Moritz Leitner, 19, Borussia Dort­mund

1,74 Meter Kör­per­größe und einen Kör­perbau, mit dem man im Ruhr­ge­biet Schmacht­lappen“ genannt wird, sind nicht gerade die typi­schen Vor­aus­set­zungen für einen Fuß­ball­profi, um sich einen Platz im defen­siven Mit­tel­feld beim Deut­schen Meister zu erkämpfen. In jedem Por­trät über den jüngsten der jungen Dort­munder kommen die Adjek­tive frech“ und mutig“ vor, wahr­schein­lich weil er sich den Ball schneller klaut, als es der Gegen­spieler mit­kriegt. Die Kon­kur­renz auf der Sech­ser­po­si­tion ist bei allen Klubs groß, und eigent­lich spielt Leitner, der jetzt deut­scher U‑21-Natio­nal­spieler ist, noch lieber offensiv im zen­tralen Mit­tel­feld, wo er den Ball ver­teilen und das Spiel gestalten kann. Doch wer etwas draufhat und selbst­be­wusst ist, wird heut­zu­tage Sechser – dabei sind inzwi­schen gute Außen­ver­tei­diger gefragter. Moritz Leitner würde das wahr­schein­lich auch noch können.

Yunus Malli, 19, FSV Mainz 05

Yunus Malli hat in der vorigen Saison noch zusammen mit Marc-André ter Stegen in Glad­bachs U 23 gepielt – und dass er das in dieser Saison nicht bei Borus­sias Profis tut, ist Sport­di­rektor Eberl schon häu­figer als großes Ver­säumnis ange­lastet worden. Zu Recht, findet Eberl. Und zu Unrecht. Wir wollten ihn unbe­dingt behalten“, sagt er. Malli besitze eine unglaub­liche Spiel­in­tel­li­genz und warte mit einer großen Geschmei­dig­keit auf. Eine wei­tere Zusam­men­ar­beit schei­terte jedoch an seiner For­de­rung, aus­schließ­lich bei den Profis trai­nieren zu wollen. Und so darf sich nun Mainz 05 glück­lich schätzen, einen echten Zehner ver­pflichtet zu haben, der laut Trainer Tuchel ein Gespür für Tor­ge­fahr und für den Raum“ besitzt. Für Manager Heidel ist Malli gar die größte Über­ra­schung unter unseren Neu­zu­gängen“. Dass er in den ersten drei Pflicht­spielen seines neuen Klubs nicht eine Minute gespielt hat, spricht ange­sichts der bis­he­rigen Leis­tungen der Mainzer nicht unbe­dingt gegen Mallis Per­spek­tive.

Jef­frey Bruma, 19, Ham­burger SV

Jef­frey Bruma hat schon in jungen Jahren eine Kar­riere der zwei Geschwin­dig­keiten hinter sich. Wäh­rend er in seiner Heimat Hol­land hym­nisch gefeiert wird, hat er in Eng­land die nor­malen Start­schwie­rig­keiten eines Nach­wuchs­spie­lers erlebt. Mit 15 wech­selte er zum FC Chelsea, auf vier Ein­sätze in der Pre­mier League hat er es seitdem gebracht, und zuletzt war er an den Zweit­li­gisten Lei­cester aus­ge­liehen. Für Hol­land hin­gegen stand Bruma zwei mal in der A‑Nationalmannschaft, sogar über eine Nomi­nie­rung für die WM 2010 wurde in seiner Heimat dis­ku­tiert – da war Bruma gerade 18. Wer ihn einmal hat spielen sehen, kann das gut ver­stehen. Bruma bringt alles mit, was ein moderner Ver­tei­diger benö­tigt: Es ist schnell und robust, besitzt ein gutes Spiel­ver­ständnis, ein klares Pass­spiel und eine gute Spiel­eröff­nung. Zu Hol­lands Becken­bauer“ wurde Bruma wegen seiner offen­siven Spiel­weise schon erhoben und als erster krea­tiver Innen­ver­tei­diger seit Frank de Boer“ gefeiert. Es ist nicht so, dass Chelsea blind für seine Qua­li­täten gewesen wäre; aber man hält ihn dort noch für zu jung, um in der Innen­ver­tei­di­gung auf Top-Niveau zu spielen. Das könnte in zwei Jahren anders sein. Dann endet Brumas Leih­ver­trag mit dem HSV.

