Wenn Paris St. Ger­main heute Abend im West­fa­len­sta­dion gas­tiert, dann ist das eine dop­pelte Rück­kehr. Zum einen ist da natür­lich das Come­back des ehe­ma­ligen BVB-Trai­ners Thomas Tuchel, der – unge­wöhn­lich genug – einst als Pokal­sieger aus der Stadt gejagt wurde und nun – noch unge­wöhn­li­cher – als Domp­teur der größten und teu­ersten Star­truppe des euro­päi­schen Fest­landes wieder nach West­falen reist. Doch dazu gleich mehr. Zuerst zur anderen Wie­der­kunft, näm­lich die eben jener Star­truppe.

Vor rund zehn Jahren spielte PSG schon einmal in Dort­mund. Doch damals war das ein völlig anderer Verein. Nicht wenigen BVB-Fans gilt das Spiel in der Europa League am 21. Oktober 2010 als die bizarrste inter­na­tio­nale Begeg­nung in der langen Klub­ge­schichte der Borussia. Das Dort­munder Fan­zine Schwatz­gelb fühlte sich damals an den Monty-Python-Film Das Leben des Brian“ erin­nert, aller­dings war die Sache etwas ernster.

Krieg der Fans

Knapp sieben Monate vor dem Spiel in Dort­mund war der 37-jäh­rige PSG-Fan Yann Lorence getötet worden – von anderen PSG-Fans. Es war der trau­rige Tief­punkt eines kom­plexen Krieges, dem nie­mand mehr Herr zu werden schien. Lorence gehörte zu den Fans, die in der Süd­kurve des Pariser Sta­dions standen, auf der so genannten Tri­bune Bou­logne, die den Ruf hatte, vor allem Hoo­li­gans und Faschos zu beher­bergen. Seine Angreifer ver­traten die Nord­kurve, die Tri­bune Auteuil, auf der vor­nehm­lich Ultras und die Antifa zu finden waren.

Dass dies eine sehr ver­ein­fachte Dar­stel­lung des Kon­flikts war, in dem es nicht nur um poli­ti­sche Fragen ging, son­dern auch um soziale und eth­ni­sche, bekamen die BVB-Fans an jenem Herbst­abend zu sehen. Zum ersten Mal in der Geschichte des West­fa­len­sta­dions war ein mehr als beträcht­li­ches Poli­zei­auf­kommen nötig, um nicht etwa die Heim- von den Gäs­te­fans zu trennen, son­dern die diversen Aus­wärts­blöcke von­ein­ander. Es gab näm­lich nicht nur zwei Gruppen von PSG-Fans, wie man hätte denken können, son­dern min­des­tens vier. Zwei bekam man noch not­dürftig auf der Nord­tri­büne unter, die zwei anderen wurden auf die West- und Ost­tri­büne ver­teilt – von wo sie dann das Spiel gepflegt igno­rierten und lieber Feu­er­werks­körper auf den Norden warfen.