Junior Malanda
So langsam muss man sich Sorgen machen, ob Junior Malanda zuhause die Zim­mer­türen findet oder immer und immer wieder gegen die Tür­rahmen läuft, bis ihm jemand zeigt, wo der Ein­gang ist. Nach seinem Fehl­schuss gegen die Bayern vorige Woche stand ihm im Spiel gegen Frank­furt das Tor erneut offener als Rainer Cal­munds oberster Hosen­knopf nach einer Stunde am All-you-can-eat-Buffet, und wieder ver­sagtem dem jungen Bel­gier die Nerven. Gerüchten zufolge wurde Malanda nach dem Spiel am Wolfs­burger Bahnhof gesehen, wo er ver­träumt ein paar Fahr­karten löste, bevor er dann nach Hause ging, um sich um seine Blind­fisch-Zucht zu küm­mern. Aber auch wenn es sport­lich gerade etwas hol­pert, wenigs­tens privat läuft’s: Frank Mills Antrag auf Adop­tion ist jetzt wohl end­lich bewil­ligt worden.

Karim Bel­la­rabi
Noch letzte Woche reüs­sierte Lever­ku­sens Karim Bel­la­rabi in dieser Liste, weil er gegen Dort­mund schneller zum Abschluss kam als einst Boris Becker in der Besen­kammer. Diese Woche dürfen wir den Flü­gel­flitzer mit dem kecken Schnauz direkt wieder begrüßen, weil er sich in wenigen Wochen von einem abstei­genden Braun­schweiger zu einem Cham­pions-League-spie­lenden Sen­sa­ti­ons­fuß­baller gemau­sert hat. Die Art und Weise, mit der Bel­la­rabi vor dem 3:2 gegen die Hertha mit der gesamten Hin­ter­mann­schaft Ber­lins Slalom fuhr, hat ihm nun eine Nomi­nie­rung für den erwei­terten Kader der Ski-Abfahrts-Natio­nal­mann­schaft ein­ge­bracht. Das Sah­ne­häub­chen war dann sein Vol­ley­treffer zum 4:2‑Endstand, bei dem Bel­la­rabi eine Flanke von Hakan Cal­ha­noglu so derart saftig ins lange Eck peitschte, dass das Klat­schen des Netzes auch heute morgen noch zwi­schen den Tri­bünen der BayArena hin und her­schallt.

Marco Reus
Geschwin­dig­keit, Technik, Ball­be­hand­lung, ein Bewe­gungs­ab­lauf wie ein gut geöltes Uhr­werk – wir sind uns sicher, dass jedes Mal, wenn Marco Reus zu einem seiner Edel-Sprints ansetzt, irgendwo auf der Welt ein Play­Sta­tion-Con­troller aus einem Schrank fällt, um in selbst­mör­de­ri­scher Absicht auf dem Fuß­boden zu zer­schellen. Reus’ Aus­nah­me­klasse konnte man am Freitag wieder bestaunen, als er kurz die Augs­burger Hin­ter­mann­schaft auf Links zog und eine wun­der­schöne Kom­bi­na­tion so ele­gant abschloss, dass meh­rere inter­na­tio­nale Spit­zen­de­si­gner ange­fragt haben, ob Reus aus Wer­be­gründen nicht dem­nächst mal in einem Abend­kleid auf­laufen könne. Was er wahr­schein­lich nicht tun wird. Aber selbst wenn: für 90 Pro­zent der Bun­des­liga-Ver­tei­diger würde es auch so rei­chen.

Xabi Alonso
Da war er plötz­lich, Europas Voll­bart­träger der Jahre 2005 – 2013, und spielte seine Pässe durch das Bay­ri­sche Mit­tel­feld, als habe er in den letzten Jahren nie etwas anderes getan. Und eigent­lich stimmt das auch, denn ob er nun das Münchner Mit­tel­feld diri­giert oder jenes in Madrid oder Liver­pool – wo liegt für so einen erfah­renen Spieler da schon der Unter­schied? Man könnte dem Mann eine Fleisch­wurst in die Hand drü­cken, er würde damit das Sym­pho­nie­or­chester des Bay­ri­schen Rund­funks feh­ler­frei durch Beet­ho­vens Fünfte diri­gieren. Und anschlie­ßend unter Bei­fall aus dem Saal grät­schen, im Frack. Was ein Spieler.

