Mario Götze, haben Sie mit Andreas Brehme über Ihr Tor im WM-Finale gespro­chen?
Bis jetzt noch nicht.

Oder ander­weitig mit der His­torie des deut­schen Fuß­balls befasst?
Die wich­tigsten Fakten kannte ich, aber da ich nun in dieser Rang­liste der WM-Tor­schützen auf­ge­führt werde, habe ich mich etwas genauer in die his­to­ri­schen Ereig­nisse rund um die Natio­nalelf ein­ge­lesen. Dem­nächst eröffnet ja auch das DFB-Museum, da muss ich ja wissen, wo mein Platz ist. (Lacht.)

Von einem Ihrem Vor­gänger, Helmut Rahn, hieß es, er habe in seiner Stamm­kneipe immer wieder das Tor im Finale von Bern nach­er­zählen müssen: Helmut, erzähl mich ma dat Tor.“ Haben Sie sich Gedanken dar­über gemacht, wie Sie dieses Ereignis in Zukunft kom­mu­ni­zieren?
Genauso wie man ein sol­ches Tor nicht planen kann, kann man die Kom­mu­ni­ka­tion dazu nicht planen. Es ist eine posi­tive Erin­ne­rung, also war es bis jetzt etwas Schönes, dar­über zu spre­chen. Aber natür­lich muss ich auf­passen, dass ich zukünftig nicht nur auf diesen Treffer redu­ziert werde.

Jogi Löw will Ihnen vor der Ein­wechs­lung im WM-Finale ins Ohr geflüs­tert haben: Jetzt zeig der Welt, dass Du besser als Messi bist.“ Sie sagten nach dem End­spiel, der Bun­des­trainer habe sinn­gemäß gesagt: Dass es jetzt einen braucht, der es rum­reißt, und dass ich das sein kann.“ Was ist denn nun richtig?
Natür­lich was der Trainer sagt. (Lacht.) Zuge­geben, ich hatte nicht erwartet, dass er aus­ge­rechnet diese Worte wählt. Es ging ihm wohl darum, mir einen letzten Impuls zu geben und mich zu pushen. Aber letzt­lich ist es egal: Es war gut für mich – und auch für Deutsch­land.

Aber irgendwie scheint Lionel Messi zwi­schen Ihnen ein Thema gewesen zu sein. Oder hing es nur damit zusammen, dass der da draußen auf dem Platz rum­lief?
Natür­lich ist Messi für mich immer ein großes Thema. Er und Cris­tiano Ronaldo sind die prä­genden Stürmer der letzten Jahre. Messi war stets ein Vor­bild.

Ist er das nach wie vor? Der Spruch von Löw klingt ja eher danach, als würden Sie sich an ihm messen.
Das eine schließt das andere nicht aus. Messi macht Sachen, die ein großer Ansporn sind. Bei ihm kann ich mir was abschauen. Spieler wie er sind eine große Moti­va­tion.

Was kann Messi besser als Sie?
Er macht deut­lich mehr Tore.

Vor vier Jahren gaben Sie 11FREUNDE Ihr erstes Inter­view. Damals standen Sie vor Ihrem vierten Län­der­spiel und waren der Shoo­ting­star in einer jungen BVB-Mann­schaft. Die nach­hal­tigste Ver­än­de­rung in Ihrem Leben seit damals?
Es ist schwer, nur ein Ele­ment her­aus­zu­greifen. Die Erin­ne­rungen an das, was seitdem pas­siert ist, rei­chen für meh­rere Leben: die EM, die WM, der Klub­wechsel, die neue Stadt. Für einen jungen Men­schen wie mich sind das sehr viele Erfah­rungen, an denen ich wachse und die meine Ent­wick­lung beschleu­nigen.

Aber sind so viele starke Ein­drücke nicht auch anstren­gend?
Mit­unter ist es schwer, alles, was um mich herum pas­siert, ent­spre­chend wahr­zu­nehmen. Aber ich ver­suche, gerade die schönen Momente – etwa das WM-Finale – gedank­lich ein­zu­frieren und Posi­tives daraus zu schöpfen. Was ange­sichts ständig neuer Ereig­nisse nicht ein­fach ist. Es pas­siert so viel, dass ich mich regel­recht kon­zen­trieren muss: Mario, Du bist gerade hier, nimm es wahr.“ Eine ambi­va­lente Sache.

