Die Welt mag Deutsch­land bewun­dern für seinen neuen Reichtum an begabten Fuß­ball­spie­lern, aber für Domi­nanz und Siege müssen schon die elf Besten her. Wie bei so vielen Test­spielen der jün­geren Ver­gan­gen­heit war das auch am Diens­tag­abend in Danzig zu sehen. Eine bes­sere Per­spek­tiv­mann­schaft erreichte mit viel Glück ein 2:2 (0:0) gegen die inter­na­tional zweit­klas­sigen Polen. In der dra­ma­ti­schen Schluss­phase ermög­lichte Tor­hüter Tim Wiese den Polen zunächst einen Foul­elf­meter, den der Dort­munder Jakub Blac­zy­kowski zum 2:1 ver­wan­delte. In der vierten Minute der Nach­spiel­zeit aber wen­dete der Stutt­garter Cacau mit seinem Abstauber noch die Nie­der­lage ab, es wäre die erste gewesen im 17. Län­der­spiel gegen Polen.

Das Ende war glück­lich, aber inhalt­lich zeigte das per­so­nelle Expe­ri­ment von Danzig unan­ge­nehme Ergeb­nisse: Der geschonte Bas­tian Schwein­s­teiger ist im zen­tralen Mit­tel­feld unver­zichtbar. Chris­tian Träsch ist als Ver­tei­diger eine Fehl­be­set­zung, und im Abwehr­zen­trum sollte sich Joa­chim Löw schleu­nigst auf ein Stammduo fest­legen. Alles andere trägt nur bei zu einer völlig unnö­tigen Ver­un­si­che­rung.

Der Bun­des­trainer hatte seine Mann­schaft nach dem 6:2 über Öster­reich auf gleich sieben Posi­tionen ver­än­dert. Zehn Monate bevor es ernst wird bei der Euro­pa­meis­ter­schaft in Polen und er Ukraine, pro­vo­zierte die deut­sche B‑Mannschaft eher mäßiges Inter­esse. Im neuen EM-Sta­dion klafften doch einige Lücken. Das kleine, für die deut­schen Fans reser­vierte Eck­chen blieb weit­ge­hend leer, was vor allem daran lag, dass der DFB Karten aus seinem Kon­tin­gent nur an hand­ver­le­senes Publikum wei­tergab, um mög­li­cher Ran­dale vor­zu­beugen.

So lag die erdrü­ckende akus­ti­sche Über­le­gen­heit bei den Polen, die alle deut­schen Spieler bei der nament­li­chen Vor­stel­lung gna­denlos aus­pfiffen, am lau­testen übri­gens Miroslav Klose, wäh­rend sich in die Abnei­gung gegen seinen deutsch-pol­ni­schen Kol­legen Lukas Podolski immerhin ein biss­chen Bei­fall mischte. Der noble Jubel­ver­zicht des Köl­ners nach seinen zwei Toren bei der EM 2008 gegen Polen hat offen­sicht­lich Wir­kung gezeigt.

Tur­bu­lent, aber nicht hoch­klassig

Polens Coach Fran­ciszek Smuda plat­zierte in seiner Start­for­ma­tion auch Damien Per­quis vom FC Sochaux. Der gebür­tige Fran­zose spricht zwar kein Wort Pol­nisch, hat aber immerhin eine in Polen gebo­rene Groß­mutter. Das erklärt viel­leicht, warum er bei seinem inter­na­tio­nalen Debüt einige Ver­stän­di­gungs­pro­bleme mit seinen Kol­legen offen­barte. Seiner Unge­schick­lich­keit hatte es Mario Götze zu ver­danken, dass er schon nach fünf Minuten die erste deut­sche Chance ein­fä­deln durfte, aber Kloses Schuss prallte von einem pol­ni­schen Abwehr­bein zurück. Danach hätte Simon Rolfes bei­nahe ein Tor mit der Ferse erzielt und Philipp Lahm schei­terte mit einem Dreh­schuss am pol­ni­schen Tor­hüter Wojciech Szc­zesny.

Zur Geschichte dieses tur­bu­lenten Auf und Ab gehört aber auch, dass auch die Polen reich­lich Tor­chancen hatten. Lewan­dowski spielte per­fekt in den Lauf von Peszko, der nur noch Tim Wiese vor sich hatte, dieses Duell aber gegen den Bremer Tor­hüter verlor. Diese Szene stand typisch für die zeit­wei­ligen Irri­ta­tionen in der deut­schen Abwehr. Zwar zeigte Mann­schafts­ka­pitän Philipp Lahm, dass er auf der linken Seite begabter ist denn als Literat. Aber die Innen­ver­tei­diger Per Mer­te­sa­cker und Jerome Boateng kennen sich eben nur flüchtig, und auf der linken Seite zeigte Chris­tian Träsch, dass gute Physis allein noch keinen Natio­nal­spieler macht. Der Wolfs­burger ermög­lichte Peszko durch sein schlechtes Stel­lungs­spiel noch zwei wei­tere Groß­chancen. Einmal lan­dete der Ball am Außen­netz, beim zweiten Mal ver­hin­derte Wiese mit ris­kanter Grät­sche einen durchaus mög­li­chen Rück­stand.

Boateng hatte nicht auf­ge­passt

Es blieb kurz­weilig, weil auch die defensiv schlecht orga­ni­sierten Polen den Deut­schen so manche gefähr­liche Aktion ermög­lichten. Die erste vergab Toni Kroos, im Nach­schuss trat André Schürrle über den Ball, dann ver­zet­telte sich Klose beim Ver­such, Tor­hüter Szc­zesny aus­zu­tricksen. Podolski setzte Klose kurz vor der Pause noch einmal in Szene, aber es war nicht der Abend des Neu-Römers.

Kloses Job über­nahm zur zweiten Halb­zeit der Stutt­garter Cacau, der gleich mit seiner ersten Aktion den Füh­rungs­treffer knapp ver­passte. Der Dort­munder Marcel Schmelzer ersetzte Lahm, nur Chris­tian Träsch fand keine Erlö­sung. Immerhin, beim pol­ni­schen Füh­rungstor war er nicht betei­ligt. Lewan­dowski erzielte es frei vor Wiese, nachdem Boateng nicht auf­ge­passt hatte. Weil Löw nun kei­nes­falls ver­lieren wollte, schickte er zur Ver­stär­kung des Angriffs­spiels Thomas Müller für Podolski auf den Platz. Der Münchner war gerade sieben Minuten auf dem Platz, da konnte Arka­diusz Glo­wacki seinen Sturm­lauf nur durch ein Foul im Straf­raum bremsen. Den fäl­ligen Elf­meter ver­wan­delte Kroos zum 1:1, es war sein erstes Tor im 21. Län­der­spiel.

Glo­wacki sah für sein Foul Gelb und flog nach einer wei­teren Ver­war­nung zehn Minuten vor Schluss später mit Gelb-Rot vom Platz. Den Deut­schen aber fehlte in Danzig der Esprit, zehn Polen in die Knie zu zwingen. Im Gegen­teil: Wiese senste den ein­ge­wech­selten Pawel Brozek um, und Blac­zy­kowski machte es genauso gut wie zuvor Kroos. Die pol­ni­schen Zuschauer fei­erten schon, doch in der vierten Minute der Nach­spiel­zeit traf Cacau noch zum kaum mehr erwar­teten Aus­gleich. Wieder war Thomas Müller der Weg­be­reiter, diesmal mit schöner Flanke vom rechten Flügel.