Sebas­tian Rode
Als im Früh­jahr Sebas­tian Rodes Wechsel nach Mün­chen öffent­lich gemacht wurde, drückte der ein oder andere Kol­lege die Daumen, dass der sym­pa­thi­sche Hesse es zumin­dest bei den Ball­jungen in die erste Mann­schaft schaffen möge. Wieder andere Kol­legen fragten sich, ob Rode even­tuell auf der Geschäfts­stelle eine Aus­bil­dung anfängt, weil Pro­fi­fuß­ball ja eine eher unso­lide Sache ist. Nur zwei Spiel­tage und zwei beein­dru­ckende Vor­stel­lungen später krie­chen wir mal wieder zu Kreuze, weil Rode bei den Bayern tat­säch­lich spielt. Und das nicht in der Zweiten, der A‑Jugend, der Kegelab­tei­lung, abends mal beim Skat, Playsi mit den Jungs oder Sudoku, wäh­rend er brav in der Kabine auf die Stamm­spieler wartet, son­dern bei den rich­tigen, den großen Bayern. Ver­rückte Fuß­ball­welt.

Sebas­tian Jung
Von Adorno wissen wir, dass es kein rich­tiges Leben im fal­schen gibt. Und lässt man mal den ganzen intel­lek­tu­ellen Phi­lo­so­phen­sprech bei­seite und bricht Adornos Minima Moralia auf die Kern­aus­sage runter, dann wissen wir, dass er eigent­lich davon sprach, dass es als Frank­furter kein Leben im Wolfs­burger Trikot gibt. Zu diesem Schluss ist zumin­dest unsere Phi­lo­so­phie-AG gekommen, die sich immer Don­ners­tags beim Döner­grill gegen­über zum Dis­kus­si­ons­kreis trifft. Gestützt wurde diese These bisher von Marco Russ und Patrick Ochs, seit Samstag nun auch von Sebas­tian Jung. Denn aus­ge­rechnet Ex-Frank­furter Jung war es, dem im ersten Spiel gegen seine große Liebe das Eigentor zum 1:1 unter­lief und die Hessen damit zurück ins Spiel brachte. Zuge­geben: Jung wurde eher ange­schossen und konnte wenig für das Eigentor. Aber das ist dann höhere Fügung oder Schicksal, und ob es sowas über­haupt gibt, und wenn ja, was das dann ist, haben wir noch nicht erör­tert. Machen wir aber Don­nerstag.

Nicklas Bendtner
Es ist schon wirk­lich unglaub­lich, mit wel­cher her­aus­ra­genden Klasse Nicklas Bendtner gegen Frank­furt zu Werke ging. Ins­be­son­dere seine beiden Fall­rück­zieher-Tore, aber natür­lich auch sein 90-Meter-Solo, bei dem er den Ball abwech­selnd auf der Nase und auf dem Nacken balan­cierte sowie sein Vol­ley­kra­cher in den Winkel (nach geg­ne­ri­scher Ecke) unter­mau­erten einmal mehr seinen Ruf als welt­bester Stürmer, was Lionel Messi und Zlatan Ibra­hi­movic wie üblich mit Gra­tu­la­tions-SMS quit­tierten, in denen sie dem Lord dankten, mit ihm den Pla­neten teilen zu dürf… oh, ent­schul­di­gung, kurz über einem Bendtner-Inter­view von 2010 ein­ge­nickt. Aber im Ernst: War ganz ordent­lich, was Bendtner in seinen 20 Minuten Ein­satz­zeit zeigte. Viel­leicht wird das ja tat­säch­lich was mit ihm und Wolfs­burg.