Besteht die Gefahr, dass der Trubel um Sie auf Dauer regel­recht ein­tönig wird.
Mög­li­cher­weise was die Abläufe anbe­trifft: Trai­ning, Bun­des­liga, Trai­ning, Cham­pions League, Trai­ning, Natio­nal­mann­schaft. Mein Leben ver­läuft sehr getaktet, was eine Begleit­erschei­nung des Fuß­balls ist. Aber ein­tönig würde ich das nicht nennen. Jedes Match ist anders. Und manchmal ver­lieren wir ja auch. (Lacht.) Das ist dann auch wieder anders. 

Ihr Vater hat gesagt, es sei ihm wichtig, dass Sie bei all dem Fuß­ball auch ab und zu etwas für ihren Kopf tun. Was tun Sie denn?
(Lacht.) Ich bin ja viel unter­wegs, da bleibt Zeit mal in Zeit­schriften und Maga­zinen zu blät­tern oder Serien zu schauen, was ich vor­nehm­lich auf Eng­lisch mache. Ansonsten lese ich ganz gern: Der Insider“ von Michael Robo­tham, der schon meh­rere richtig gute Bücher geschrieben hat. Oder das Buch von Novak Djo­kovic über glu­ten­freie Ernäh­rung. Die Bio­gra­phie von Rafael Nadal: Mein Weg an die Spitze“. Ich finde es schon sehr inter­es­sant, wie andere Spit­zen­sportler auf ihre Leben bli­cken.

Vor vier Jahren benannten Sie Pep Guar­diola neben Zine­dine Zidane und Lionel Messi als eines Ihrer Idole. Jetzt ist der Mann ihr Trainer.
Und Zidane hat gerade beim FC Bayern hos­pi­tiert. Es ist etwas anderes, wenn man Vor­bilder per­sön­lich ken­nen­lernt. Aber, mal ehr­lich, mit 22 kann einem Spieler doch nichts Bes­seres pas­sieren, als mit sol­chen Per­sön­lich­keiten zu arbeiten und von ihnen zu lernen.

Jürgen Klopp, Pep Guar­diola, Jogi Löw – schon als junger Profi haben Sie unter den bedeu­tendsten Trai­nern unserer Zeit gear­beitet. Was haben diese Typen alle gemeinsam?
Da alle ihre eigene Phi­lo­so­phie ver­folgen, sind Ver­gleiche natür­lich schwer. Aber in meiner Kar­riere waren es zur rich­tigen Zeit die rich­tigen Leute. Jürgen Klopp hat mir schon als sehr junger Spieler ver­traut. Jogi Löw hat mich in der Natio­nalelf auf­ge­baut, mit ihm bin ich Welt­meister geworden. Und von Guar­diola lerne ich tak­tisch sehr viel dazu.

Ihr Jugend­trainer Dirk Reim­öller sagte: Mario will immer Spaß auf dem Platz haben.“ In der Jugend steht dieser Gedanke sicher im Vor­der­grund, aber inzwi­schen for­dern Ihre Trainer mehr ein. Bleibt der Spaß zuneh­mend auf der Strecke?
Es ist eine andere Art von Spaß. Viel­leicht nehme ich Fuß­ball heute ein Stück­weit mehr als Arbeit“ wahr. Aber ich trage die Freude am Fuß­ball in mir, ich bin also auch dafür ver­ant­wort­lich, sie mir zu erhalten. Wenn man erfolg­reich spielt, so wie wir momentan, fällt das nicht schwer.

Sie nehmen den Fuß­ball mehr als Arbeit wahr – ist diese Wahr­neh­mung eher kör­per­lich oder mental?
Da kommt vieles zusammen. Auch die Erwar­tungen der Medien erzeugen Druck, die Erwar­tungen der Leute. Dazu komm der Druck, Titel zu gewinnen. Natür­lich will auch ein Jugend­spieler Titel gewinnen, aber da ist der Stel­len­wert noch nicht so hoch. Wenn man als Profi in der Öffent­lich­keit steht, ver­än­dert sich vieles, aber wie gesagt, das ver­suche ich auf dem Platz aus­zu­blenden und Spaß zu haben.

Wie aus­ge­prägt ist bei Ihnen das Gefühl, der Öffent­lich­keit etwas beweisen zu müssen?
Gar nicht. Fuß­ball ist so ein schnell­le­biges Geschäft, einem Jour­na­listen etwas beweisen zu wollen, wäre falsch, denn beweise ich ihm heute etwas, nächste Woche aber nicht mehr, schreibt er doch wieder das Gegen­teil von dem, was er diese Woche schreibt. Letzt­lich geht es darum, es mir selbst zu beweisen. Fuß­ball ist eine per­sön­liche Sache. Ich stehe auf dem Platz, ich habe Erfolg, aber auch Miss­erfolg. Ich muss damit klar kommen. Des­halb ist das Wich­tigste, dass es Spaß macht, sonst ist es im Fuß­ball wie in allen anderen Jobs: Man bringt seine Fähig­keiten nicht zum Tragen und kann weder die Leis­tung bringen, die man selbst von sich erwartet, noch die der anderen.

