1.
Ers­tens: Ja. Manuel Neuer war mal aktiver Ultra bei Schalke 04. Gähn. Zwei­tens: Ja, er trug früher tat­säch­lich ein T‑Shirt mit der Auf­schrift Buer­schen­schaft“ – ein netter Gruß an die alten Schalke-Kum­pels von einst – unter seinem Trikot. Drit­tens: Das ist aber schon lange vorbei. Der SZ“ teilte Neuer jüngst mit: Das besagte Shirt trage ich schon seit 2009 nicht mehr, weil ich darin so viel geschwitzt habe.“ Wissen wir wieder mehr.

2.
Koan Neuer!“, prangte es im Pokal­spiel Bayern gegen Schalke auf hun­derten weißen Papp­kar­tons. Soll heißen: Du hier nicht, West­deut­scher! Neuer kam, wir wissen es, trotzdem nach Mün­chen. Und weil er nicht nur ein guter Tor­wart, son­dern auch ein cle­veres Kerl­chen ist, wusste der Neu-Bayer die neuen Fans gleich auf seine Seite zu ziehen. Der Bild“ ver­riet Deutsch­lands Nummer eins: Ich habe schon eine Leder­hose!“ Bild“ hart­nä­ckig: Reicht die Leder­hose, um ein echter Bayer zu werden?“

3.
Inter­es­sant, was dem Bou­le­vard alles ein­fällt, wenn es an Themen man­gelt. 2007 stellte eines der bunten Blätt­chen die Stern­zei­chen der Bun­des­li­ga­spieler vor. Eine gewisse Chris­tiane Woelky urteilte über Manuel Neuers Stern­zei­chen Widder: Der Widder ist eine Sports­ka­none, er liebt den Kampf – auch auf dem Rasen! Er ist eher der aktive Stürmer, wäh­rend der pflicht­be­wusste Stein­bock das Tor ver­tei­digt.“ Andere Widder neben Neuer: Thomas Hitzl­sperger (defen­sives Mit­tel­feld), Pierre Womé (Abwehr), Vin­cent Kom­pany (Abwehr). Hm.

4.
Kaum ein anderer deut­scher Jour­na­list ver­steht sich so darauf die Trä­nen­drüsen seiner Leser zu stra­pa­zieren wie der gute, alte Franz Josef Wagner. Nachdem Manuel Neuer 2008 in der Cham­pions League mit irren Paraden den FC Porto in den Wahn­sinn getrieben hatte, herz­schmerzte Wagner in seiner täg­li­chen Post“: Wir müssen uns einen Jungen vor­stellen, dessen Eltern sich scheiden ließen und dessen ein­zige Kon­stante Schalke war. Gegen Porto war er so genial – wie Picasso, wie Michel­an­gelo, wie Dürer. Er war der beste Tor­wart, den die Welt jemals gesehen hat. Er war ein Mensch, von dem die Vögel in den Büschen flüs­tern. Er war per­fekt, feh­ler­frei, ein Genie, groß­artig, wun­derbar. Er war ein Mensch, wie wir alle sein möchten. Ein Held.“ Herz­lichst, Kotz.

5.
Über­haupt das Porto-Spiel: Wie ein Irrer flog Neuer durch seinen Straf­raum und ver­schaffte sich damit erst­mals inter­na­tio­nale Auf­merk­sam­keit. Selbst im fernen Bar­ce­lona hatte ein Mann mit kleinen Locken und großen Augen vor der Matt­scheibe gesessen und kata­la­ni­sche Bau­klötze gestaunt: Barca-Trainer Frank Rij­kaard. Blitz­schnell hakten die deut­sche Medien nach, Frage: Ist es mög­lich, dass Sie Neuer holen?“ Rij­kaard offen: Alles ist mög­lich.“ Immerhin: Nichts ist unmög­lich. Des­halb blieb Neuer auf Schalke und wech­selt nun zu den Bayern.