Gökhan Töre, 19, Ham­burger SV

Gleich vier junge Spieler aus der zweiten Reihe des FC Chelsea hat der HSV unter Ver­trag, trotzdem reden alle von Heung Min Son. Der 19 Jahre alte Süd­ko­reaner besitzt unüber­seh­bares Talent, spielte zwei Jahre in der HSV-Jugend und schaffte bereits in der ver­gan­genen Saison den Sprung in die erste Mann­schaft. Sein Durch­bruch wird nun von jedem erwartet. Noch schneller geht es bei Gökhan Töre. Er ist die Über­ra­schung unter den Talenten. Töre über­zeugte in der Vor­be­rei­tung vor allem mit seiner phy­si­schen Prä­senz und guter Technik. Er bewegt sich auf dem Platz stets in den rich­tigen Raum, egal ob dort noch einer mehr sein sollte oder noch nie­mand ist. Töre, der auch beim HSV zunächst für die Regio­nal­liga- Mann­schaft vor­ge­sehen war, wurde bei Bayer Lever­kusen aus­ge­bildet, bevor er 2008 zu Chelsea wech­selte. Jetzt scheint er nicht mehr auf­zu­halten zu sein. In der ver­gan­genen Woche wurde er in die tür­ki­sche A‑Nationalmannschaft berufen.

Pierre-Michel Lasogga, 19, Hertha BSC Berlin

Der Ber­liner neigt dazu, sich und seine Stadt für den Nabel der Welt zu halten. Des­halb wird es ihn erstaunen, dass Pierre-Michel Lasogga an dieser Stelle auf­taucht: Lasogga? Der ist doch längst ein Star! Ja, in der Zweiten Liga war er das, mit 13 Toren in seiner ersten Saison als Profi. Aber die natio­nale Auf­merk­sam­keit für die Zweite Liga sollte man nicht über­schätzen. Für den Rest der Repu­blik ist Her­thas Stürmer noch ein nahezu Unbe­kannter, und es gibt Kri­tiker, die der Mei­nung sind, dass sich das nicht grund­sätz­lich ändern wird. An Lasogga scheiden sich die Geister: Die einen fürchten, dass die Bun­des­liga eine Nummer zu groß für ihn ist; die anderen sehen den 19-Jäh­rigen per­spek­ti­visch schon in der Natio­nal­mann­schaft. Markus Babbel, sein Trainer, findet, es liegt allein an Lasogga selbst, wer recht behalten wird. Er muss sich auf das besinnen, was ihn letztes Jahr stark gemacht hat“, sagt er. Dann habe ich über­haupt keine Sorge.“ Lasogga ist nicht mit Talent im Übermaß gesegnet. Dafür bringt er Willen im Übermaß mit. Für eine sta­bile Kar­riere ist das schon mal nicht die schlech­teste Vor­aus­set­zung.

Karim Bel­la­rabi, 21, Bayer Lever­kusen

Die Geschichte kennen sie schon in Lever­kusen: junger Mann mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, der in einem Pro­blem­viertel einer nord­deut­schen Groß­stadt auf­ge­wachsen ist und im Jugend­in­ternat eines Tra­di­ti­ons­klubs das Fuß­ball­spielen gelernt hat. Was auf den gebür­tigen Ham­burger Sidney Sam zutrifft, gilt eins zu eins auch für Karim Bel­la­rabi, den Bayer in diesem Sommer ablö­se­frei von Ein­tracht Braun­schweig ver­pflichtet hat. Und die Gemein­sam­keiten sind damit noch nicht zu Ende. Auch in ihrem Spiel ähneln sich beide. Karim ist ein Tempo-Dribbler mit einem bru­talen Antritt“, sagt sein bis­he­riger Braun­schweiger Trainer Torsten Lie­ber­knecht. Neben Bayer waren auch Dort­mund, Wolfs­burg und Hof­fen­heim an Bel­la­rabi inter­es­siert. Trotzdem glauben viele, dass der Deutsch-Marok­kaner es schwer haben könnte, sich in Lever­kusen zu behaupten. Bel­la­rabi ist da opti­mis­ti­scher. Er ver­weist auf Sidney Sam. Bei dem waren auch viele skep­tisch, trotzdem hat er es gleich in seiner ersten Saison zum Stamm­spieler gebracht.