Sie haben gesagt, dass Ihnen gegen­über von Jour­na­listen Grenzen über­treten wurden. Was hat Sie beson­ders ver­letzt?
Nur soviel: Man muss sich in dieser Branche ein wahn­sinnig dickes Fell zulegen. Vor ein zwei Jahren gab es einige Situa­tionen, auf die ich so nicht vor­be­reitet sein konnte.

Zum Bei­spiel?
Die Reak­tionen auf meinen Wechsel aus Dort­mund nach Mün­chen. Oder der Trubel bei der Welt­meis­ter­schaft. Das waren Situa­tionen, die ein junger Mensch schlecht ein­schätzen kann. Aber je länger ich in diesem Geschäft bin, desto genauer kenne ich die Abläufe und weiß, wie Medien funk­tio­nieren. Inzwi­schen weiß ich, wie ich mit sol­chen Momenten umgehen muss.

Fühlen Sie sich gene­rell im Fuß­ball­busi­ness wohl?
Im Busi­ness nur sehr bedingt. Mir gefällt das Spiel. Der Moment ins Sta­dion zu laufen, die Hymne zu hören, die vollen Ränge, die Fans. Davon habe ich schon als Kind geträumt.

Wie schaffen Sie es, sich vom ganzen Brim­bo­rium, das heute um Spieler Ihrer Kate­gorie gemacht wird, nicht ablenken zu lassen.
Ich glaube, da gibt es keine psy­cho­lo­gi­schen Tricks oder sons­tige Methoden. Sowas kann ich nur erleben und ver­su­chen, meine Schluss­fol­ge­rungen daraus zu ziehen. 

Haben Sie eine Erklä­rung dafür, warum Sie von den Medien oft als unnahbar beschrieben werden?
Ich war sehr ver­wun­dert dar­über, es ist schon eigen­artig zu sehen, was da in einen hinein inter­pre­tiert wird. Mir fällt auf, dass von Medien jede ein­zelne kleine Situa­tion sofort beur­teilt wird, auch ohne dass man sich ein umfas­sendes Bild von mir gemacht hat. Ich kann nur sagen, dass ich privat sehr gerne unter Men­schen bin.

Sie kennen die Geschichte von Sebas­tian Deisler, der mental mit den Anfor­de­rungen des Busi­ness nicht zurecht gekommen ist. Was können Sie in Ihrer Situa­tion von seiner Vita lernen?
Ich habe seine Bio­gra­phie gelesen, nicht zuletzt, weil mich auch inter­es­siert, welche Per­spek­tive er auf diesen Job hat. Mich hat auch inter­es­siert, wie es sich bei Sebas­tian so ent­wi­ckeln konnte und ob ich daraus für mich etwas ableiten kann.

Und?
Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich ein anderer Typ bin, deut­lich gefes­tigter. Ich kann jeden­falls guten Gewis­sens sagen, dass die posi­tiven Seiten in meinem Leben als Fuß­baller deut­lich über­wiegen und dass ich noch nie das Gefühl hatte, dass mir alles zu viel wird oder ich nicht mehr weiß, wie ich mit einer Situa­tion umgehen soll.

Experten loben Ihre unge­heure Stress­re­sis­tenz auf dem Rasen, was Druck­si­tua­tionen anbe­trifft. Sie haben immer eine Lösung anzu­bieten. Haben Sie diese Stress­re­sis­tenz auch im Leben?
Ich ver­suche mein Leben ent­spannt anzu­gehen. Wenn mir vor fünf Jahren einer vor­aus­ge­sagt hätte, was sich alles ereignen würde, hätte ich ihn für ver­rückt erklärt. Ich bin total glück­lich, wie es gelaufen ist. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, übe es auf höchster Ebene aus. Da kann ich die wenigen nega­tiven Begleit­erschei­nungen locker ertragen. 

