Seite 3: „Sie könnten sich zurücklehnen“ „Gute Idee“

Sie sind im Ruhr­ge­biet auf­ge­wachsen, wo die Men­schen teil­weise recht rus­tikal mit­ein­ander umgehen. Inwie­weit hat Sie das geprägt?
Ich glaube, der zen­trale Grund für meine Zufrie­den­heit ist meine fami­liäre Prä­gung. Meine Brüder und meine Eltern waren immer ein großer Rück­halt. Und ich hatte gute Freunde in der Schule, die ein völlig nor­males, gere­geltes Leben geführt haben.

In der Schule war neben Sport auch Kunst ein bevor­zugtes Fach von Ihnen. Sie haben gern gezeichnet. Inwie­weit ist Fuß­ball eine Form von Kunst?
Wenn man ein Bild malt, hat man alle Frei­heiten zu gestalten. Mit dem Ball auf dem Platz ist es ähn­lich. Aller­dings gibt es den Gegner, der einen in seiner Frei­heit ein­schränkt. (Lacht.) Es gibt sicher­lich ein paar Par­al­lelen, aber ein wenig hinkt der Ver­gleich auch.

Sie haben gesagt, dass Sie auf dem Platz viele Frei­heiten brau­chen. Das tak­tisch geprägte Spiel von Pep Guar­diola, das sehr viel Dis­zi­plin vom Ein­zelnen erfor­dert und stän­digen Ver­än­de­rungen unter­worfen ist, schränkt die Frei­heiten eines Spie­lers aber ein.
Auf jeden Fall. Aber seine Art uns ein­zu­stellen, bringt auch viele Vor­teile, etwa den, dass wir die Räume nun noch besser finden. Natür­lich ist es manchmal nicht ein­fach, jede seiner Umstel­lungen sofort umzu­setzen. Aber wenn man sieht, wie es beim FC Bayern aktuell funk­tio­niert, gibt es wenig Grund sich zu beschweren. Jeder Spieler will Frei­heiten, aber noch lieber will ein Spieler erfolg­reich sein. Und das funk­tio­niert bei uns sehr, sehr gut.

Ihr Jugend­trainer Peter Hyballa hat Sie öfter auf die Bank gesetzt, weil er wusste, dass Sie bei der Ein­wechs­lung dann beson­ders heiß waren. Im WM-Finale hat das auch geklappt. Muss ein Trainer Sie reizen?
(Lacht.) Kann man so sehen. Aber das ist ein zwei­schnei­diges Schwert. Wenn man das ab und an mal ver­sucht, kann es vor­kommen, dass ein Spieler reagiert. Aber wenn ein Trainer es zum Prinzip erhebt, nutzt es sich schnell ab. Denn gene­rell will ich natür­lich immer spielen und auch für meine Leis­tung im Trai­ning belohnt werden und so der Mann­schaft helfen. 

Anders gefragt: Hat es Sie beson­ders gewurmt, nicht im WM-Halb­fi­nale auf­ge­stellt zu werden, wo Sie sich mit den Bra­si­lia­nern hätten messen können?
Bei der WM gab es einige Situa­tionen, die ich mir anders gewünscht hätte. Nachdem ich bei der EM 2012 wegen einer Ver­let­zung nur wenige Ein­satz­zeiten hatte, wollte ich in Bra­si­lien unbe­dingt spielen. Doch es lief zwi­schen­durch immer wieder nicht so gut. Aber, wie gesagt, im Fuß­ball geht es nicht immer nur auf­wärts.

Von außen ist Ihnen diese Ent­täu­schung aber kaum anzu­merken. Mal ehr­lich, feuern Sie in der Kabine wenigs­tens mal eine Fla­sche in die Ecke, wenn keiner guckt?
Aus­ge­wech­selt zu werden ist das­selbe, als wenn ich Ihnen den Stift weg­nehme. Dann können Sie ihren Beruf nicht mehr aus­üben und das gefällt ihnen nicht. Aber Fla­schen fliegen da selten. Mal fällt es mir leichter, es hin­zu­nehmen, manchmal auch weniger leicht.

Sind Sie ein Spieler, der viel Zuspruch vom Coach braucht?
Viel nicht. Aber natür­lich ist es für mich wichtig zu merken, dass ich seine Rücken­de­ckung haben und das Gefühl, dass er mein Können sieht und schätzt. Jeder Spieler ist stärker, wenn er mit dem Ver­trauen des Coachs auf den Platz gehen kann.

Gibt es ein Spiel für den FC Bayern, in dem aus Ihrer Sicht alles per­fekt gelaufen ist?
Dass alles per­fekt läuft, pas­siert im Fuß­ball äußerst selten. Aber es waren schon ein paar sehr gute dabei.

Zum Bei­spiel?
Das DFB-Pokal-Finale 2014 oder als wir die Partie in der Bun­des­liga gegen den FSV Mainz 05 gedreht haben.

Mario Götze, eigent­lich könnten Sie sich doch zurück­lehnen und den Rest Ihrer Lauf­bahn genießen. Sie sind Welt­meister, mit 22 eine his­to­ri­sche Gestalt. Mehr können Sie fuß­bal­le­risch nicht errei­chen.
Gute Idee (lacht). Nein, im Ernst, wenn ich 30 wäre, dann viel­leicht. Aber der Groß­teil meiner Lauf­bahn liegt noch vor mir. Wenn mög­lich, will ich noch 15 Jahre spielen. Und in diesen Jahren will ich viel errei­chen.

Haben die Ver­ant­wort­li­chen beim FC Bayern Ihnen eine Per­spek­tive gegeben, die sinn­gemäß lautet: In drei, vier, fünf Jahren bist Du der zen­trale Mann bei uns im Mit­tel­feld. Wir bauen die Mann­schaft um Dich herum auf“?
Zumin­dest habe ich das Ziel, eines Tages eine noch zen­tra­lere Rolle zu spielen und mehr Ver­ant­wor­tung zu über­nehmen. Und ich hoffe schon, dass meine ganz große Zeit noch vor mir liegt. Mal sehen, was da noch alles kommt.

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HIN­WEIS: Das Inter­view wurde bereits im März für unsere aktu­elle Titel­ge­schichte geführt. (Die The­men­über­sicht 11FREUNDE #162 fin­dest Du hier ») Die ganze Geschichte über Mario Götze fin­dest Du in der aktu­ellen Aus­gabe #162 am Kiosk oder digital für Dein iPhone oder iPad im App-Store (Link)