Welt­reise gehe, ver­an­kere ich diesen Gedanken in meinem Kopf und besetze damit den Raum für andere Ideen. Das will ich nicht, dafür ist das Leben zu facet­ten­reich.

Ist Ihr Körper der Belas­tung des Pro­fi­ge­schäfts noch sieben, acht Jahre gewachsen?
Zuge­geben, ganz von selbst wie als 18-Jäh­riger läuft es nicht mehr, ich muss schon Rou­tinen ent­wi­ckeln und mich pflegen. Sollte aber ja eigent­lich jeder tun.

Hatten Sie nie das Gefühl, irgend­etwas in Ihrem Leben zu ver­passen?
Nein, ich emp­finde den Lebens­stil, Sport zu treiben und dafür bezahlt zu werden, nach wie vor als Traum. Ins­be­son­dere wenn es wieder vor vollen Rängen statt­findet.

Ich habe nicht rea­li­siert, dass es nie mehr so sein wird“

Mario Götze, wenn Sie eine Zeit­ma­schine hätten, wel­chen Moment Ihrer Lauf­bahn würden Sie gern noch einmal erleben?
Die erste Meis­ter­schaft mit dem BVB und die Welt­meis­ter­schaft 2014.

Warum?
Das Gefühl, das diese Zeit begleitet hat, würde ich gern noch einmal intensiv ein­atmen. Auch weil ich damals nicht rea­li­siert habe, dass es so nie mehr sein wird.

Was würden Sie aus diesen Momenten raus­ziehen wollen?
Die Emo­tionen und das Zusam­men­sein mit den Men­schen, die dabei eine Rolle gespielt haben. Ich würde ver­su­chen, das Gefühl so mit­zu­nehmen, dass es mich immer begleitet.

Den ersten Teil des großen Inter­views mit Mario Götze lest Ihr hier.

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