Sind Sie den­noch nach den Reak­tionen auf Ihren Wechsel nach Mün­chen miss­traui­scher geworden?
Die Aus­maße konnte nie­mand erahnen. Jeder in Deutsch­land darf den Arbeit­geber wech­seln, inso­fern war es für mich schwer zu ver­stehen, warum mir das nicht zuge­standen wird. Jeden­falls bin ich mit der Ent­schei­dung nach wie vor sehr zufrieden.

Im Zuge des Wech­sels hatten Sie mit meh­reren Ver­let­zungen zu kämpfen. Gab es da einen kau­salen Zusam­men­hang zu den Que­relen?
Im Fuß­ball wird vieles im Kopf ent­schieden. Natür­lich ist dieser Zusam­men­hang nicht nach­weisbar. Aber dass auch der Wechsel eine Rolle spielte, als ich mich gegen Real Madrid ver­letzte, kann ich auch nicht aus­schließen.

Vor zwei Jahren hatten Sie mit einer Scham­bein­ent­zün­dung zu kämpfen. Es war der erste Rück­schlag in einer Kar­riere, die bis dato völlig glatt gelaufen war. Es folgten ein Mus­kel­fa­ser­riss und ein Kap­sel­riss. Haben Sie diese Rück­schläge nach­denk­li­cher gemacht?
Zumin­dest haben sie mir gezeigt, wie schnell in diesem Busi­ness alles gehen kann. Als Fuß­baller bekommt man auto­ma­tisch eine andere Per­spek­tive auf den Job, wenn man nicht auf dem Platz stehen kann. Ich habe gerade mit Thiago (Alcan­tara, d.Red.) dar­über gespro­chen, wie glück­lich er sich fühlt, end­lich wieder mit der Mann­schaft zu trai­nieren. 

Es war zu lesen, dass Sie teil­weise sogar noch im Anschluss an Spiele indi­vi­du­elle Trai­nings­ein­heiten machen, um mehr Physis und Robust­heit auf­zu­bauen.
Das wird auch über­trieben. Nach 90 Minuten in der Cham­pions League geht kein Mensch mehr in den Fit­ness­raum. Aber natür­lich muss ich an meinem Körper arbeiten. Fuß­ball ist ein Kon­takt­sport, in dem es darum geht, sich durch­zu­setzen. Ich mache viel Fit­ness, Stret­ching und auch Yoga. Und wenn ich nicht ein­ge­setzt werde, kann es vor­kommen, dass ich auch am Spieltag eine Ein­heit absol­viere.

Wo sind Sie im Trai­ning am meisten bei sich?
Beim Spiel mit dem Ball. Fünf gegen zwei. Kleine Tur­niere. Es muss nicht unbe­dingt Lauf­trai­ning sein. (Lacht.)

Sie sind im Ruhr­ge­biet auf­ge­wachsen, wo die Men­schen teil­weise recht rus­tikal mit­ein­ander umgehen. Inwie­weit hat Sie das geprägt?
Ich glaube, der zen­trale Grund für meine Zufrie­den­heit ist meine fami­liäre Prä­gung. Meine Brüder und meine Eltern waren immer ein großer Rück­halt. Und ich hatte gute Freunde in der Schule, die ein völlig nor­males, gere­geltes Leben geführt haben.

In der Schule war neben Sport auch Kunst ein bevor­zugtes Fach von Ihnen. Sie haben gern gezeichnet. Inwie­weit ist Fuß­ball eine Form von Kunst?
Wenn man ein Bild malt, hat man alle Frei­heiten zu gestalten. Mit dem Ball auf dem Platz ist es ähn­lich. Aller­dings gibt es den Gegner, der einen in seiner Frei­heit ein­schränkt. (Lacht.) Es gibt sicher­lich ein paar Par­al­lelen, aber ein wenig hinkt der Ver­gleich auch.

Sie haben gesagt, dass Sie auf dem Platz viele Frei­heiten brau­chen. Das tak­tisch geprägte Spiel von Pep Guar­diola, das sehr viel Dis­zi­plin vom Ein­zelnen erfor­dert und stän­digen Ver­än­de­rungen unter­worfen ist, schränkt die Frei­heiten eines Spie­lers aber ein.
Auf jeden Fall. Aber seine Art uns ein­zu­stellen, bringt auch viele Vor­teile, etwa den, dass wir die Räume nun noch besser finden. Natür­lich ist es manchmal nicht ein­fach, jede seiner Umstel­lungen sofort umzu­setzen. Aber wenn man sieht, wie es beim FC Bayern aktuell funk­tio­niert, gibt es wenig Grund sich zu beschweren. Jeder Spieler will Frei­heiten, aber noch lieber will ein Spieler erfolg­reich sein. Und das funk­tio­niert bei uns sehr, sehr gut.

