Erik Meijer, was ging Ihnen als Erstes durch den Kopf, als Sie die Grup­pen­aus­lo­sung für die EM-Qua­li­fi­ka­tion sahen?
Ich dachte: da rut­schen wir durch. Die Tsche­chen und die Türken können was, klar, aber über die Isländer wusste ich nicht wirk­lich Bescheid. Das hat sich geän­dert.

Nach Nie­der­lagen gegen Island (0:1) und die Türkei (0:3) kann sich die Nie­der­lande nicht mehr aus eigener Kraft für die EM qua­li­fi­zieren. Nach acht Spiel­tagen steht die Mann­schaft mit nur zehn Punkten auf Platz vier. Ledig­lich Platz drei wäre noch drin – aller­dings nur, wenn Hol­land die letzten beiden Spiele gegen Kasach­stan und Tsche­chien gewinnt, und die Türkei in den Par­tien gegen Tsche­chien und Island nicht mal als drei Punkte holt. Herr Meijer: When did it all go wrong?
Der Ursprung für das aktu­elle Ver­sagen liegt in der WM 2014.

Bei der die Nie­der­lande immerhin Dritter wurde.
Ja, weil wir damals mit Louis van Gaal einen Trainer hatten, der die rich­tige Mischung aus lockerer Atmo­sphäre und knall­harter Arbeit her­zu­stellen wusste. Beim Trai­ning turnten auch mal die Kinder der Spieler auf dem Rasen herum, aber wenn es ums Ein­ge­machte ging, war das eine Mann­schaft, die Spiele gewinnen konnte. Van Gaal wurde bekannt­lich Trainer von Man­chester United, Guus Hiddink über­nahm. Der inter­pre­tiert seinen Beruf eben­falls sehr men­schen­freund­lich. Im Nach­hinein betrachtet, hat er die Zügel aber viel­leicht zu sehr schleifen lassen. Außerdem war schon bei seinem Amts­an­tritt klar, dass nach zwei Jahren Danny Blind als Bond­coach über­nehmen würde. Wo gibt’s denn so was?

Wer hat´s erfunden?
Wir Nie­der­länder! So was kannte zumin­dest ich bis dahin nicht. Aus gutem Grund, es hat ja dann auch nicht funk­tio­niert.

Bereits im Juli diesen Jahres wurde Hiddink ent­lassen. Seitdem steht Blind gemeinsam mit Co-Trainer Marco van Basten an der Spitze. Was hat das Duo falsch gemacht?
Die Gründe für die aktu­elle Misere liegen eher bei den Spie­lern. Wir haben viele junge Spieler mit hoher Qua­lität im Kader. Leider küm­mern die sich eher um ihre Tat­toos, schnelle Autos und dicke Uhren.

Wer ist Ihnen da beson­ders ein Dorn im Auge?
Von Mem­phis Depay oder auch Gre­gory van der Wiel habe ich viel mehr erwartet. Sie gehören zu einer Genera­tion nie­der­län­di­scher Fuß­baller, die auf der einen Seite unglaub­lich pro­fes­sio­nell sind – talen­tiert, durch­trai­niert, strebsam –, aber auf der anderen Seite offenbar noch nicht wissen, was ihnen wich­tiger ist. Sie selbst oder die Mann­schaft. Manche wollen lieber Pop­star sein, als linker Ver­tei­diger.