6.
Da war was los, als Schalke 04 und Borussia Dort­mund im Herbst 2009 zum Derby auf­ein­ander trafen. Nicht nur, dass Schalke in Dort­mund mit 1:0 gewann, nein, Schalke-Keeper Manuel Neuer wurde nach einer gif­tigen Kab­belei mit Dort­munds Vor­zei­ge­proll Kevin Groß­kreutz auch noch der vor­sätz­li­chen Tät­lich­keit bezich­tigt! Neuer hat mich mit Absicht ange­griffen“, klagte Groß­kreutz nach dem Spiel. Sein Kopf­stoß war die erste Attacke, die mich zum Glück nicht voll erwischte. Danach kam noch sein Ellen­bogen.“ Und weiter: Er lügt, wenn er das bestreitet!“ Neuer abge­klärt: Das muss wohl ein anderer Neuer gewesen sein. Ich habe weit und breit keinen Groß­kreutz gesehen.“ Immer noch besser als irgendwas mit Jackett­kronen.


7.
Als wich­tigster För­derer der Neu­erschen Kar­riere gilt Lothar Matuschak, einst Jugend­be­treuer beim FC Schalke. Als er dem klein­wüch­sigen C‑Ju­gend-Spieler Neuer erst­mals begeg­nete, da war er so groß wie eine Tisch­kante und hatte einen piep­sige Stimme, dass man ihn kaum hören konnte.“ Schalkes Nach­wuchs­chef Helmut Schulte wollte den Wicht schon raus­werfen lassen, doch Matuschak for­derte Geduld. Ein guter Plan, wie sich bald her­aus­stellen sollte. Matuschak: In der B‑Jugend ist er dann an allen vor­bei­ge­schossen.“ Das Ende ist bekannt.

8.
Noch ein letztes Mal Porto. Ange­spro­chen auf seine größte Tat, jene spek­ta­ku­läre Parade in der 52. Minute gegen Tarik Sek­tioui, erklärte Neuer der über­raschten Medi­en­meute: Ich habe gedacht, dass er erwarten würde, dass ich rein­springe wie Tim Wiese. Aber ich habe ver­sucht ihn nervös zu machen. Bei einem anderen Spieler hätte ich es viel­leicht anders gemacht, aber Sek­tioui ist clever.“ Merke: Tim Wiese pariert nur gegen blöde Fuß­baller.

9.
Ach, was war das lustig, als Manuel Neuer nach Schalkes Aus­wärts­er­folg beim FC Bayern 2009 mit der Eck­fahne jubelte. Brül­lend wie ein Stier lag Neuer auf dem Mün­chener Rasen und schüt­telte die arme Eck­fah­nen­stange wie ein Bar­keeper den nächsten Drink. Wer wollte da schon eine gewisse Ähn­lich­keit zum legen­dären Meis­ter­jubel von Neuers Vor­bild Oliver Kahn ver­neinen? In einem Inter­view mit der Welt am Sonntag“ kor­ri­gierte Neuer nun aller­dings seine Tat: Das war pure Freude. Und mal ehr­lich: Ich habe da hinten als Tor­hüter fast nie einen, mit dem ich jubeln kann. Oder soll ich mir den Ball­jungen schnappen?“ Bitte nicht.

10.
Die Fuß­ball-Gene sind in der Familie Neuer doch arg ein­seitig ver­teilt: Marcel, Manuels Bruder, Schieds­richter in der NRW-Liga, ist nach eigener Aus­sage froh zumin­dest in der Schieds­richter-Mann­schaft als Ver­tei­diger mit­zu­halten.“ Schön auch die Ant­wort des Theo­logie-Stu­denten auf die Frage, ob er denn den tri­um­phalen 5:2‑Erfolg seines Bru­ders bei Inter Mai­land live vor Ort ver­folgt habe: Das ging nicht, denn am Mitt­woch musste ich um acht Uhr bei einer Grie­chisch­vor­le­sung seinn. Da kann ich nicht fehlen.“ War sicher genauso span­nend.