Ihr Jugend­trainer Peter Hyballa hat Sie öfter auf die Bank gesetzt, weil er wusste, dass Sie bei der Ein­wechs­lung dann beson­ders heiß waren. Im WM-Finale hat das auch geklappt. Muss ein Trainer Sie reizen?
(Lacht.) Kann man so sehen. Aber das ist ein zwei­schnei­diges Schwert. Wenn man das ab und an mal ver­sucht, kann es vor­kommen, dass ein Spieler reagiert. Aber wenn ein Trainer es zum Prinzip erhebt, nutzt es sich schnell ab. Denn gene­rell will ich natür­lich immer spielen und auch für meine Leis­tung im Trai­ning belohnt werden und so der Mann­schaft helfen. 

Anders gefragt: Hat es Sie beson­ders gewurmt, nicht im WM-Halb­fi­nale auf­ge­stellt zu werden, wo Sie sich mit den Bra­si­lia­nern hätten messen können?
Bei der WM gab es einige Situa­tionen, die ich mir anders gewünscht hätte. Nachdem ich bei der EM 2012 wegen einer Ver­let­zung nur wenige Ein­satz­zeiten hatte, wollte ich in Bra­si­lien unbe­dingt spielen. Doch es lief zwi­schen­durch immer wieder nicht so gut. Aber, wie gesagt, im Fuß­ball geht es nicht immer nur auf­wärts.

Von außen ist Ihnen diese Ent­täu­schung aber kaum anzu­merken. Mal ehr­lich, feuern Sie in der Kabine wenigs­tens mal eine Fla­sche in die Ecke, wenn keiner guckt?
Aus­ge­wech­selt zu werden ist das­selbe, als wenn ich Ihnen den Stift weg­nehme. Dann können Sie ihren Beruf nicht mehr aus­üben und das gefällt ihnen nicht. Aber Fla­schen fliegen da selten. Mal fällt es mir leichter, es hin­zu­nehmen, manchmal auch weniger leicht.

Sind Sie ein Spieler, der viel Zuspruch vom Coach braucht?
Viel nicht. Aber natür­lich ist es für mich wichtig zu merken, dass ich seine Rücken­de­ckung haben und das Gefühl, dass er mein Können sieht und schätzt. Jeder Spieler ist stärker, wenn er mit dem Ver­trauen des Coachs auf den Platz gehen kann.

Gibt es ein Spiel für den FC Bayern, in dem aus Ihrer Sicht alles per­fekt gelaufen ist?
Dass alles per­fekt läuft, pas­siert im Fuß­ball äußerst selten. Aber es waren schon ein paar sehr gute dabei.

Zum Bei­spiel?
Das DFB-Pokal-Finale 2014 oder als wir die Partie in der Bun­des­liga gegen den FSV Mainz 05 gedreht haben.

Mario Götze, eigent­lich könnten Sie sich doch zurück­lehnen und den Rest Ihrer Lauf­bahn genießen. Sie sind Welt­meister, mit 22 eine his­to­ri­sche Gestalt. Mehr können Sie fuß­bal­le­risch nicht errei­chen.
Gute Idee (lacht). Nein, im Ernst, wenn ich 30 wäre, dann viel­leicht. Aber der Groß­teil meiner Lauf­bahn liegt noch vor mir. Wenn mög­lich, will ich noch 15 Jahre spielen. Und in diesen Jahren will ich viel errei­chen.

Haben die Ver­ant­wort­li­chen beim FC Bayern Ihnen eine Per­spek­tive gegeben, die sinn­gemäß lautet: In drei, vier, fünf Jahren bist Du der zen­trale Mann bei uns im Mit­tel­feld. Wir bauen die Mann­schaft um Dich herum auf“?
Zumin­dest habe ich das Ziel, eines Tages eine noch zen­tra­lere Rolle zu spielen und mehr Ver­ant­wor­tung zu über­nehmen. Und ich hoffe schon, dass meine ganz große Zeit noch vor mir liegt. Mal sehen, was da noch alles kommt.

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HIN­WEIS: Das Inter­view wurde bereits im März für unsere aktu­elle Titel­ge­schichte geführt. (Die The­men­über­sicht 11FREUNDE #162 fin­dest Du hier ») Die ganze Geschichte über Mario Götze fin­dest Du in der aktu­ellen Aus­gabe #162 am Kiosk oder digital für Dein iPhone oder iPad im App-Store (Link)