Bene­dikt Höwedes
Bedanken möchten wir uns diese Woche bei Bene­dikt Höwedes, weil er mit seinem Tor zum 1:1 einen erneuten Rake­ten­start der Über­bayern zumin­dest ein wenig ver­zö­gert hat. Reicht ja, wenn sie dieses Jahr erst am 14. Spieltag Meister werden. Ob das Tor nun regulär oder wegen Hand­spiels irre­gulär war, wissen wir auch nicht so genau. Aller­dings kommen wir unserer Recher­che­pflicht der­zeit nach und nageln den neuen Prak­ti­kanten im Innenhof gerade pau­senlos die Bälle per Voll­spann an die Hände. Bisher aller­dings ohne Ergebnis.

Julian Schieber
Viel­leicht haben wir uns getäuscht. Viel­leicht war der Under­taker die ganze Zeit der Gute, viel­leicht ist der Pur-Hitmix doch nicht die Krone der musi­ka­li­schen Evo­lu­tion, viel­leicht ist Halb­fett-Leber­wurst doch kein Werk des Teu­fels und alko­hol­freies Bier genießbar. Und viel­leicht ist Julian Schieber ein wirk­lich guter Stürmer, denn nach seinem Treffer gegen Lever­kusen steht Her­thas mit dem Kör­perbau und der Beweg­lich­keit einer Beton­misch­ma­schine geseg­nete Neu­zu­gang bereits bei drei Sai­son­toren. Das ent­spricht in etwa den Spiel­mi­nuten, die er in zwei Jahren beim BVB hatte. Uns kommen seine Tore indes sehr gelegen, denn da Sascha Möl­ders der­zeit so wenig spielt, brau­chen wir über­gangs­weise einen neuen Sturm­bullen der Herzen. Also, lieber Julian, wie wär’s?

Mario Vrancic
Zu pein­li­chen Szenen vor der ört­li­chen Salsa-Tanz­schule kam es, als sich am Samstag nach dem Pader­born-Spiel gleich meh­rere Redak­ti­ons­mit­glieder bei der Anmel­dung in die Arme liefen und dann ver­schämt nach bil­ligen Aus­reden suchen mussten. Aus­löser für das uner­war­tete Inter­esse am Sal­sa­tanz war Mario Vran­cics läs­siger Arsch­wackler, mit dem er René Adler vor dem 2:0 der Pader­borner aufs Gras schickte und der ihm nun gerüch­te­weise einen Rechts­streit mit Sha­kira ein­ge­bracht hat. Abseits davon machte Vrancic ein prima Spiel in Ham­burg, auch wenn man ins­ge­samt leider fest­halten muss, dass der HSV sich seiner letzt­jäh­rigen Form bedenk­lich angleicht und man der­zeit ver­mut­lich auch auf einem Einrad durch die Defen­sive der Ham­burger fahren, St. Pauli-Lieder singen und den Abwehr­spie­lern Esels­kappen auf­setzen könnte, ohne dass sie sich groß­artig wehren würden.

Sebas­tian Kerk
Der ein oder andere Leser mag jetzt ver­wun­dert sein Mon­tag­morgen-Bier zur Seite stellen und ein ver­wun­dertes Hä, warum denn der Kerk, der hat doch bloß drei Minuten gespielt“ auf­stoßen. Ja, ganz genau, eben des­wegen. Die beiden Sonn­tags­spiele waren näm­lich von einer derart lau­sigen Qua­lität, dass heute morgen gleich meh­rere Redak­teure gekün­digt und spontan ein Magazin für Fuß­ball­hasser gegründet haben (Arbeits­titel: 11Sonntagsspiele“). Kerk trug mit seinen drei Ein­satz­mi­nuten am wenigsten zu der sonn­täg­li­chen Fuß­ball­ab­ge­wöh­nungskur bei, von der wir immer noch glauben, dass sie von der Valium-Mafia ver­schoben oder von einer Ter­ror­or­ga­ni­sa­tion unter­wan­dert wurde, um Mil­lionen Zuschauer ein­fach ein­zu­schlä­fern. Gut, dass solche Paa­rungen eh kein Mensch guckt.