Seite 2: Macht Platz für CR7

Der inzwi­schen 36-Jäh­rige kehrt mit einem fun­da­mental ver­än­derten Spiel zurück an seine alte Wir­kungs­stätte. Er ist nicht mehr der Drib­bel­vir­tuose, den Man­U­nited 2003 von Spor­ting Lis­sabon für die Außen­bahn geholt hatte. Genauso wenig ist er der explo­sive Mit­tel­stürmer, den Real Madrid 2009 für die dama­lige Rekord­summe von 94 Mil­lionen Euro kaufte.

Er ist nun­mehr ein klas­si­scher Tor­jäger, nicht mehr für das große Spek­takel zuständig. Vor dem Tor – mit links, mit rechts oder per Kopf – ist er noch immer famos. Seine Sprints setzt er inzwi­schen lieber dosiert an, seine Dribb­lings bloß noch zur Kür. Das Defen­siv­spiel von Ronaldo war nie son­der­lich aus­ge­prägt, heute ist es schlicht nicht exis­tent.

Brö­ckelt das Mann­schafts­ge­füge?

Seine Stern­stunden bei Real Madrid erlebte Cris­tiano Ronaldo, als das Spiel auf ihn zuge­schnitten war, seine Mit­spieler ihm gehörig waren, ihn bewir­teten wie Mesut Özil das drei Jahre lang tat.

Die Idee, das Spiel auf einen Spieler her­zu­richten, kon­ter­ka­riert die Phi­lo­so­phie von United-Trainer Ole Gunnar Sol­skjaer, der ein mann­schafts­ge­schlos­senes Kon­ter­spiel vor­tragen lässt. Seine schnelle Spiel­idee will er einem jungen Team bei­bringen, das sich ent­wi­ckelt. Die Offen­siv­reihe um Marcus Rash­ford, Mason Green­wood und Jadon Sancho sollte auf lange Sicht die Zukunft sein. Die neuen Spieler, die jungen Spieler, ich denke sie haben ein großes Poten­tial“, sagt Ronaldo selbst. Min­des­tens einer von ihnen wird Platz machen müssen. Für CR7, für den Mythos, den sich die Genera­tion um Rash­ford, Green­wood und Sancho als Teen­ager an die Wand gepappt hat.

Ein ähn­li­ches Schicksal dürfte Bruno Fer­nandes ereilen, der als gesetzter Elf­meter- und Frei­stoß­schütze gilt, neben seinem Lands­mann aber an Befug­nissen ein­büßen dürfte. Edison Cavani hat der Schat­ten­schlag bereits getroffen: Er musste umge­hend die Rücken­nummer Sieben abgeben.

Wenn es nicht schon vor Ronaldos erstem Spiel geschehen ist, liegt die Befürch­tung nahe, dass er das Mann­schafts­ge­füge brö­ckeln lassen kann. Für Nost­al­giker ist der Transfer ein Genuss, für Rea­listen eher ein Muster ohne Wert.

Erin­ne­rungen an Can­tona

1995 hat Man­chester schon mal einen ähn­li­chen Hype um eine Rück­kehr erlebt. Damals ging es um Eric Can­tona, der für acht Monate gesperrt wurde, nachdem er einem Crystal-Palace-Fan per Kung-Fu-Kick die Leviten gelesen hatte.

Auf Uniteds Web­site heißt es, es habe eine Kar­ne­vals­stim­mung im Old Traf­ford geherrscht, als Can­tona gegen Liver­pool sein lang­ersehntes Come­back feiern durfte. Nach wenigen Minuten assis­tierte er Nicky Butt zum 1:0, später traf er per Elf­meter selbst zum 2:2‑Endstand. Der König war zurück. Was Trainer Fer­guson aller­dings nicht son­der­lich in Ekstase zu ver­setzen schien. Nach Spiel­schluss gab er schroff zu Pro­to­koll: Eric hat es gut gemacht. Aber der Hype ist vorbei – Gott sei Dank!“