Seite 2: Der DFB schreitet ein

Das rief natür­lich den DFB auf den Plan. Anfang Sep­tember besprach sich der Vor­stand in Mün­chen. Auf der Rück­reise begeg­nete Gene­ral­se­kretär Hans Paß­lack dem Jour­na­listen Robert Becker. Als der Reporter fragte, ob der DFB über­haupt etwas gegen den Ver­trag zwi­schen Cater­pillar und der Wormatia tun könnte, sagte der Funk­tionär: Wir kennen den Ver­trag. Er ist lösbar.“ Nur dreimal spielte Wormatia in den revo­lu­tio­nären Tri­kots, dann schrieb der DFB jenes Verbot in die Spiel­ord­nung, das Braun­schweig später aus­he­belte. Mitte Sep­tember wurden alle Mit­glieds­ver­bände und Ver­eine unter­richtet, dass die Spiel­klei­dung nur den Ver­eins­namen oder das Ver­eins­ab­zei­chen und die Nummer des jewei­ligen Spie­lers zeigen darf“. Die geschichts­träch­tigen Wormser Hemden wurden ein­ge­mottet und sind, wie Worma­tias Chro­nist Chris­tian Bub mit Bedauern berichtet, der Nach­welt leider nicht erhalten geblieben.

Am Ende der Saison schaffte die Wormatia auch ohne ame­ri­ka­ni­sche Finanz­spritze den Klas­sen­er­halt. Mit den oberen Tabel­len­re­gionen hatte Worms aber nichts zu tun. Platz eins ging mit großem Vor­sprung an den Klub, gegen den Wormatia zum ersten Mal das Trikot mit dem Schriftzug CAT“ getragen hatten – den SV Alsen­born. Dieser Verein kam aus einem Kaff von gerade 2.500 Ein­woh­nern und klopfte plötz­lich an die Tür zu Bun­des­liga. Ver­ant­wort­lich für die mär­chen­hafte Erfolgs­ge­schichte des Dorf­klubs waren ein pro­mi­nenter Trainer (Fritz Walter) und eine sehr gute Scou­ting-Abtei­lung. Doch nicht zuletzt auch das, was Wormatia fehlte: bare Münze. Der SVA wurde näm­lich von Hannes Ruth finan­ziert, aus­ge­rechnet einem Bau­un­ter­nehmer.

1967 1968 b
Ver­eins­ar­chiv Wormatia Worms

Übri­gens schrieb die Stutt­garter Zei­tung“ vier Tage nach dem his­to­ri­schen Spiel zwi­schen Worms und Alsen­born: Man bedenke, welche Mög­lich­keiten sich da erst den Bun­des­li­ga­ver­einen eröffnen! 1860 Mün­chen könnte im Löwen­bräu­dress antreten und der VfB Stutt­gart sich von einem guten Stern auf die Sie­ger­straße führen lassen. Aber das alles wäre nur der Anfang. Eines Tages würde eine Firma einen ganzen Verein mit Haut und Haaren besitzen und sich vom Ver­band über­haupt keine Vor­schriften mehr machen lassen.“ So weit wird es natür­lich zum Glück nie­mals kommen.