Seite 2: Wichtige strategische Entscheidungen

Dass viele Urteile über ihn unfair waren, zeigt sich spä­tes­tens jetzt. 160 Tore hat Ajax in dieser Saison bereits geschossen – so viele wie keine hol­län­di­sche Mann­schaft je zuvor. In 69 Pflicht­spielen seit ten Hags Amts­an­tritt im Dezember 2017 holte das Team 166 Punkte. Sein Schnitt (2,4 Punkte pro Spiel) ist besser als der des gefei­erten Peter Bosz (2,13) und auch der von Frank de Boer (2,02), der 2014 den bisher letzten Titel mit dem Klub gewann.

Ein Titel – das ist es, was ten Hag noch fehlt, vor allem für sein Stan­ding in der Öffent­lich­keit. Aber in dieser Saison hat er immerhin noch drei Mög­lich­keiten: in der Cham­pions League, im Pokal, in dem Ajax am Sonntag das Finale gegen Willem II bestreitet, und in der Meis­ter­schaft, in der die Ams­ter­damer dank der bes­seren Tor­dif­fe­renz knapp vor Titel­ver­tei­diger Eind­hoven liegen.

Wich­tige stra­te­gi­sche Ent­schei­dungen

Die Mann­schaft, die gerade Europa begeis­tert, ist in vie­lerlei Hin­sicht ten Hags Werk. Er hat wich­tige stra­te­gi­sche Ent­schei­dungen getroffen: hat Frenkie de Jong aus der Abwehr ins Mit­tel­feld vor­ge­schoben und den damals erst 19 Jahre alten Mat­t­hijs de Ligt zum Kapitän gemacht, um dem Team mehr Aus­strah­lung zu ver­schaffen. Dass Ajax gerade für die Renais­sance des hol­län­di­schen Offen­siv­fuß­balls gefeiert wird, liegt auch daran, dass ten Hag sich von einer hol­län­di­schen Eigenart ver­ab­schiedet hat.

Im hei­ligen 4−3−3 war es ein unan­tast­bares Gesetz, dass die Schuhe der Außen­stürmer weiß sein müssen von den Krei­de­mar­kie­rungen am Spiel­feld­rand. Bei ten Hag hin­gegen sollen sich die Außen­stürmer in die Mitte ori­en­tieren. Denn wer die Mitte kon­trol­liert, kon­trol­liert auch das Spiel.

Mag sein, dass seine Zeit in Deutsch­land dabei eine Rolle gespielt hat. Zwei Jahre trai­nierte ten Hag die U 23 des FC Bayern Mün­chen. In dieser Zeit hat er oft beim Trai­ning der Profis zuge­schaut. Deren Trainer hieß: Pep Guar­diola.