Marc-André ter Stegen, 19, Borussia Mön­chen­glad­bach

Über Marc-André ter Stegen sind ein paar Geschichten im Umlauf, die bes­tens ins Kli­schee passen, dass Tor­hüter ein biss­chen bekloppt sind. Ter Stegen, so war zu lesen, sor­tiere seine Hand­schuhe aus, sobald jemand sie nur berührt habe. Das ist Blöd­sinn. Der Tor­hüter von Borussia Mön­chen­glad­bach will nur nicht, dass andere Leute seine Hand­schuhe tragen, und über­haupt ist er alles andere als ein Spinner. Er hat einen klar struk­tu­rierten Cha­rakter und weiß genau, worauf es ankommt“, sagt Borus­sias Sport­di­rektor Max Eberl. Andreas Köpke sieht in ter Stegen sogar den Pro­totyp der neuen, glän­zend aus­ge­bil­deten Tor­hü­ter­ge­nera­tion“. Der Bun­des­tor­wart­trainer hat zuletzt so geschwärmt, dass manche den 19-Jäh­rigen schon auf dem Weg in die Natio­nal­mann­schaft sehen. Auf jeden Fall hatte der Tor­hüter erheb­li­chen Anteil daran, dass sein Klub noch der Bun­des­liga ange­hört. Ter Stegen ist reak­ti­ons­schnell, sicher in der Straf­raum­be­herr­schung, er besitzt eine posi­tive Aus­strah­lung und kann den Ball mit beiden Füßen ver­ar­beiten. Wie Manuel Neuer, so inter­pre­tiert auch ter Stegen seine Rolle sehr offensiv. Aber anders als bei Neuer hat man bei ihm nie das Gefühl, dass es ums Prinzip geht.

Roberto Fir­mino, 19, TSG Hof­fen­heim

Drei Jahre spielt Hof­fen­heim jetzt in der Bun­des­liga, die große Zahl der hoch­ta­len­tierten Nach­wuchsprofis, die dort den Durch­bruch nicht geschafft haben oder noch immer auf ihn warten, ist inzwi­schen schwierig zu über­schauen. Bereits im ver­gan­genen Winter kam Roberto Fir­mino aus Bra­si­lien nach Baden, und es wäre nicht weiter auf­ge­fallen, wenn man nicht mehr viel von ihm gehört hätte. Doch schon bei seinen ersten Ein­sätzen war zu sehen, dass die Hof­fen­heimer mal wieder einen haben, der etwas mehr her­aus­sticht als die anderen. Roberto Fir­mino ist am Ball äußerst ver­siert, kann schießen, köpfen und tolle Pässe spielen, ein klein wenig besser als die meisten anderen. Vor allem aber ver­fügt er über Fähig­keiten, die eher selten sind bei bra­si­lia­ni­schen Fuß­bal­lern: Er erobert oft den Ball vom Gegner. Das macht ihn schon jetzt zu einem kom­pletten Fuß­baller, der nur noch wenig Neues erlernen muss, son­dern sich darauf kon­zen­trieren kann, seine vor­han­denen Fer­tig­keiten zu ver­bes­sern.

Takashi Usami, 19, Bayern Mün­chen

So gut wie Lionel Messi will er laut eigener Ankün­di­gung werden, und in Mün­chen sind sie durchaus angetan von dem Schnell­lerner“, der seit ein paar Wochen in Deutsch­land ist. Seine Ver­ab­schie­dung in Japan bei Gamba Osaka war eine große Show, bei wel­cher der popu­läre Usami auch mit dem Mikrofon eine gute Figur abgab. Das wird ihm auch in Deutsch­land gelingen. So wie auf dem Platz in der Vor­be­rei­tung gegen den FC Bar­ce­lona, zumin­dest teil­weise. Über weite Stre­cken des Spiels war Usami in das Pres­sing der Münchner nicht ein­ge­bunden – bis er den kör­per­li­chen Anfor­de­rungen der Bun­des­liga genügt, mag es noch etwas dauern. In einigen Szenen deu­tete er mit ver­blüf­fenden Drib­bel­tricks und über­ra­schenden Pässen aber bereits an, dass er Arjen Robben und Franck Ribéry gege­be­nen­falls ver­treten kann – die Gele­gen­heit dazu wird kommen. Der FC Bayern hat in jedem Fall einen Spieler geholt, der mehr kann, als den Klub auf dem asia­ti­schen Markt zu prä­sen­tieren.