Seite 3: „In dieser Zeit kommt man schnell ins Grübeln und fragt sich, ob man gut genug ist.“

Ist die Kritik der Fans denn gerecht­fer­tigt? 
Ja, auf jeden Fall. Als Spieler ist das natür­lich nicht immer ein­fach, aber es gehört dazu. Als Ben­jamin Stam­bouli zum Bei­spiel die Kapi­täns­binde abge­nommen wurde, war das schon kein schöner Moment für uns. Er per­sön­lich konnte nichts dafür und so etwas vor 60.000 Leuten zu erleben, wünscht man keinem. Nach dieser schwie­rigen Saison sollten wir alle jetzt das große Ganze sehen: Wir sind ein Verein. Und wir haben die Situa­tion irgendwie zusammen gemeis­tert, jetzt müssen wir daraus lernen und können neu anfangen. 

Hinter Ihnen liegt jetzt eine sehr anstren­gende Saison – gehen Sie erleich­tert in die Som­mer­pause? 
Diese Saison war schon sehr viel los. Des­wegen bin ich einer­seits froh erst einmal etwas Ruhe zu finden, ande­rer­seits gibt es natür­lich nichts, was mir mehr Spaß macht als Fuß­ball zu spielen. Wahr­schein­lich werde ich es in ein paar Tagen schon ver­missen, aber gerade als junger Spieler ist es wichtig, sich auch Pausen zu nehmen.

Wie war es für Sie in zwei ver­schie­denen Mann­schaften zu spielen? Sie füllen sicher unter­schied­liche Rollen inner­halb der Teams aus.
Ein Spiel habe ich sogar noch für die U23 gemacht. Für mich war immer klar: Alles was ich bei den Profis erlebe, ist Bonus. Ich hatte dort Hochs, wie mein Tor gegen die Bayern. Es gab aber auch Tiefs, in denen ich nicht gespielt habe und auch nicht ein­ge­wech­selt wurde. In dieser Zeit kommt man schnell ins Grü­beln und fragt sich, ob man gut genug ist. Wenn ich bei den Profis nicht zum Ein­satz gekommen bin, dann habe ich immer nach­ge­fragt, ob ich bei der U19 spielen kann. Gerade bei den Halb­fi­nals der deut­schen Meis­ter­schaft, gegen Borussia Dort­mund, war es für mich per­sön­lich wichtig, dabei zu sein. 

Was tun Sie, wenn Sie beginnen zu zwei­feln?
Ich spreche viel mit meiner Familie. Auch meine besten Freunde und mein Berater sind wich­tige Bezugs­per­sonen in diesen Momenten. Manchmal will ich auch mit nie­mandem reden, son­dern mich ein­fach ablenken. Den Fuß­ball ein­fach kurz ruhen lassen.

Das können Sie nun in der Som­mer­pause machen. Wie sind die Pläne für die kom­mende Saison?
Ich bin ganz normal bei den Profis bei der Vor­be­rei­tung und dann sehen wir weiter. Ich hoffe, dass ich auf meine Ein­satz­zeiten komme. Spielen ist momentan für mich und meine Ent­wick­lung das Wich­tigste.

Im Sommer ist auch noch die U21-EM, Sie spielen für die tür­ki­sche U19-Natio­nal­mann­schaft. Haben Sie schon ent­schieden, für welche Natio­nal­mann­schaft sie später spielen wollen? 
Ich halte mir da alles offen, ich habe noch nichts ent­schieden. Da ich bis­lang nur für die Junioren gespielt habe, kann ich auch noch wech­seln. 

Leon Goretzka hat nach ras­sis­ti­schen Anfein­dungen beim Spiel der deut­schen Natio­nal­mann­schaft gesagt: Ich bin ein Kind des Ruhr­ge­biets. Da ant­wortet man auf die Frage nach der Natio­na­lität Schalke, Dort­mund oder Bochum. Für uns ist Inte­gra­tion kein Thema, son­dern Selbst­ver­ständ­lich­keit“ Spielt Her­kunft für Sie eine Rolle?
Nein, wir sind alle Men­schen. Mich inter­es­siert es nicht, ob einer Türke, Afri­kaner oder Deut­scher ist. Ob er in Europa geboren ist. Es ist egal welche Reli­gion, egal welche Haut­farbe oder Haar­farbe jemand hat. Wir sind alle Men­schen und man sollte jeden Men­schen gut behan­deln. Für Ras­sismus besitze ich kei­nerlei Tole­ranz. Affen­laute oder Ähn­li­ches sind ein­fach nicht kor­rekt, die Leute wollen selbst auch nicht so behan­delt werden. Ich respek­tiere grund­sätz­lich jeden.